Lenzburg

Die Musik überspielte jeweils das Rattern des Filmprojektors

Die Musik überspielte jeweils das Rattern des Filmprojektors.

Die Musik überspielte jeweils das Rattern des Filmprojektors.

Die Verantwortlichen für das Programm stehen an den Musikalischen Begegnungen selber auf der Bühne – Tobias Willi improvisiert zu einem Stummfilm live am Klavier.

Als Filme noch keinen Ton hatten, waren sie noch lange nicht stumm. Es gab Musik, und zwar Live Musik. Tobias Willi gerät beim Erzählen so richtig ins Schwärmen: «In Zeiten der Stummfilme hatte jedes Kino einen Pianisten, grosse Säle verfügten gar über ganze Orchester.» So habe man in den Anfängen des Filmschaffens manche Schwäche des Streifens und auch das störende Rattern des Filmprojektors mit schönen Melodien überspielen können.

Tobias Willi improvisiert am kommenden Freitag im alten Gemeindesaal am Klavier die Musik zum Stummfilm-Klassiker «The Thief of Bagdad» aus dem Jahr 1924. «Stummfilme sind künstlerisch wertvolles Filmmaterial», sagt er. Willi kennt den Streifen, ist begeistert von der opulenten Kulisse und den aufwändigen Spezialeffekten. Welche Gedanken hat er sich zur Begleitmusik gemacht, wie sehen seine Vorbereitungen aus? «Ich bin etwa so dokumentiert, wie jemand, der eine Rede anhand von ein paar Stichworten hält.»

Willi ist Musiker und Professor für Orgel und für Liturgisches Orgelspiel/Improvisation an der Zürcher Hochschule der Künste. Zusammen mit dem Cellisten Daniel Schaerer legt er das Programm der Musikalischen Begegnungen Lenzburg (MBL) fest und sucht die passenden Künstler. Dass dabei lokales Schaffen zum Zuge kommt, ist den musikalischen Leitern der MBL ein Anliegen. Doch muss es ins übrige Programm passen. Auch in diesem Jahr, wo es sich um Märchen und Sagen dreht, sind einige Künstler aus der Region dabei.

Zu sehen ist die Tanz- und Ballettschule von Ruth Häusermann aus Lenzburg. Ihre jungen Ballettschülerinnen tanzen am Mittwoch, 3. September, im alten Gemeindesaal «Märchenbilder« zur musikalischen Begleitung von Daniel Schaerer (Cello), Eva Noth (Violine) und Masa Wälti (Klavier.

Den Auftakt zu den diesjährigen MBL machte der Schriftsteller Ulrich Knellwolf mit einem modernen Märchen über den Komponisten Johannes Brahms. Willi weiss, dass «die Leute angetan waren von Brahms fiktivem Besuch auf der Lenzburg und der Begegnung mit dem damaligen Hausherrn Wedekind.» Humorvoll vorgetragen und so echt habe es gewirkt im Rittersaal, als sei die Geschichte um die Ecke herum passiert.» Lob gab es für «Mozart zum Zmorge», einem Singspiel, dem in der «Krone» ein Frühstücksbuffet vorausgegangen war. Für die Events habe man den passenden Rahmen gefunden, freuen sich Schaerer und Willi. Musikalische Begegnungen gibt es noch bis zum 5. September.

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