Möriken-Wildegg
Die Kirche sucht ihre künftige Rolle in der Gesellschaft

Die Reformierte Kirchgemeinde Möriken-Wildegg will neue Wege gehen.

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Pfarrer Martin Kuse.

Pfarrer Martin Kuse.

zvg

Mit einer Online-Konferenz leitet die Reformierte Kirchgemeinde Holderbank-Möriken- Wildegg eine Strategie ein, mit der sie die Herausforderungen der Zukunft bewältigen möchte. Wenn Pfarrer Martin Kuse über die Krise der Volkskirchen spricht, dann fasst er seine Überlegungen mit dem Wort «Traditionsabbruch» zusammen. Damit drückt, dass die selbstverständliche Verankerung der Kirchen in den lokalen Gemeinschaften der Vergangenheit angehört.

Zwar, so Kuse, stehe die Reformierte Kirchgemeinde Holderbank-Möriken-Wildegg bezüglich der Anzahl Gemeindemitglieder verhältnismässig sehr gut da. Bei rund 5500 Einwohnern in den drei Gemeinden zählt die Kirchgemeinde knapp 2000 Mitglieder. Doch der Mitgliederschwund über die letzten 20 Jahre beträgt 17 Prozent. «Früher waren am Jugendfest die Tische im Festzelt am Sonntagmorgen noch vollständig besetzt. Inzwischen ist das Zelt jeweils noch zu einem Viertel oder einem Drittel gefüllt», so der Pfarrer.

Pfarrer Martin Kuse.

Pfarrer Martin Kuse.

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Fachmann leitet Konferenz

Um herauszufinden, welche gesellschaftliche Rolle die Kirche künftig spielen, welche Aufträge sie übernehmen und erfüllen kann und welche Ansprüche an sie gestellt werden, veranstaltet die Reformierte Kirchenpflege am Samstag, 9. Januar, eine Online-Konferenz mit dem Titel «Weitblick» (9 bis 12 Uhr, Anmeldung unter www.ref-hmw.org). «Die Konferenz soll die Entwicklung einer Strategie einleiten, mit der den Herausforderungen der Zukunft begegnet wird», sagt Martin Kuse.

Gleitet wird die Online-Konferenz von Martin Peier. Der Kirchen- und Kommunikationsfachmann hat bereits die Fusion der Stadtzürcher Kirchgemeinden begleitet. Diskutiert wird zu verschiedenen Themenbereichen von Heimat über Wohnen, Arbeit, Freizeit bis zu Mobilität und Vernetzung. «Die Diskussionen sollen völlig ergebnis- offen verlaufen. Niemand weiss, was am Ende dabei herauskommt», so Martin Kuse.

Die Kirche zeigt Gestaltungswillen

Die Gründe für die fortschreitende Erosion der Volkskirchen seien unterschiedlich. Sicher existiere in der Gesellschaft eine Tendenz zur Individualisierung. «Die Bereitschaft ein Amt zu übernehmen, eine Mitgliedschaft einzugehen, nimmt ab und Organisationen und Institutionen müssen sich immer öfter legitimieren.» Ebenfalls gelte es sich mit Phänomenen wie Segmentierung und Digitalisierung auseinanderzusetzen. «Vermehrt ziehen sich die Menschen in ihre Filterblasen und Echokammern zurück. Vielleicht findet die Kirche eine Aufgabe im Aufbrechen dieser abgeschlossenen und abgekoppelten Gruppen», so Martin Kuse.

Das Potenzial für die Zukunft der Kirchgemeinde schätzt er als beträchtlich ein. «Ich sehe eine grosse Chance für einen Transformationsprozess.» Gestaltungswillen hat die reformierte Kirchgemeinde bereits mit dem Zukauf von zwei Liegenschaften im Unteräsch neben dem Pfarrhaus von Möriken gezeigt. So soll um das Pfarrhaus eine Arealentwicklung ermöglicht werden, die dem Gemeinwohl zugutekommt und einen gemeinschaftlichen Mehrwert schafft. (chm)