Strafuntersuchung
Die Opfer warten auf das Berufsverbot für Padrutt

Obwohl gegen den Anwalt Roland Padrutt schon lang ermittelt wird, darf dieser weiterpraktizieren. Die Geschädigten der neusten mutmasslichen Vermögensdelikte verstehen das nicht.

Thomas Röthlin
Merken
Drucken
Teilen
Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des umstrittenen Anwalts Padrutt.

Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des umstrittenen Anwalts Padrutt.

Chris Iseli

Am Donnerstag deckte die az Aargauer Zeitung auf, dass die kantonale Staatsanwaltschaft im Dezember 2010 gegen den Lenzburger Anwalt und Treuhänder Roland Padrutt eine Strafuntersuchung eingeleitet hat. Das laufende Verfahren dreht sich um mehrere Vermögensdelikte Padrutts, auch in seiner Rolle als Liegenschaftenverwalter.

Gestern um 6.36 Uhr beantwortete der Ex-Mann der ehemaligen SP-Politikerin Ursula Padrutt und frühere Richter eine E-Mail-Anfrage, die ihn mit den der Redaktion bekannten Anschuldigungen konfrontierte. Er sei wegen eines mehrstündigen Fluges «nicht internetfähig» gewesen, erklärt Padrutt sein langes Schweigen zu der am Mittwoch um 12.59 Uhr abgesetzten Nachricht. Zu den konkreten Fragen nehme er, der zurzeit beruflich im Ausland weile, «grundsätzlich nicht Stellung». Man solle sich mit seinem Anwalt in Aarau unterhalten.

Wilhelm Boner ist Experte für Wirtschaftsstrafrecht und der amtlich eingesetzte Pflichtverteidiger Padrutts. Auch er äussert sich nicht.

Aus allen Wolken gefallen

Die mutmasslich Geschädigten stört, dass Padrutt bis jetzt praktizieren kann. «Wir haben 17 Jahre gespart für allfällige Renovationen, und jetzt ist alles weg», ärgert sich eine Stockwerkeigentümerin. Sie merkte im Dezember, dass Verwalter Padrutt im Sommer den Erneuerungsfonds erleichtert hatte. Eine andere Stockwerkeigentümerin wurde im Herbst von der Polizei als Zeugin vorgeladen, über die Strafuntersuchung aber im Dunkeln gelassen, sodass sie keinen Verdacht schöpfte. Erst als sie von ihrer Leidensgenossin gewarnt wurde, fiel sie «aus allen Wolken».

Anders als die beiden Fälle belasten die unerklärlichen Überweisungen über mehrere hunderttausend Franken von einem Erbschaftskonto Padrutt als Anwalt. Die mit der Strafverfolgung eingeschaltete aargauische Anwaltskommission bestätigte mehrere Aufsichtsanzeigen mit dem Antrag, Padrutt die Berufsausübung zu verbieten.

Das ist gemäss Gesetz aber erst nach einer strafrechtlichen Verurteilung möglich. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Eines der Opfer kommentiert die Publikmachung der Ermittlungen deshalb so: «Hoffentlich gehts jetzt endlich vorwärts.»

Geprüft wird hingegen ein vorsorgliches Berufsverbot, das während eines laufenden Verfahrens möglich ist. In seinem Kommentar zum Anwaltsgesetz schreibt Rechtsprofessor Walter Fellmann, für eine solche Massnahme müssten «schwerwiegende Gründe vorliegen». Es muss wahrscheinlich sein, dass eine Verurteilung und damit eine Löschung aus dem Anwaltsregister droht.

Vermögensdelikte nicht vereinbar

In den vergangenen zehn Jahren führte die Kommission 120 Aufsichtsverfahren durch. In vier Fällen hatte sie ein Berufsausübungsverbot zu prüfen, in zwei sprach sie ein solches aus: eines befristet, eines dauernd. Das Verwaltungsgericht bestätigte 2008 eine sechsmonatige Sperre für einen jungen Anwalt, der Briefe an seinen inhaftierten Mandanten ins Gefängnis geschmuggelt hatte und Antwortschreiben an die Ehefrau wieder hinaus.

Im Fall einer Anwältin, die wegen Strassenverkehrsdelikten verurteilt worden war, sah die Anwaltskommission 2006 von Sanktionen ab. Die Verurteilung muss laut Anwaltsgesetz Handlungen betreffen, «die mit dem Anwaltsberuf nicht zu vereinbaren sind». So seien etwa Geschwindigkeitsübertretungen diesbezüglich «in der Regel nicht relevant».

In der Entscheidschrift steht auch: «Verurteilungen wegen Vermögensdelikten sind mit dem Anwaltsberuf klar nicht vereinbar.» Sollte Padrutt also angeklagt und schuldig gesprochen werden, droht ihm nach dem möglichen vorsorglichen Berufsverbot ein definitives.