Gemeindeversammlung

Die Kanti brächte den Lenzburger Ortsbürgern bis zu 30 Millionen

Das ehemalige Zeughaus (Mitte) und die Firma Artoz (Sheddach, rechts).

Das ehemalige Zeughaus (Mitte) und die Firma Artoz (Sheddach, rechts).

Land verkaufen oder im Baurecht abgeben? Die Gemeindeversammlung wird heiss. Der Stadtrat kämpft für eine Mittelschule in Lenzburg.

Spätestens seit der Stellung­nahme des Lenzburger Ortsbürger-Beirats, welcher auf Baurecht anstelle eines Verkaufs des «Alten Zeughaus»-Areals pocht, ist damit zu rechnen, dass das Projekt Mittelschule Lenzburg für den Stadtrat an der Wintergmeind der Ortsbürger am nächsten Montag kein Spaziergang wird.

Inzwischen mehren sich in der Öffentlichkeit kritische Stimmen, welche nicht zuletzt die Haltung des Beirats stützen. Dieser argumentiert laut der Vorlage unter anderem damit, dass Lenzburg «diese strategische Landreserve mit einem Verkauf unwiederbringlich verlieren und der mögliche Verkaufspreis erheblich unter dem aktuellen Marktwert liegen würde».

Nachdem coronabedingt auf eine Informationsveranstaltung verzichtet wurde, hat der Stadtrat gestern zu dritt den bereits mehr oder weniger bekannten Argumenten für die Ansiedelung einer Mittelschule in Lenzburg nochmals Nachdruck verliehen. «Lenzburg ist ausgezeichnet positioniert zwischen Aarau und Baden mit einer hervorragenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr», sagte Stadtammann Daniel Mosimann. Dank des neuen grösseren Bahnhofs wäre Lenzburg in der Lage, die rund 600 bis 800 Schülerinnen und Schüler problemlos aufzunehmen. Zudem schaffe die Kanti in Lenzburg Arbeitsplätze und vom Bau der Mittelschule würde auch das lokale Gewerbe profitieren.

Stadtammann Daniel Mosimann (Mitte), Vizeammann Franziska Möhl und Stadtrat Martin Steinmann im Rixheimerzimmer im Rathaus Lenzburg, wo der Stadtrat normalerweise tagt.

Stadtammann Daniel Mosimann (Mitte), Vizeammann Franziska Möhl und Stadtrat Martin Steinmann im Rixheimerzimmer im Rathaus Lenzburg, wo der Stadtrat normalerweise tagt.

Schmälert Einschränkung die Chancen auf Kanti?

Der Stadtrat möchte am 7. Dezember bei der Ortsbürgergemeinde möglichst viel Spielraum für die Verhandlungen mit dem Kanton abholen. Er beantragt freie Hand sowohl für Baurecht als auch Verkauf des «Alten Zeughauses». Was passiert, wenn die Ortsbürgergemeinde der Empfehlung des Beirats folgt und nur für die Variante Baurecht grünes Licht gibt? Mit mehr Handlungsfreiheit könne man agiler vorgehen, erklärte Mosimann. Er verneinte jedoch die Frage, ob ein Nein der Ortsbürger zu einem Verkauf des Grundstücks gleichzeitig das Aus für den Mittelschulstandort Lenzburg bedeute. Man habe vom Kanton keine Signale in diese Richtung erhalten, sagte er. Der für die Immobilien zuständige Stadtrat Martin Steinmann ergänzte: «Es war nie ein Thema, dass Lenzburg seine Chancen verspielt, wenn kein Verkaufsangebot vorliegt.»

Die Position des Kantons ist jedoch unmissverständlich. Laut der aktuellen Immobilienstrategie, zieht er einen Kauf der Miete (und damit wohl auch dem Baurecht) vor. Ein Verkauf der Parzelle würde den Ortsbürgern einmalig einen Betrag von rund 30,7 Millionen Franken (1500 Franken pro Quadratmeter) einbringen. Bei der Variante Baurecht würden während einer Dauer von 75 Jahren jährlich 320'000 Franken in die Ortsbürgerkasse fliessen. Der Baurechtszins würde der Ortsbürgergemeinde wieder zu einem positiven Ergebnis verhelfen, sagte Vizeammann Franziska Möhl mit Blick auf die finanzielle Entwicklung der Ortsbürgergemeinde. In den kommenden Jahren wird von einen Verlust von durchschnittlich jährlich rund 130'000 Franken ausgegangen. Bei einem Verkauf müsste ein grösserer Betrag reinvestiert werden.

Folgen für Mieter und was ist mit dem Artoz-Areal?

Egal, ob es zu einem Verkauf oder einem Baurecht kommt, im «Alten Zeughaus» hat es eine Anzahl Mieter, die um ihre teilweise langjährigen preiswerten Mietverhältnisse bangen. Dazu hält der Stadtrat fest, man lasse niemanden hängen. Er spricht von einem Zeithorizont bis 2025, bis Miet-Ersatzobjekte gefunden werden müssten.

Lenzburg hat in seine Überlegungen für die Kantonsschule das dem «Alten Zeughaus» angrenzende Artoz-Areal mit einbezogen. Das geht aus der Versammlungsvorlage hervor. Heisst das nun, dass die Stadt das Artoz-­Areal selber kaufen möchte? Dazu sagte Mosimann: «Die Stadt hat ein Angebot abgege- ben, offenbar sind jedoch höhere Angebote da.» Man werde gegebenenfalls mit dem künftigen Eigentümer Kontakt aufnehmen. Die Ortsbürgergmeind findet in der Dreifachturnhalle der Berufsschule statt und nicht in der Aula wie in der Einladung vorgesehen.

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