Wer mutig war, konnte eine Vogelspinne auf die Hand nehmen. Nach einem leichten Anstoss mit dem Finger bewegte sich die Spinne vorwärts. Und krabbelte auf die Hand des elfjährigen Florian Lewy aus Staufen. 

«Angst habe ich nur vor Spinnen mit dünnen Beinen zu Hause, aber nicht vor Vogelspinnen», sagt er. Eine Mutprobe war es aber trotzdem, die Grammostola spatulata, so der Name der Vogelspinne aus Chile, auf die Hand zu nehmen. Und auch seine achtjährige Schwester Eline streckte die Hand hin: «Die Spinne ist ganz leicht», meinte sie erstaunt.

Echte Spinnenphobiker (Siehe Box rechts) hatten sich am Samstag nicht in die Ausstellung verirrt. Wohl aber Menschen, die vor den Tieren leichte Angst, Ekel oder ein «Gruseln» empfanden – und sich diesem stellen wollten.

So auch Corinne Vitale, 45, aus Schafsheim. «Ich habe keine Phobie vor Spinnen. Aber so ein Gruseln, wie das vermutlich viele Menschen kennen.» Um dieses zu überwinden, liess sie eine Vogelspinne über die Hand krabbeln. «Jetzt weiss ich wenigstens, wie sich das anfühlt. Ich hatte erwartet, dass die Spinne schwerer wäre.»

Lebende Insekten in Terrarien, ein Kino und Infotafeln, sowie die grösste lebende Vogelspinne der Welt. All dies gab es an der Insectophobie-Ausstellung zu entdecken. «Die Plakate für die Ausstellung haben wir auf dem Weg zum Kindergarten entdeckt.

Es ist mir ein Anliegen, dass meine zwei Kinder mit Spinnen in Kontakt kommen und merken: Die sind ja gar nicht gefährlich. Die tun mir nichts. So werden sie später als Erwachsene keine Angst davor haben», sagte Maja Guetg, 29, aus Niederlenz.

«Angst habe ich nur vor Spinnen mit dünnen Beinen zu Hause»

«Angst habe ich nur vor Spinnen mit dünnen Beinen zu Hause»

Nicht alle kommen zu Besuch

Giovanno Neigert, der Besitzer der Tiere, hatte sich seine erste Spinne im Alter von 14 Jahren angeschafft. Über die Jahre ist seine Sammlung dann immer weiter gewachsen. «Mich fasziniert die unglaubliche Vielfalt, die Formen und Farben der Spinnen.»

Er habe aber auch Verständnis für Leute, die vor Spinnen Angst hätten, sagt er. «Es gibt Leute in meiner Familie, die mich nicht mehr zu Hause besuchen kommen, weil sie sich vor meinen Spinnen fürchten.»

Mit der Ausstellung verfolgt er auch ein pädagogisches Ziel. Er möchte die Menschen für das Tier Spinne sensibilisieren und ihnen eine Plattform bieten, wo sie ihre Ängste oder ihren Ekel überwinden können. «Viele Leute machen an der Kasse beim Eintritt Sprüche und wenn sie dann wieder rausgehen, meinen sie: So eklig sind sie ja gar nicht!» Für ihn als Liebhaber sei eine Spinne «wie ein Hamster mit acht Beinen», sagt er und lacht. 

Die Ausstellung «Insectophobie» ist am 8. November auch in der Auenhalle in Aarau-Rohr zu sehen