Lenzburg
Die Kleinstadt ist wieder in Gefahr, Freischaren bereiten Offensive vor

Die schwelende Krise droht zu eskalieren, bereits wurden Kundschafter wilder Horden im Vorgelände der Stadt gesichtet: Lenzburg vor dem Jugendfest mit Freischarenmanöver.

Peter Siegrist
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General Stephan il Notaio ex Pralino (rechts.) und Stabschef Brummowitch Parlante del Cantone im Gelände.psi

General Stephan il Notaio ex Pralino (rechts.) und Stabschef Brummowitch Parlante del Cantone im Gelände.psi

Die Lenzburger Stadtväter tun gut daran, sich warm anzuziehen. Wie aus bestens unterrichteten Kreisen seit Tagen vermeldet wird, mobilisieren die wilden Horden des Freischarencorps. Sie nähern sich bereits der Stadt. Erste Kundschafter wurden in den umliegenden Wäldern gesichtet.

Das Aufbieten des Kadettenkorps ist vordringlich, wollen die hohen Damen und Herren die ihr anvertraute Bevölkerung nicht den barbarischen Freischaren sang und klanglos ausliefern.

Am Montagabend tauchten in Lenzburg unbekannte Männer und Frauen auf. Als harmlose Zivilisten verkleidet, als Radfahrer und Fussgänger getarnt, durchstreiften sie das Gelände. Hinter Mauern und Büschen im Raum Wildenstein, auf dem Gofi und Schlossberg und aus Maisfeldern rund um die Schützenmatte spähten sie auf die offenen Felder.

Mehrfach erzählten Spaziergänger von Fremdlingen mit Landkarten in den Händen. Rote Pfeile seien darauf zu erkennen gewesen. Eine Hundehalterin meldete, sie habe mit Sicherheit im Lindwald einen Afrikaner und einen Indianer ohne Federschmuck erkannt.

Der Schlachtruf hat sie verraten

Die Bevölkerung im Osten der Stadt zeigt sich beunruhigt über dieses verdeckte Treiben. Bei vielen Lenzburgern sind noch Erinnerungen an ähnliche Vorgänge wach, die alle zu Gefechten geführt hatten. Nur Dank des zähen Widerstandes der Kadetten hat die Stadt bis heute überlebt.

Der ins Krisengebiet entsandte az-Korrespondent bestätigt die Beobachtungen der Bevölkerung. Am Montagabend drangen die Fremden ins Berufsschulhaus ein und täuschten hier eine Weiterbildungsveranstaltung vor. Einer hatte sich gar als Polizist verkleidet und verlieh dem konspirativen Treffen einen noch seriöseren Anstrich.

Die Teilnehmer fühlten sich absolut sicher und ihr lautstarker Gruss, das dreifache «Honolulu» war selbst auf der Strasse zu hören. Und das hat sie verraten.

In Tat und Wahrheit fand hier die Befehlsausgabe für den Angriff auf Lenzburg statt. Freischaren General Stephan il Notaio ex Pralino schwor seine Getreuen siegessicher auf einen neuen Kampf ein. Und Stabschef Brummowitch Parlante del Cantone erläuterte das Angriffkonzept mit dem konzentrierten Einsatz der neuen Stahlross-Abteilung. Rasch und lautlos werden sich die Radfahrer im Gelände verschieben und die Infanterie mit ihrem Feuer unterstützen.

Das farbenprächtige Freischarenmanöver ist alle zwei Jahre Teil des Jugendfestes. Nachweisen lässt sich eine Teilnahme von Freischaren erstmals im Jahr 1852.

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