Lenzburg

Die leerstehende Villa Malaga wird wohl doch versteigert

Blick von der Schützenmattstrasse in Lenzburg auf das Anwesen der Villa Malaga, das langsam verwildert.Emanuel Freudiger

Blick von der Schützenmattstrasse in Lenzburg auf das Anwesen der Villa Malaga, das langsam verwildert.Emanuel Freudiger

Eigentlich ist das Konkursverfahren eingestellt, doch jetzt dürfen die Pfandgläubiger weiterhoffen. Einer verlangt die Verwertung der Gesellschaft, obwohl anscheinend kein Geld mehr vorhanden ist.

In Lenzburg rätselt man, wie es mit der Villa Malaga weitergeht. Das Haus an der Schützenmattstrasse 7 steht seit Frühjahr 2012 leer. Damals wurden gegen den Rechtsanwalt, der hier seine Kanzlei führte, schwere strafrechtliche Vorwürfe publik.

Er tauchte unter, liess sich aus dem Anwaltsregister löschen und wurde im Februar 2013 wegen Vermögensdelikten angeklagt. Die Verhandlung am Bezirksgericht Lenzburg soll nächsten März stattfinden.

Die Villa Malaga gehört laut Grundbuch der gleichnamigen GmbH, wobei besagter Anwalt deren einziger Gesellschafter ist – oder besser gesagt war: Letzten Mai wurde über die Villa Malaga GmbH, gemäss Handelsregister einer Firma für den «Erwerb und Verwaltung von Immobilien», der Konkurs eröffnet.

Nach einer erfolglosen Beschwerde der Firmenverantwortlichen vor Obergericht im Sommer ging das Verfahren zuerst weiter, musste Ende Oktober dann aber mangels Aktiven eingestellt werden.

Das Konkursamt konnte bei der Schuldnerin nicht genügend Vermögenswerte feststellen, um die Verfahrenskosten zu decken. Dies «aufgrund der vermutlich ebenfalls überschuldeten Liegenschaft», wie das Amt erklärt.

Spezialliquidation als Ausweg

Darauf deutet ein Eintrag im aktuellen Amtsblatt hin: Mindestens ein Pfandgläubiger verlangt die Verwertung der Gesellschaft – trotz Einstellung des Konkursverfahrens. Diese sogenannte Spezialliquidation ist für alle Forderungen möglich, die grundpfandversichert sind. Jedermann, der gegenüber der Villa Malaga GmbH einen solchen Anspruch hat, kann diesen nun bis 22. Dezember anmelden.

Möglich, dass es sich beim Pfandgläubiger um einen Bauhandwerker handelt, der mit der Gesellschaft eine Rechnung offen hat.

Nachdem der Anwalt die Villa Malaga im November 2010 von der Stadt Lenzburg gekauft hatte, soll er sie renovieren haben lassen – ohne allerdings alle Arbeiten auch zu bezahlen. Laut einem Betroffenen blieb er diversen Gewerbetreibenden insgesamt einen sechsstelligen Betrag schuldig. Ein Teil der Forderungen soll grundpfandversichert sein.

Villa verliert an Wert

Wer genau die Villa Malaga versilbern lassen will, weiss der betroffene Bauhandwerker nicht. Eine Versteigerung ist allerdings auch in seinem Sinn. Die Geprellten haben alles Interesse, den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben.

Erstens, weil die Bauhandwerkerpfandrechte erst dann berücksichtigt werden, nachdem die gesetzlichen Pfandrechte wie Gebäudeversicherung und die vertraglichen Pfandrechte, die zum Beispiel Banken durch Schuldbriefe sicherstellen, befriedigt sind.

Zweitens, weil es laut dem zuständigen Konkursbeamten Daniel Bosshard fraglich ist, ob die Villa Malaga überhaupt noch so viel wert ist wie die Summe aller ausstehenden Beträge, die grundpfandversichert sind.

Das heisst, die Handwerker dürften zumindest einen Teil ihres Geldes definitiv abschreiben müssen. Bis die Liegenschaft nämlich versteigert wird, werden noch Monate vergehen.

Der Rechtsanwalt nimmt auf Anfrage der Aargauer Zeitung ausdrücklich keine Stellung.

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