Schafisheim/Staufen
Die Krabbenspinne trifft sich hier mit der Gelbbauchunke

Das neugestaltete Naturschutzgebiet ist voller Leben, auch wenn es jetzt noch halb leer aussieht. Das ursprüngliche Gelände wurde mit 35000 Kubik Aushubmaterial angefüllt und mit Kies aus der Aarebaggerung in Rupperswil überschüttet.

Barbara Vogt
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Voller Leben: Das neugestaltete Naturschutzgebiet in Schaffisheim/Staufen
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Die Krabbenspinne an der Blüte wechselt ihre Farbe.
Wurzelstöcke bieten vielenKäferarten Unterschlupf.
Klar strukturiert präsentiert sich das Naturschutzgebiet in der alten Kiesgrube.

Voller Leben: Das neugestaltete Naturschutzgebiet in Schaffisheim/Staufen

Auf dem Handrücken kribbelts, ums Ohr herum summts, neben dem Fuss raschelts. Das Naturschutzgebiet, zwischen Schafisheim und Staufen eingebettet, ist voller Leben: Da, wo früher Kies abgebaut wurde, begegnet der Naturfreund seltenen Insekten, Amphibien, Reptilien oder Ziegen (nebenstehender Artikel).

Dabei erscheint das neu gestaltete Gebiet Buech-Steiacher, das 2007 ins «Bundesinventar der Amphibienstandorte von nationaler Bedeutung» aufgenommen wurde, auf den ersten Blick leer, beinahe öde. Tümpel, Baumstrünke und Steine liegen in einer strengen Linie, umrahmt von Steinhaufen, Fruchthecken, Scheiterbeigen. Davor erstreckt sich eine Kiesfläche. Das ursprüngliche Gelände wurde mit 35000 Kubik Aushubmaterial angefüllt und mit Kies aus der Aarebaggerung in Rupperswil überschüttet.

Die strukturierte Gestaltung mache Sinn, so Thomas Gerber, Projektleiter Natur und Landschaft der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer: «Wir haben die Elemente bewusst gruppiert. Das vereinfacht die Pflege und wirkt nachhaltig. Die Helfer müssen das Gebiet nicht mehr mühselig roden, sondern können es maschinell bewirtschaften. Das motiviert die Leute und sie engagieren sich wieder lieber für die Natur.»

Die Natur- und Landschaftsschutzkommission zeigt sich für den Unterhalt des Naturschutzgebietes verantwortlich. Sie braucht sich nicht mehr zu sorgen, wie sie diesen in Zukunft finanzieren will: Für das Aushubmaterial erhielt die Kommission 200000 Franken.

Genügend Unterschlüpfe

Die ehemalige Kiesgrube biete nach wie vor ein vielfältiges Spektrum an Biotopen und Unterschlupfmöglichkeiten an, findet Gerber. «Die Tiere haben alles, was sie brauchen. Ihnen ist es egal, ob die Plätze den ästhetischen Ansprüchen der Landschaftsplaner entsprechen. Schnell würden sich auf der frisch angelegten Kiesfläche Pionierpflanzen wie der stinkende Pippau, die wilde Möhre oder der Natterkopf ansiedeln. In den lehmartigen Tümpeln tauchten bereits die ersten Gelbbauchunken auf. «Einige der Tümpel sind bei den Amphibien der Hit, andere kaum besiedelt», sagt Thomas Gerber. «Wieso, wissen wir nicht.»

In den Steinhaufen, ob in der Erde versenkt oder darauf aufgeschichtet, richten sich Blindschleichen häuslich ein. Insekten verstecken sich in den Wurzelstrünken, und unter einem grossen Stein ist ein erstes Hornissennest auszumachen. Mitten im Gebiet steht ein junger Baum: eine einheimische Stileiche. «In 200 Jahren wird sie als Monumentalbau herausragen», witzelt Gerber. Dies jedoch erlebt keiner mehr von uns.

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