Dass mit der Züspa und der Muba gleich zwei grosse traditionelle Publikumsmessen in der Schweiz das Handtuch geworfen haben, entlockt Heinz Lüem höchstens ein Achselzucken. Ebenso wenig Sorgen um die eigene «Gwärbi» machte sich der Präsident des Gewerbevereins Othmarsingen und Umgebung und der «OGA.Die Messe!», als im vergangenen Jahr die Gewerbetreibenden im Seetal kaum Interesse zeigten an einer regionalen Gewerbeausstellung. Die SEGA 2018 musste mangels genügend Ausstellern abgesagt werden. Schon vor zwei Jahren, bei einer Umfrage, habe ein Grossteil der rund 60 Gewerbler aus den Vereinsgemeinden Othmarsingen, Hendschiken, Brunegg und Mägenwil ihre Teilnahme zugesagt, sagt Lüem.

Stolz schwingt in der Stimme des Präsidenten mit, wenn er über die Ausstellung vom kommenden Wochenende spricht. «Noch nie wurde so viel Fläche beansprucht wie in diesem Jahr», erklärt er. Nebst den zwei Mehrzweckhallen und dem Schulareal in Othmarsingen wurde das Gelände für den Event vom Freitag bis Sonntag bis zum Brynerhof ausgeweitet. Für den «Transport» vom einen zum andern Ort ist ebenfalls gesorgt. Wer die rund 250 Meter nicht zu Fuss machen will, kann sich bequem mit einer Mini-Dampfbahn chauffieren lassen. Diese verkehrt vom Hof des Gemüsebauern Urs Bryner zum Schulgelände und wieder zurück.

«Immer in Ihrer Nähe», lautet der Slogan der «OGA.Die Messe!». In den Augen von Heinz Lüem könnte das Motto treffender nicht sein. «Die Nähe zum Kunden ist der wichtige Vorteil, den das regionale Gewerbe gegenüber den grossen Anbietern ausspielen kann», erklärt er. «Die KMU können eine Flexibilität und eine Leistungsbereitschaft anbieten, zu denen die Grossen schon aus strukturellen Gründen heutzutage gar nicht mehr in der Lage sind.» Hinzu komme, dass das Gewerbe dem Kunden nicht einfach ein Produkt verkaufe, sondern eine ganzheitliche Lösung. Eine Ware, also das Produkt, könne heutzutage bequem übers Internet bestellt werden.

Selbst Heli-Flüge im Programm

Lüem reiht Werbespot an Werbespot, um der Bevölkerung den Ausstellungsbesuch schmackhaft zu machen. Es gebe wohl kaum eine andere Gelegenheit, auf kleinem Raum die Vielfalt des regionalen Gewerbes kennenzulernen und sich zu vernetzen. Viele Gewerbler seien Zwei- oder gar Einmannbetriebe. Entsprechend gross sei also die Chance, am Stand den Chef persönlich anzutreffen.

Ein Blick ins Programmheft zeigt, dass der Gewerbeverein Othmarsingen und Umgebung keinen Aufwand gescheut hat, um die Leute hinter dem Ofen hervorzulocken. «Heute muss eine Gewerbeausstellung ein Happening sein, gar ein kleines Dorffest», sagt der OK-Präsident. Die rund 45 Ausstellungsteilnehmer zeigen sich kreativ. Als Beispiel erwähnt Heinz Lüem, der selber Jäger ist, die Auftritte der Jagdgesellschaften Hendschiken und Maiengrün, Othmarsingen. Sie wollen dem Publikum verschiedene Tiere zeigen, von denen immer wieder die Rede ist, die jedoch kaum jemand in Natura schon gesehen hat.

Der Wolf wird zu sehen ein, der Biber, aber auch der Luchs, alles präparierte Tiere natürlich. Trotzdem dürften sie beeindrucken, ist Lüem überzeugt. «Die wenigsten Leute wissen, wie gross diese Tiere tatsächlich sind», sagt er. Dort, wo es normalerweise um neue Dächer und Fassaden geht, verteilt Schlagersängerin Moniqeu am Freitagabend Autogramme. Und am Samstag fetzt es zwischen den ausgestellten Autos, wenn die Rockband «Rocking Diamonds» ihre Songs aus den 60er- und 70er-Jahren zum besten gibt. Der Malermeister fordert das Publikum heraus zum Harrassen stapeln und vieles mehr.

Ebenso unterhaltend wie die Auftritte der Ausstellungsteilnehmer präsentiert sich das Rahmenprogramm der Ausstellung: Nebst der Mini-Dampfbahn kommen Oldtimerfans auf die Rechnung. Im Helikopter kann man die Heimat aus der Vogelperspektive geniessen. Kinder vergnügen sich in der Hüpfburg oder beim Kinderschminken und drehen Runden auf dem Kinderkarussell.

Lüem will Platz räumen

Heinz Lüem präsidiert die Othmarsinger Gwärbi dritten Mal. «Und zum letzten Mal», sagt er und lacht. Anschliessend will der 50-jährige Unternehmer seinen Platz räumen. «Für jüngeres Blut und für neue Ideen», sagt er. Lüem, der schon als Schüler Computerspiele programmiert hat, ist bereits seit 30 Jahren selbstständig. Mit seinem KMU mit Hauptsitz in Hendschiken und Büros in Baar bietet er IT-Lösungen im KMU-Bereich an. Er beschäftigt rund 20 Mitarbeitende.