Nicht nur Teiche, Tümpel und Weiher, sondern auch die grossen Seen in der Schweiz froren vor 54 Jahren vollständig zu. «Im Winter 1962/63 wurden insgesamt fast 600 Kältegrade gemessen», sagt Thomas Posch von der Limnologischen Station der Universität Zürich.

Das heisst: Es war zwischen 1. November und 31. März fast 60 Tage lang im Schnitt minus 10 Grad kalt. «Damit der Zürichsee gefriert, braucht es rund 320 Kältegrade, dies wurde damals bei Weitem übertroffen.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Januar 1963 bildete sich eine Eisdecke auf dem Hallwilersee. Am 17. Januar vermeldete das «Aargauer Tagblatt», das Eis sei zwischen acht und zwölf Zentimeter dick.

Aus dem Archiv: Hallwilersee-Gfrörni 1963

Aus dem Archiv: Hallwilersee-Gfrörni 1963

1963 drehte Guido Breitenstein, Lenzburg auf N8-Stummfilm einen Film über die Seegfrörni. Er wurde von Michael Schaerer, Aarau geschnitten und vertont.

In jener Woche tummelten sich am Mittwochnachmittag, als in den Seeufergemeinden schulfrei war, «viele jugendliche Schlittschuhläufer auf der glatten Fläche, die von einem Hauch Pulverschnee» überzogen war. Bereits um die Mittagszeit hätten es Vereinzelte gewagt, mit den Schlittschuhen von Birrwil zum «Delphin» zu fahren oder den gefrorenen See zwischen Beinwil und der «Seerose» zu überqueren.

Noch nicht kalt genug

In den letzten Jahren waren die Winter hingegen deutlich wärmer: 2013/2014 wurden insgesamt 5,2 Kältegrade gemessen, 2014/2015 waren es immerhin 24,1 Grad, im Winter 2015/2016 dann lediglich 7,1 Grad.

Mit der nun herrschenden Frostperiode dürfte dieser Winter einer der kälteren der letzten Jahre sein. Dennoch ist Ursus Merz, der sich gut an die Seegfrörni von 1963 erinnert, eher pessimistisch, dass es dieses Jahr viel Eis auf dem Hallwilersee geben wird. «Es ist noch nicht lange kalt, zudem bläst der Wind zu stark», sagt der 74-Jährige aus Beinwil am See. Es könne sein, dass sich in Mosen oder beim sogenannten Zopf in Seengen am Wochenende etwas Eis bilde, wenn die Bise nachlasse. An diesen Orten sei das Wasser flach, deshalb seien die Chancen dort am besten.

Dass der Hallwilersee wieder einmal vollständig zufriert, ist indes äusserst unwahrscheinlich. 2006 publizierte Harrie-Jan Hendricks Franssen vom Institut für Umweltingenieurwissenschaften an der ETH Zürich eine Studie zur Eisbildung. Der Wissenschafter wertete die Daten von zehn Mittellandseen aus 100 Jahren aus und wies nach, dass die Gewässer in den vergangenen 40 – und insbesondere in den letzten 20 Jahren – immer seltener vereisten.

Besonders auffällig sei dieser Trend bei den Seen im Aargauer und Luzerner Mittelland mit Tiefen zwischen 25 und 45 Metern. Für die Studie hatte Hendricks Franssen Wetterdaten der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt, Berichte von Fischern und Seerettungsdiensten, private Tagebücher und Zeitungsartikel über den Pfäffikersee, den Greifensee, den Hallwilersee, den Sempachersee, den Baldeggersee, den Sarnersee, den Bielersee, den Murtensee, den Ägerisee sowie den Untersee ausgewertet. (fh/kob)