Vor 60 Jahren wurde die Stiftung gegründet. Was war anders früher?

Lucia Lanz: Damals war die Problematik des Alkoholismus und deren Auswirkungen ein gesellschaftliches Problem. Die damalige Zielgruppe wurde für «Männer in alkoholbedingen Notlagen» definiert.

Wie haben sich die Anforderungen an den Stiftungsbetrieb verändert?

Heute muss eine Non-Profit-Organisation (NPO) ein Profil entwickeln und sich spezialisieren. Die Stiftung Satis hat sich auf einen heutigen Bedarf – die Begleitung von psychisch beeinträchtigten Menschen – konzentriert. Dazu muss das Personal spezifisch ausgebildet und geschult sein. Die Betreuungsprozesse und die Infrastruktur müssen an diesen Bedarf angepasst werden. Die Begleitung des Klienten erfolgt spezifischer, individueller und zielorientierter.

Welches sind aktuell die grössten Herausforderungen von Satis?

Die Selbstbestimmung des behinderten Menschen ist das höchste Gut, welches mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht und der ratifizierten UNO-Behindertenrechtskonvention in eine neue Ausgangslage gestellt ist. Es bricht die historische Macht von traditionellen Einrichtungen und wirft NPOs in einen sehr dynamischen Markt von Angebot und Nachfrage, Preis- und Leistungsvergleich. Der politische Spardruck treibt diese Dynamik zusätzlich massiv an. Das «Nice-to-have« wird in Zukunft nicht mehr finanziert, sondern nur noch das «Must-have».

Wie bereitet sich die Stiftung auf die künftigen Aufgaben vor?

Die Stiftung Satis ist sehr schlank, effizient und höchst wirtschaftlich aufgestellt. Sie respektive die Klienten werden von den kommenden Prozessen profitieren, da die Leistungserbringung in Zukunft gerechter entschädigt wird. Dies kommt insbesondere den betroffenen Klienten zu Gute. Wir werden ihrem Bedarf gerechter werden, aber auch die hohe Belastung unserer Mitarbeitenden reduzieren können.