Es regnet und ist kalt vor der reformierten Kirche in Rupperswil. Trauerkränze sind vor dem Kircheneingang aufgestellt. Die Feuerwehr weist die die Autos ein, die zur Trauerfeier eintreffen. Um halb zwei Uhr nachmittags ist die Kirche schon fast voll besetzt. Viele Trauergäste stehen. In der Kirche gibt es 250 Sitzplätze und insgeamt Platz für zirka 300 Menschen.

«Ich bin mit ihnen aufgewachsen – ich bin traurig, aber auch hässig»: Rupperswil nimmt Abschied von Familie Schauer.

«Ich bin mit ihnen aufgewachsen – ich bin traurig, aber auch hässig»: Rupperswil nimmt Abschied von Familie Schauer.

Allein 200 Freunde und Bekannte von Carla Schauer und ihren Söhnen haben sich für die Trauerfeier in der reformierten Kirche von Rupperswil angemeldet. An der Trauerfeier nehmen auch mehrere Schulklassen aus dem Dorf sowie der Aargauer Justizdirektor Urs Hofmann teil. Die Feier wird wegen des Grossaufmarsches ins Kirchgemeindehaus nebenan übertragen, die wiederum Platz für 200 Personen bietet. Und draussen vor der Kirche stehen noch mehr Leute. Frank Worbs, Sprecher der reformierten Landeskirche, schätzt die Zahl der Trauernden vor Ort auf rund 700 Menschen.

Die Kirchenglocken läuten. Es herrscht bedrückende Stille in der Kirche.

"Wir sind alle erschüttert über die Gräueltat"

Die Abdankung beginnt mit Horn und Orgelmusik. Pfarrer Christian Bühler begrüsst die Trauergemeinde.

«Es war sehr emotional»: So hat Pfarrer Christian Bühler die Trauerfeier für die Opfer von Rupperswil erlebt.

«Es war sehr emotional»: So hat Pfarrer Christian Bühler die Trauerfeier für die Opfer von Rupperswil erlebt.

Im Chor sitzen junge Jugendliche. Einige tragen rote Fussballtrikots mit Nummern. Der Name "Davin" ist zu sehen, der jüngere Sohn von Carla Schauer, eines der vier Opfer.

Rupperswils Gemeindeammann Ruedi Hediger richtet sich an die Trauernden. Er beginnt seine Rede mit den Worten: «Schreckliches ist passiert, Unglaubliches ist passiert! Und das alles in Rupperswil, mitten unter uns!». Mit einer unbeschreiblichen Brutalität seien am 21. Dezember 2015 vier lieb gewonnene Mitmenschen, vier Nachbarsleute, vier Mitbürger umgebracht und «aus unserer Mitte gerissen worden». Dieses unfassbare Ereignis habe das Leben im Spitzbirrli – in Rupperswil – in der ganzen Schweiz mit einem Schlag verändert. «Wir alle sind erschüttert über die Gräueltat. Wir alle sind fassungslos, über das, was passiert ist.»  Hedigers ganze Rede finden Sie hier.

Pfarrer Bühler ergreift wieder das Wort. Er liest aus der Matthäus-Geschichte. Es wird gesungen, das Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen...".

Adeles «Hello» für Carla Schauer 

Schüler treten auf. Die Klasse von Davin (13) legt Herzen aus Stein nieder. Die Lehrerin spricht: "Seit nach den Ferien ist in unserem Klassenzimmer ein Platz leer. Und doch ist es manchmal so, als würden wir Davins Lachen hören."

«Bei Carla Schauers Lieblingslied lagen sich alle in den Armen»: So hat «Tele M1»-Redaktor Stefan Lanz den Trauergottesdienst erlebt.

«Bei Carla Schauers Lieblingslied lagen sich alle in den Armen»: So hat «Tele M1»-Redaktor Stefan Lanz den Trauergottesdienst erlebt.

Pfarrer Bühler liest Texte vor, die Bekannte über Carla Schauer geschrieben haben. Sei sei ein ausgesprochener Familienmensch gewesen, die immer nur das Beste für ihre Kinder gewollt habe. Es wird "Hello" von Adele ab CD gespielt. Es war Carla Schauers Lied.

Die Trauer ist bedrückend.

Gedenkfeier für die Opfer von Rupperswil

Gedenkfeier für die Opfer von Rupperswil

«Zwei Stunden Nichts und Leere»

Pfarrer Bühler hält seine Trauerpredigt (im Wortlaut hier). Das Leben sei eine Geschichte, die aus vielen kleinen Geschichten bestehe. Er nimmt Gegebenheiten aus dem kurzen Leben von Dion auf, zitiert seine Grossmutter, wie er gefragt habe, ob er mit seiner Freundin Simona Ferien im Caravan machen dürfe.

Und dann sagt Bühler:

"Es gibt nichts Schwierigeres für uns, als wenn die Geschichte abbricht oder unterbrochen wird, wenn es eine Zeit gibt, ein Blatt im Buch, ein Stück, das leer bleibt. Die Vorstellung, dass es ein Stück Nichts gibt, ist unerträglich. Darum sind wir heute auch hier, weil uns allen ein Stück Geschichte vom Leben fehlt und wir können es nicht zusammensetzen. Zwei Stunden Nichts und Leere! Da ist die Geschichte zerbrochen von einer ganzen Familie und einer jungen Frau. Die Leere macht unendlich weh."

Bühler vergleicht das Verbrechen mit einem Meteoriten, der genau dieses Haus in Rupperswil getroffen haben.

Zum Ende seiner Predigt sucht Pfarrer Bühler nach Hoffnung.

"Sterne sind es gewesen auf der Erde und haben uns geleuchtet und glücklich gemacht. Das ist die wahre Geschichte und die hat nirgends auch nur die kleinste Lücke. Sie hat uns den Weg der Liebe geleuchtet hier auf Erden und es ist der Gleiche Weg, der uns eines Tages, am Ende der Zeit wieder zueinander führt. Und wenn ihr irgendwo vier Sterne seht, die ganz nahe beieinander leuchten, dann könnte es sein…"

Nach dem Lied "Stern vo Bethlehem" betet die Trauergemeinde für die Opfer. "Herr, wir strecken dir unsere leeren Hände entgegen und bitten dich, uns zu trösten."

Orgelmusik und Hornklänge ertönen.

Pfarrer Bühler spricht zum Schluss den Dank aus. Insbesondere den engsten Angehörigen, die nicht die Kraft aufgebracht haben, an der öffentlichen Trauerfeier teilzunehmen.

Dann fordert der Pfarrer alle auf, sich zu umarmen. "Gemeinsam sind wir stark."

Der Trauergottesdienst geht zu Ende.

Vorbereitungen zur Trauerfeier von Rupperswil sind in vollem Gange

Vorbereitungen zur Trauerfeier von Rupperswil sind in vollem Gange