Lenzburg
Die «Krone» in den Schlagzeilen – jetzt nimmt der Hotelbesitzer Stellung

Hotelbesitzer Dominik Wyss stellt sich der Kritik zu den Direktorenwechseln, äussert sich über die Millioneninvestitionen und eine Umsatzeinbusse beim Schlosscatering

Ruth Steiner
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Dominik Wyss, Hotel Krone, Lenzburg Ein Augenschein in der neuen Krone in Lenzburg, welches nun zu der Mercure-Kette gehört. Dominik Wyss führt nun den Betrieb und optimiert/erneuert das Hotel und Restaurant sanft. Aufgenommen am 19. Oktober 2018 in Lenzburg.
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Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Die modernisierte «Krone».
Hotel Krone Lenzburg modernisierter Teil

Dominik Wyss, Hotel Krone, Lenzburg Ein Augenschein in der neuen Krone in Lenzburg, welches nun zu der Mercure-Kette gehört. Dominik Wyss führt nun den Betrieb und optimiert/erneuert das Hotel und Restaurant sanft. Aufgenommen am 19. Oktober 2018 in Lenzburg.

Chris Iseli

Der zweimalige Direktorenwechsel innerhalb kurzer Zeit in der altehrwürdigen «Krone» war in Lenzburg ein ganz grosses Thema, das viele Stammgäste verunsicherte. Dominik Wyss weiss das. Deshalb hat der Mitinhaber der «Krone»-Besitzerin «Aargauhotels.ch» das Zepter vorübergehend in die Hand genommen und stellt sich der Kritik der Öffentlichkeit und der Gäste gleich selber. «Wir tragen die Verantwortung für die Situation», sagt er. Zudem habe er mit offener Kritik keine Mühe, «das gibt uns die Möglichkeit uns zu erklären».

Dominik Wyss trägt an seinem Sakko-Revers einen herzförmigen Anstecker der Aufschrift «Wohlfühl-Manager». Kein billiger PR-Gag, sondern Verpflichtung sei das. «Wir müssen die Gäste glücklich machen, das ist unsere Aufgabe», sagt er.

Mercure-Farben gelb und blau

In der «Krone» geht es an diesem Nachmittag geschäftig zu und her: Im Restaurant werden die Tische für den Abendservice aufgedeckt; Schilder markieren, dass viele von ihnen bereits reserviert sind. Ein Plakat beim Hoteleingang weist darauf hin, dass hier eben frisch gestrichen wurde. Stahlpfosten werden poliert, bis sie in neuem Glanz erstrahlen, im Hausinnern sind am Boden Farbmuster ausgelegt. Deutliche Signale dafür, dass die altehrwürdige Lenzburger «Krone» für die Zukunft gerüstet wird.

Rund drei Millionen Franken investiert die Gruppe «Aargauhotels.ch» in die Sanierung und Erneuerung des Hauses. «Etwa die Hälfte davon ist bereits verbaut», sagt Dominik Wyss. Die denkmalgeschützte Fassade ist fertig restauriert, das Restaurant hat nicht nur seinen Namen geändert und heisst jetzt Restaurant Krone, es hat einen frischen Anstrich erhalten und eine neue Beleuchtungsanlage. Aktuell werden die 69 Hotelzimmer aufgemöbelt; im Stil und den Farben gelb-blau fliessen unverkennbar die weltweit tätigen Mercure-Hotels ein, mit denen die «Krone» einen Franchisingvertrag abgeschlossen hat.

Im Restaurant und in den neuen Hotelzimmern zieren historische Fotos mit Sujets des früheren Lenzburger Stadtlebens die Wände. «Sie sind Ausdruck von Tradition und Standortverbundenheit, welcher sich die zwar modernisierte und international aufgestellte ‹Krone› auch in Zukunft verpflichtet fühlt», erklärt Dominik Wyss. Sein Credo: Die von den Gästen geschätzten Gepflogenheiten weiterpflegen und dem Zeitgeist Raum lassen. Mit dieser Strategie soll die Zukunft der «Krone» gesichert werden.

Neuer Küchenchef

Dominik Wyss erweckt den Eindruck, dass er sich wohlfühlt in der interimistischen Gastgeberrolle im einzigen 4-Stern-Haus der «Aargauhotels.ch»-Gruppe. Die übrigen zehn Betriebe haben allesamt 3 Sterne. Beim Gespräch auf der «Kronen»-Terrasse lässt Wyss sich sogar ein wenig ins Nähkästchen blicken: Die berufliche Ausrichtung des heute 53-jährigen Hotel-Unternehmers hat sich rasch abgezeichnet, als der Schüler Dominik Wyss in die Kochschule kam. Das erste Jahr musste er hingehen, das zweite Jahr durfte er. «Ich war allein mit sechzehn Mädchen», erzählt er und lacht. Nach der Kochlehre schwang er den Kochlöffel in verschiedenen Hotelküchen in Europa und in der Schweiz, bevor er sich der Hotellerie zuwandte. Kochen tue er auch heute noch sehr gerne, allerdings beschränke sich dies auf den privaten Kreis, sagt der Unternehmer.

Was die Wahl des künftigen «Krone»-Gastgebers anbelangt, so gibt sich Wyss noch bedeckt. Kandidaten seien zwar vorhanden, doch sei noch niemand bestimmt. Ist in Zukunft eine Direktrice am Ruder in der «Krone»? Wyss schmunzelt, schüttelt leicht den Kopf. «Das ist nicht prioritär. Wir haben einige Frauen in Kaderpositionen. Für den Direktionsposten in der ‹Krone› legen wir den Fokus primär auf eine Person, die sich mit dem Standort Lenzburg voll und ganz identifiziert und sich hier daheim fühlt.»

Klar ist hingegen, wer nach dem Abgang von Martin Blaser in der Küche das Sagen hat. Hier setzen die «Krone»-Verantwortlichen mit dem bisherigen Souschef Marcus Dötsch als neuen Küchenchef auf eine interne Lösung. Nebst dem à-la-carte-Geschäft hat er Bankette und Caterings mit bis zu 1000 Gästen zu verantworten.

Eine halbe Million weniger

Das Hotel Krone sei gut unterwegs, erzählt Wyss. Rund 80 Prozent der Gäste kommen aus dem Businessbereich, weitere nehmen an Veranstaltungen in der Region teil; Privatgäste sind in der Minderheit.

Arg gelitten hat in diesem Jahr hingegen das Cateringgeschäft. Infolge Sanierung stand das Ritterhaus auf Schloss Lenzburg während der ganzen Saison nicht zur Verfügung. Das hat ein grosses Loch in die «Krone»-Kasse gerissen. Wyss spricht von einem Betrag von rund 500 000 Franken Umsatz, die in der Jahresrechnung fehlen werden.

Bereits im nächsten Jahr soll sich das jedoch wieder ändern. Dann wird auch das von der «Krone» geführte neue Schlosskafi seinen Betrieb aufnehmen. «Mit Beginn der Schlosssaison 2019 werden die Bistrotüren geöffnet», informiert Wyss. Das Bistro wird zu den selben Zeiten geöffnet sein wie das Schloss, mit einer Speisekarte, die auf den kleinen Hunger der Schlossbesucher ausgelegt ist. «Wir werden kleine Snacks anbieten, beispielsweise Saisonsalat mit einer Quiche», erklärt Wyss. Zudem verlangt die Stiftung Schloss Lenzburg von der Pächterin, dass das Angebot den jeweiligen Schlossattraktionen angepasst wird. Für den Historischen Markt beispielsweise werden die «Krone»-Köche kulinarische Schätze von früher auf die Bistro-Tische im Schlosskafi zaubern.