Lenzburg

Die Lehrerinnen lassen die Schüler an die Töpfe

Jacqueline von Burg (links) und Claudia Casarramona bereiten sich in der Schulküche auf die kommende Projektwoche vor.

Jacqueline von Burg (links) und Claudia Casarramona bereiten sich in der Schulküche auf die kommende Projektwoche vor.

Hauswirtschaft ist Lebensschule, sagen die Lehrpersonen – die Zukunft des Schulfachs bereitet ihnen Sorge. «Die Hand- und Herz-Fächer kommen zu kurz.»

Wie heissen die drei Könige schon wieder? Die einen mögen denken, die Frage nach Kaspar, Balthasar und Melchior habe im Hauswirtschaftsunterricht nichts verloren.

Die zwei Lenzburger Hauswirtschaftslehrerinnen Claudia Casarramona und Jacqueline von Burg sind ganz anderer Meinung. Für sie ist es nicht damit getan, mit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht einen Dreikönigskuchen zu backen, weil Dreikönigstag war, wie gerade eben.

Die Jungen sollen den traditionsgeschichtlichen Hintergrund kennen, die Namen der Könige in ihren Köpfen präsent sein. Das gehöre zur Allgemeinbildung, sagt Casarramona. Gleichzeitig würden Kinder aus andern Kulturkreisen über unsere Lebenskultur aufgeklärt, was deren Integration fördere.

Keine Freude an Lektionsreduktion

Nicht glücklich sind die zwei Frauen mit der Entwicklung des Schulfachs «Hauswirtschaft» im künftigen Schulplan. Mit der Einführung des Lehrplan 21 soll der Hauswirtschaftsunterricht nämlich ein weiteres Mal gekürzt werden. Dies, nachdem bereits auf das laufende Schuljahr hin eine Lektion gekappt worden war.

Unter dem Strich bedeute dies eine Straffung des Pensums Hauswirtschaft um rund die Hälfte der Lektionen, bedauern die zwei Lehrpersonen. Das heisse nichts anderes, als «mit diesen neuen Rahmenbedingungen der Unterrichtsstoff von einem Jahr künftig in einem halben Jahr vermittelt werden muss.»

Und das ist noch nicht alles: Im Lehrplan 21 bekommt das bisherige Unterrichtsfach Hauswirtschaft auf der Sekundarstufe l die Fachbezeichnung «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» und damit zusätzliche Aufgaben aufgebürdet.

Die Schülerinnen und Schüler lernen beispielsweise Sackgeld einzuteilen. Das soll ihnen den Weg ebnen, später auch ihren eigenen Haushalt besser zu budgetieren, erklären Casarramona und von Burg. Das heisst aber auch, dass der Anteil an theoretischem Schulstoff nochmals steigt.

Somit werden die Jugendlichen künftig noch weniger Zeit haben für die Zubereitung von Mahlzeiten am Kochherd. Jacqueline von Burg bedauert dies sehr. «Die Hand-und-Herz-Fächer kommen zu kurz», sagt sie.

Der wichtige soziale Aspekt werde ausser acht gelassen: Das gemeinsame Werken in der Schulküche, sich zusammen an den Tisch setzen und essen.

Claudia Casarramona denkt dabei auch an das Thema Tischmanieren, den richtigen Umgang mit Messer und Gabel. Und sie hält nüchtern fest: «Es gibt Jugendliche, die das noch nicht können, wenn sie in den Unterricht kommen.»

Zwar steht im Kanton Aargau zum Lehrplan 21 noch eine Volksabstimmung an. Eine Ablehnung ist für die zwei Frauen jedoch kaum denkbar, will man im Aargau bei der schweizweiten Harmonisierung des Schulsystems nicht abseitsstehen.

Schulküche wird zum Restaurant

Auch was eine ausgewogene gesunde Ernährung anbelangt, setzt das neue Konzept in den Augen der zwei Hauswirtschaftslehrerinnen falsche Zeichen. «Die Jungen wollen primär essen, worauf sie ‹Gluscht› haben und das ist mit dem heutigen Fast-Food-Angebot leider nicht immer nur gesund», sagt Jacqueline von Burg.

Wie einfach und schmackhaft eine gesunde Mahlzeit hergestellt werden könne, würde man beim praktischen Kochen am Herd lernen. Mit einer rein theoretischen Stoffvermittlung könne dieses Ziel nie erreichen werden, ist sie überzeugt.

Doch die Jugend ist offenbar nicht abgeneigt, sich an den Kochherd zu stellen. Claudia Casarramona und Jacqueline von Burg freuen sich über das rege Interesse an der Projektwoche «Res(s)taurant» an der Regionalschule Lenzburg.

15 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe haben sich angemeldet. Während ihre Kamerädli im Skilager die schneereichen Ski-Pisten runterflitzen, wollen sie in der Schulküche im Schulhaus Mattenweg den Kochlöffel schwingen und jeden Tag Gäste mit einem 4-Gang Menü verwöhnen (siehe Box).

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