Aldi und Lidl werden den Preisdruck im Detailhandel verstärken und den Dorfläden die Existenz noch schwieriger machen – so lautete die Befürchtung vor deren Markteintritt. Aldi (seit 2005) und Lidl (seit 2008) sind da, die Dorfläden aber geblieben. Sie müssen kämpfen, aber in unserer Region ist keiner von ihnen gefährdet.

Vielen geht es sogar ausgesprochen gut: «Wir haben uns im vergangenen Jahr erneut gut geschlagen. Und das, obwohl sich unsere Filialen zum grossen Teil gegen starke Konkurrenz behaupten müssen», sagt Edi Schmid, Geschäftsleiter der Landi Unteres Seetal in Seon.

Die Genossenschaft betreibt sechs Läden und zwei Landimärkte. Laut Schmid werden überall schwarze Zahlen geschrieben, der Umsatz liegt bei keinem Laden unter 2 Mio. Franken. Spürbar zugelegt werden konnte 2010 vor allem mit dem 2009 eröffneten Frischmarkt in Boniswil/Hallwil, der erstmals über das ganze Jahr in der Bilanz auftaucht. Sehr gut lief es auch in Dürrenäsch. Dort konnte man davon profitieren, dass die Landi Seengen die Volg-Filiale Leutwil Ende 2009 geschlossen hat sowie eine Postagentur eingerichtet wurde.

Entwicklung sehr unterschiedlich

Gut gelaufen ist es auch der Landi Maiengrün. Sie führt von Hendschiken aus 16 Volg-Filialen in den Bezirken Aarau (1), Baden (3), Brugg (5), Bremgarten (1) und Lenzburg (6) sowie einen Landimärt in Lenzburg und eine Bäckerei in Villmergen. Der Gesamtumsatz im Detailhandel belief sich 2010 auf knapp 24 Mio. Franken, laut Geschäftsführer Josef Bucher 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Läden, so Bucher weiter, hätten sich allerdings sehr unterschiedlich entwickelt: «Die Spanne reicht von einem Umsatzrückgang von
6,5 Prozent bis zu einer Steigerung von 10 Prozent.» Starke Rückgänge verzeichnet wurden an der Achse Mägenwil-Mellingen. «Wir kennen die Gründe nicht genau, vermuten aber einen Zusammenhang mit dem neuen Coop in Mellingen», sagt Bucher.

Gefährdet ist keiner der Landi Maiengrün-Läden. Auch die kleinsten in Brunegg und Scherz haben Zukunft. Das allerdings nur, weil beide Gemeinden der Landi gratis ein Ladenlokal zur Verfügung stellen: «Deshalb», sagt Bucher, «können wir hier knapp kostendeckend arbeiten, obwohl wir den nötigen Umsatz nicht erreichen.»

Unterstützung auch in Ammerswil

Die Umsatz-Schwelle, mit der sich ein Dorfladen rentabel betreiben lässt, liegt laut Reto Manetsch, Geschäftsführer der Landi Seengen, bei rund einer Million Franken: «Darunter», sagt er, «ist kaum etwas zu machen.» Nicht erreicht hat die Landi Seengen diese Grösse auch im vergangenen Jahr in Ammerswil, der kleinsten ihrer fünf Filialen. Der Volg Ammerswil musste gar einen Umsatzrückgang von knapp 30000 Franken hinnehmen.

Dennoch ist auch dieser Dorfladen vorderhand nicht in Gefahr. Die Landi kann sich seinen Betrieb leisten, weil erstens das Ladengebäude ihr gehört und zweitens die Gemeinde eine gewisse Unterstützung leistet. So erhalten alle Neuzuzüger einen Einkaufsgutschein im Wert von 30 Franken. Daneben gibt es für jedes volle Volg-Markenheft (Einkauf 1000 Franken), für das im Laden 10 Franken rückvergütet werden, zusätzlich 15 Franken von der Gemeinde. Pauschal mit 1000 Franken beteiligt sich Ammerswil zudem an den Werbekosten für besondere Aktionstage.

Erfolg dank dem «4-M-Prinzip»

Die Landi-Geschäftsführer aus der Region sind sich darüber einig, dass ihre Chancen am Markt nicht im Preis liegen: «Wir sind günstiger, als viele meinen, und können bei den Frischprodukten weitgehend mit den Grossverteilern mithalten. Bei den Markenprodukten sieht es allerdings wieder anders aus», sagt Josef Bucher.

Die Chance der Dorfläden, erklärt der erfahrene Detailhandelsprofi, liege neben «harten» Faktoren wie Lage, Erreichbarkeit, Einrichtung, Parkplätze, Öffnungszeiten usw., in erster Linie in der Kompetenz und der Freundlichkeit des Personals. Eine Einschätzung, die seine Kollegen uneingeschränkt teilen. Edi Schmid, der die Landi Unteres Seetal seit 35 Jahren leitet, sagt: «Ich rede jeweils vom 4-M-Prinzip. Man muss Menschen mögen.»

Flexible Öffnungszeiten wichtig

«Der Erfolg unserer Läden gründet nicht zuletzt auf der familiären Atmosphäre. Bei uns einkaufen ist weniger hektisch als beim Grossverteiler», meint Reto Manetsch. Er hat im Zusammenhang mit der Einführung des Sonntagsverkaufs in Beinwil am See eine interessante Erfahrung gemacht: «Mit dem Sonntagsverkauf haben wir ein Kundensegment angesprochen, das bisher kaum oder gar nicht in unseren Laden kam. Jetzt, wo sie ihn näher kennen gelernt haben, kommen diese Leute plötzlich auch unter der Woche.» Flexible Öffnungszeiten, sagen die Landi-Geschäftsführer, brächten viel. Sie würden aber eine verkehrsgünstige Lage und/oder ein genügend grosses Marktpotenzial in unmittelbarer Nähe voraussetzen.