Schloss Wildegg
Die letzte Schlossherrin von Wildegg schwor auf Globuli

Auf Schloss Wildegg ist die neue Sonderausstellung «Flatternde Nerven, heilendes Wasser» eröffnet worden. Diese thematisiert unter anderem die Geschichte der Homöopathie und Badekuren. Neu eröffnet wurde zudem im Schlossgarten ein Barfussweg.

Andrea Marthaler
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An der Vernissage gab es einen kurzen Einblick in den szenischen Rundgang «3x täglich Waden baden»
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An der Vernissage gab es einen kurzen Einblick in den szenischen Rundgang «3x täglich Waden baden»
Thomas Frei, Kurator der Ausstellung «Flatternde Nerven, heilendes Wasser»
Das Trio La Jalousie gestaltete die Matinée am Sonntagvormittag mit.
Thomas Rorato, leitender Kurator des Museum Aargau bei der Ansprache.
Ausstellung "Flatternde Nerven. Heilende Wasser"
Homöopatische Apotheke von Julie von Effinger
Ausstellung "Flatternde Nerven. Heilende Wasser" auf Schloss Wildegg
Ausstellung "Flatternde Nerven. Heilende Wasser"
Ausstellung "Flatternde Nerven. Heilende Wasser"
Alte Apotheke
Ausstellung "Flatternde Nerven. Heilende Wasser"
Wildegger Jodwasser
Kneipp-Barfusspfad im Schlossgarten
Kneipp-Barfusspfad im Schlossgarten
Kneipp-Barfusspfad im Schlossgarten
Kneipp-Barfusspfad im Schlossgarten
Kneipp-Barfusspfad im Schlossgarten

An der Vernissage gab es einen kurzen Einblick in den szenischen Rundgang «3x täglich Waden baden»

Andrea Marthaler

Bereits die letzte Schlossherrin von Wildegg, Julie von Effinger, schwor auf die Wirkung der Homöopathie. In ihrer Hausapotheke finden sich Globuli gegen diverse Leiden. Diese Hausapotheke, aber auch die Geschichte der Homöopathie, ist Teil der Sonderausstellung «Flatternde Nerven, heilendes Wasser», die gestern eröffnet wurde. Die Ausstellung ist Teil des diesjährigen Sonderthemas «Achtung ansteckend!» von Museum Aargau. Nicht nur die Homöopathie wird darin aufgegriffen: Aufgrund der Nähe zum Kurort Schinznach-Bad wird auch die Geschichte der Badekuren thematisiert. Exponat der Ausstellung ist beispielsweise ein Modell einer Postkutsche, mit der
Patienten von Bern zum Badekurort gebracht werden sollten.

Kneippen im Schlossgarten

Auf Schloss Wildegg soll aber nicht nur gelesen und gestaunt werden. Im Schlossgarten können sich Besucher mit den Lehren von Pfarrer Sebastian Kneipp auseinandersetzen. Sie können in ein kaltes Fussbad steigen, oder auf dem Barfussweg über Äste und stumpfe Scherben gehen. «Vielleicht möchten Sie dies nicht heute experimentieren», sagte der Leitende Kurator von Museum Aargau, Thomas Rorato, in seiner Ansprache an der Vernissage mit einem Wink auf das regnerische Wetter. Doch zumindest mit den Händen ertasteten die Besucher gestern die verschiedenen Materialien. Für die Kneipp-Anwendungen müssen sie ein anderes Mal wiederkommen.

Theater zur Ausstellung

Wiederkommen müssen die Vernissage-Besucher auch, wenn Sie den ganzen szenischen Rundgang «3x täglich Waden baden» sehen möchten. An der Vernissage gab es einen kurzen Vorgeschmack darauf. Die Zuschauer werden dabei in die Zeit von Schlossherrin Julie von Effinger mitgenommen und erfahren, dass Kuren damals nicht nur der Heilung dienten, sondern auch Klatsch und Tratsch dazu gehörten. Das Szenenspiel ist unterhaltsam, bietet
zugleich aber auch viel geschichtliches Hintergrundwissen.

Mit solchem wusste Thomas Frei, Kurator der Ausstellung, in seiner Ansprache zu verblüffen. Um die Zeit von 1850 seien statt Badekuren Trinkkuren aufgekommen. Es wurde also nicht mehr im Wasser gebadet, sondern dieses eben getrunken. «Bis zu 20 Liter sollen Mode gewesen sein», erklärte Frei. Eine der Krankheiten, die damals so kuriert wurden, sei die Neurasthenie gewesen, vergleichbar mit dem heutigen Burnout. Wie heute schlug auch damals die Medizin vor, sich zu entspannen und von dem Stress zu erholen.