Die Tradition des Chlausklöpfens wird in der Region Lenzburg gelebt wie nie zuvor: In den letzten Jahren stiegen die Teilnehmerzahlen an den Chlausklöpf-Wettkämpfen stetig an. In diesem Jahr verzeichneten unter anderem die Gemeinden Möriken-Wildegg mit 82 Klöpfern sowie Hendschiken und Dintikon mit 48 einen Teilnehmer-Rekord. In Lenzburg (44) und Egliswil (26) lag die Zahl in Rekordnähe, in Hallwil nahm sie in den Schülerkategorien zu.

Zu den begeisterten Klöpfern gehört Sybille Caselli. Die 32-Jährige kann es kaum erwarten, jeweils im November die Geissel hervorzunehmen und «damit zu klöpfen». Als 11-Jährige hat sie in Niederlenz begonnen, die Geissel zu schwingen. Heute ist die Leidenschaft nicht minder geworden. Im Gegenteil: «Ich liebe das Klöpfen.» Sie setzt sich als Vorstandsmitglied des Dachvereins «Chlauschlöpfe Region Lenzburg» dafür ein, dass die Tradition gefördert wird. «Wir wollen den Brauch am Leben erhalten», so Sybille Caselli.

Tradition wird gepflegt

Dass das Chlausklöpfen in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt, hat damit zu tun, dass man sich vermehrt engagiert, die Tradition zu pflegen. «In den Gemeinden haben wir sehr aktive Klöpfer, die den Brauch weitertragen und die Kinder dafür begeistern», sagt Hanspeter Gehrig, Präsident des Dachverbands. So werden verschiedene Veranstaltungen durchgeführt sowie Kurse und Trainings angeboten. «Wir gehen an die Schulen oder organisieren Klöpfer-Abende», so Sybille Caselli. In Ammerswil beispielsweise, fügt Hanspeter Gehrig hinzu, werde an der Schule während der grossen Pause «geklöpft». Zudem helfen sich die Chlausklöpf-Gruppen in den Gemeinden gegenseitig. «Mit Manpower oder auch mit Material», sagt der Präsident.

Die Tatsache, dass seit 2009 die Frauen am regionalen Chlausklöpf-Wettkampf (siehe Text oben) separat gewertet werden, sagt Sybille Caselli, habe sicher auch dazu geführt, dass die Teilnehmerzahlen gestiegen sind: «Früher wurden die Frauen in die hinteren Positionen gedrängt.» Die Motivation, eine Auszeichnung zu gewinnen, sei nun einiges grösser.

Um der wachsenden Teilnehmerzahl im administrativen Bereich gerecht zu werden, kommt am regionalen Chlausklöpf-Wettkampf eine neue, online zugängliche Webapplikation zum Zug. Dabei handelt es sich um die Bachelorarbeit, die Sybille Caselli gemeinsam mit der Berikerin Dana Jovanovic im Rahmen des Informatik-Studiums an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt hat. Dachverbandspräsident Hanspeter Gehrig, sagt Caselli, sei Feuer und Flamme gewesen: Er gab ihnen sofort den Auftrag für die «Chlauschlöpf-App».

Bisher waren viele manuelle Arbeitsschritte nötig, bis sämtliche Daten – vom Alter bis zur Wertung – in der alten Wettbewerbs-Datenbank landeten. Jetzt, so die Informatikerin, habe sich der Aufwand deutlich verringert, sowohl für das OK als auch für die Gemeinden: Alle Chlausklöpf-Verantwortlichen haben nun Zugriff zum zentralen System und können die Daten direkt eintragen. Es sei fantastisch, sagt Hanspeter Gehrig, dass man das traditionelle Chlausklöpfen mit einem hochmodernen System kombinieren könne.

App soll erweitert werden

2015, sagt Sybille Caselli, soll die «Chlauschlöpf-App» mit einem mobilen Client für Smartphone und Tablet erweitert werden. So können die Richter die Daten während des Wettkampfs direkt auf den Geräten editieren. «Der Ablauf wird effizienter und man spart Papier», sagt sie. Denn noch werden die Daten auf Handzetteln geschrieben.

Bevor solche Effizienzsteigerungen möglich seien, so der Präsident, brauche es immer intensive Tests. Darum werden am Sonntag in Niederlenz sowohl die «Chlauschlöpf-App» als auch das alte System in Betrieb sein. «Wir wissen nicht, ob die App stressresistent ist», sagt die Informatikerin lachend und fügt an: «Es wird hektisch werden.» Kein Wunder, werden am regionalen Chlausklöpf-Wettkampf rund 170 Teilnehmer innerhalb von wenigen Stunden vor die Richter und das Publikum treten.

Regionaler Chlausklöpf-Wettkampf. Sonntag, 14. Dezember, Schulanlage Rössligasse, Niederlenz: Start 12.30 Uhr.