Othmarsingen
Die Oberstufe im Dorf ist gefährdet

Die Schülerzahlen in Othmarsingen sind seit 2003 gesunken, gemäss Prognosen hat die Gemeinde ab Schuljahr 2013/2014 nicht mehr genug Schüler, um eine eigene Oberstufe führen zu dürfen.

Irena Jurinak
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An der Othmarsinger Schule soll es bald keine eigene Oberstufenabteilung mehr geben. ju

An der Othmarsinger Schule soll es bald keine eigene Oberstufenabteilung mehr geben. ju

Dies, weil sie die Vorgaben von Regos (Regionalisierung der Oberstufe) nicht mehr erfüllt; gefordert sind da mindestens 8 einklassige Abteilungen.

«Regos ist eine gesetzliche Vorgabe, die vom Kanton umgesetzt wird. Das ist Fakt», erklärt Schulpflegepräsident Stephan Setz. Der zuständige Gemeinderat Hans Rätzer fügt hinzu, man wolle nicht abwarten, sondern mit genug Vorlauf die Planung der Oberstufe in Angriff nehmen.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aus dem Gemeinderat, der Schulpflege und der Schulleitung befasste sich deshalb mit der Schulentwicklung und informierte an der Gemeindeversammlung vor einer Woche über den derzeitigen Stand der Erkenntnisse. Die Mitarbeitenden der Schule Othmarsingen waren vorab schriftlich informiert worden.

Seit dem Höchststand 2003 ist die Schülerzahl am Schulstandort Othmarsingen um 22 Prozent auf aktuell 265 Volksschüler gesunken. Die Anzahl der Primarschüler sank seit dem Maximum im Jahr 2000 sogar um 28 Prozent auf aktuell 119.

Brunegg und Hendschiken weg

Aus den Nachbargemeinden Hendschiken und Brunegg besuchen momentan 35 und 14 Schüler die Oberstufe in Othmarsingen. Beide Gemeinden orientieren sich jedoch zurzeit schulisch neu. So hat Brunegg beschlossen, die neuen Oberstufenschüler ab 2012/2013 nach Möriken-Wildegg zu schicken und Hendschiken hat zum Ausdruck gebracht, dass mittelfristig ein anderer Oberstufenstandort gesucht wird.

Die Othmarsinger Arbeitsgruppe hat mit der Metron Raumentwicklungs AG eine Prognose der zu erwartenden Schülerzahlen bis 2018/2019 erarbeitet – Brunegg und Hendschiken eingerechnet. Den Berechnungen wurden die aktuellen Bevölkerung- und Kinderzahlen sowie ein sehr hohes Wachstum von 20 Prozent in den kommenden 10 Jahren zugrunde gelegt.

Gemäss dem kantonalen Bildungsdepartement kann der Oberstufenstandort Othmarsingen aufgrund dieser Berechnungen bereits ab 2013/2014 nicht mehr Regos-konform geführt werden. Regierungsrat Alex Hürzeler lehnte in der Folge den von Gemeinderat und Schulpflege gestellten Antrag um Anerkennung des Regos-Standortes ab. Auch eine mündliche Besprechung mit dem Regierungsrat änderte nichts am Entscheid; dieser wurde Ende September nochmals schriftlich bestätigt.

«Wir haben in der Arbeitsgruppe alle Vor- und Nachteile eingehend diskutiert», so Rätzer, «aber an der Faktenlage kann man nichts ändern.» Aufgrund der eindeutigen Sachlage wurde die Arbeitsgruppe Schulentwicklung durch den Gemeinderat beauftragt, ein Überführungskonzept auszuarbeiten.

Alle nach Lenzburg

Gemeinderat und Schulpflege sind sich einig, dass bei einem allfälligen Wegfall der eigenen Oberstufe, alle Schüler der Oberstufe den Unterricht in Lenzburg besuchen sollen. Die Bezirksschüler gehen bereits heute in Lenzburg zur Schule. Vertreter des Gemeinderates, der Schulpflege und der Schulleitung werden nun Verhandlungen und Gespräche mit dem Wunschstandort Lenzburg, aber auch mit den Nachbargemeinden Hendschiken und Brunegg führen.