Lenzburg
Die «Lenzburg» im Festfieber: Der Direktor freut sich auf den Saustall

Vom kommenden Freitag bis Sonntag ist die «Lenzburg» im Festfieber. Das Team vom Museum Aargau macht auf der Lenzburg viel Spektakel. Mittendrin: Direktor Jörn Wagenbach.

Peter Weingartner
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Museum-Aargau-Direktor Jörn Wagenbach (rechts) als Fronbauer in einer unüblichen Rolle. Peter Weingartner

Museum-Aargau-Direktor Jörn Wagenbach (rechts) als Fronbauer in einer unüblichen Rolle. Peter Weingartner

Der Direktor als Fronbauer, der auf dem Schloss als Hilfskraft beim Bauen eines Saustalls assistiert? Jörn Wagenbach, Direktor vom Museum Aargau, hat keine Berührungsängste.

«Ich will auf Tuchfühlung mit den Besuchern gehen und spüren, was die Kollegen bei szenischen Führungen jeweils leisten», sagt er. Zudem seien die Hierarchien in «seinem» Betrieb ohnehin flach. Man spürt: Er freut sich.

4000 Besucher erwartet

Vom kommenden Freitag bis Sonntag ist die «Lenzburg» jeweils von 10 bis 17 Uhr im Festfieber. Der Berner Landvogt erwartet hohen Besuch, Kurator Thomas Frei insgesamt 4000 Besucherinnen und Besucher, die das Spektakel nur geniessen oder selbst ein Teil davon werden können. Spezielle Attraktionen: den Schreiber unterstützen, Versucherli aus der Burgküche geniessen, den Burgwächter begleiten, beim Waschtag zuschauen, den Musikanten bei der Probe zuhören. An jedem Tag machen zwischen 40 und 52 Personen in Rollen und entsprechenden Gewändern mit. Überraschende «Zwischenfälle» sind nicht ausgeschlossen. Erwachsene bezahlen 17 Franken Eintritt, Lehrlinge und Studierende 12, Kinder bis 16 Jahre 10 Franken. Zudem gibt es Familientarife. (wpo)

Burgleben um 1500

Am Wochenende ist die Lenzburg im Festfieber. Wir sind etwa im Jahr 1500 und der Berner Landvogt erwartet hohen Inspektionsbesuch aus Bern.

Aufregung herrscht, man will einen guten Eindruck hinterlassen. Das Dach des Saustalls muss geflickt werden; Fronarbeiter karren Brennholz in den Hof und die Mägde haben am Waschtag gehörig zu tun. Auch die Wächter wissen bald nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht, zumal eine der Mägde Brot geklaut haben soll.

Das ist nicht Theater im engen Sinne, auch kein Mittelaltermarkt, kein Reenactment mit Authentizität in den Kleidern als einem der höchsten Werte.

Kurator Thomas Frei: «Wir versuchen so gut als möglich, reales Leben darzustellen, zu zeigen, wie so ein Tag hätte ablaufen können.» Die Praktikanten Manuela Nipp und
Simon Kalberer haben allen 40 bis 50 Personen, die pro Tag auf der Lenzburg arbeiten und spielen werden, eine kurze Lebensgeschichte geschrieben.

An der Hauptprobe Anfang Woche ging es unter Anleitung von Eva Grädel darum, sich mit dieser Rolle vertraut zu machen, auf dass sie am Wochenende gelebt werden kann.

Wie bewegt sich der Landvogt, wie die Eierfrau? Und wer wird wie be- und gegrüsst? Das waren noch Hierarchien! Und dennoch: Das Menschlich-Allzumenschliche gibts auch bei den hohen Herren und Damen. So hat die Frau des Vogts Probleme mit der Schwiegermutter, und die Eifersüchteleien bei den Bediensteten sind zeitlos wie der Standesdünkel.

Höhere und Niedere

Auch Marketing-Verantwortliche Edith von Arx macht mit. Als Bäuerin. «Mal mit den Händen etwas anderes machen als am PC töggele», sagt sie. Nun kann sie, wie Direktor Jörn Wagenbach, die Besucher animieren, mitzuhelfen. Das ist eine Grundidee: Kinder können Schindeln spalten, Erwachsene Hand anlegen, wenn es darum geht, Waren in den Schlosshof zu schaffen.

Eva Grädel gibt einen Crashkurs in Rollenspiel für Neulinge: Hemmungen abbauen, den «Souhung» überwinden. Sie ist zufrieden und freut sich: «Das wird ufägig das Wuchenänd.» Neben der Mehrzahl Theaterlaien machen auch eine Handvoll Leute von der Mittelaltergruppe «Zähringervolk Burgdorf» mit. Christoph Beck gibt den Landvogt, während Eierfrau Silvia Aeschimann mit einer Ziege auftreten wird. Berndeutsch garantiert.

Das Wochenende verspricht damit ein Fest für alle Sinne. Es gibt Versucherli aus der Burgküche (neben Grillwürsten, Kaffee und Kuchen), einschlägige Live-Musik wird nicht fehlen, und natürlich wird die Brot-Diebin nicht nur festgenommen, sondern auch verurteilt. Dass die Wächter auch die Besucher kontrollieren: Wer kanns ihnen verargen? Und Direktor Jörn Wagenbach ist froh, muss er als Hilfsarbeiter bei der Hitze nicht wie die edlen Damen und Herren züchtig gekleidet schwitzen. Aber er wird gemäss Drehbuch verunfallen. Bleibt zu hoffen, dass der Bader seine Kunst versteht.

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