Lenzburg
Die Lenzburger wollen kein Manhattan

Neue Stadtmauern in Form von Hochhäusern sind unerwünscht. Die Kerntangente erweist sich als Problem für die weitere Entwicklung der Stadt.

Von Ruth Steiner
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Im Gebiet des Bahnhofs soll ein Akzent gesetzt werden: Hier soll Lenzburg sich verdichten und gleichzeitig in die Höhe schiessen, zeigt die Fotomontage der Stadt Lenzburg.

Im Gebiet des Bahnhofs soll ein Akzent gesetzt werden: Hier soll Lenzburg sich verdichten und gleichzeitig in die Höhe schiessen, zeigt die Fotomontage der Stadt Lenzburg.

Das Thema birgt einiges an Konfliktpotenzial. Auch wenn Stadtplanerin Helen Bisang verspricht: «Es gibt nicht 100 000 Richtungen, in welche sich die Stadt entwickeln kann. Die prägende Grundstruktur wird erhalten.» So legen die Lenzburger Wert darauf, ihre Position für das Lenzburg der Zukunft klar zu deklarieren.

«Wir wollen keine Häuserschluchten wie in Manhattan», hiess es am vierten und letzten Workshop im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens für die Räumliche Entwicklungsstrategie (RES). Wenn die Bevölkerung die rasch wachsende Stadt auf dem Reisbrett mitbaut, so verwehrt sie sich auch Hochbauten an der Peripherie, welche Lenzburg wieder in (moderne) Stadtmauern eingrenzen.

Akzente erhalten und in die Höhe wachsen soll Lenzburg im Gebiet des Bahnhofs, sowohl auf der östlichen und westlichen Seite und Richtung Niederlenz, und zwar zwischen der Niederlenzerstrasse und der Werkhofstrasse. Dort ragen bereits heute mit den beiden vor sich hin rottenden ehemaligen Futtersilos Bauten in die Höhe.

Das Plenum verlangte dabei, dass in den Hochbauten auch entsprechende Sozialstrukturen, wie beispielsweise Kindertagesstätten oder Restaurants geschaffen werden. In der Nähe des Bahnhofs und zum öffentlichen Verkehr sieht man Potenzial für ein medizinisches Zentrum.

Aufgrund der recht differenzierten Diskussionen zu diesem Thema wird wohl die Auseinandersetzung um das Thema Hochhäuser in Lenzburg noch nicht zu Ende sein.

Verbindung Bahnhof in Altstadt

Klar ist im Moment nur dies: Die Achse vom Bahnhof in die Rathausgasse soll eine attraktive und lebhafte Verbindung werden. Wie das jedoch genau geschehen soll, da ist auch das planerische Grundlagenpapier noch ein recht unbeschriebenes Blatt.

In der Diskussion dominiert die Verkehrsfrage: Die Bahnhofstrasse soll für den Langsamverkehr aufgewertet werden. Einen dicken Strich durch die Überlegungen, die Strecke zur einer direkten Verbindung in die Altstadt zu gestalten, macht die vor gut zehn Jahren eröffnete Altstadtumfahrung.

Information zum Verkehr

Stadtammann Daniel Mosimann zog ein positives Fazit über das Resultat der Mitwirkung. Mit Blick auf die im Panoramasaal des Weiterbildungszentrums und mit freier Sicht auf das Schloss durchgeführten Anlässe sagte er: «Mit der Vergangenheit vor Augen wurde über die Zukunft von Lenzburg diskutiert.» Man habe unabhängig der Kostenfolgen Lösungen andenken dürfen. Der Stadtammann freute sich über die teilweise sehr kontrovers geführten Diskussionen, welche zu konkreten Vorschlägen geführt haben.

Der Ball liegt nun wieder bei den Planern. Sie werden die Resultate der Mitwirkung zusammen mit den elektronisch eingereichten Vorschlägen auswerten. Im November will der Stadtrat die Bevölkerung informieren, welche Anregungen in das Strategiepapier eingeflossen sind – und wo die Meinungen der Behörden und der Bevölkerung auseinanderdriften. Auf der RES als Grundlage wird die neue Bau- und Nutzungsordnung erarbeitet.

In den Workshop-Diskussionen rund ums innerstädtische Verdichten und höhere Bauen stand immer wieder die Verkehrsfrage im Vordergrund. Diesen Ball hat der Stadtrat aufgenommen. Er will die Einwohner im Juni über die regionale und kommunale Verkehrsplanung orientieren.

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