Samstag, 7 Uhr früh. Der Himmel ist grau, der Boden nass. Steter Nieselregen macht die schweren Apfelmussdosen rutschig, die Ursula Lienhard in die Mehrzweckhalle trägt. Sie bereitet das Frühstück für 70 Läufer des Aargauer 3-Tage-OLs vor. Dies nachdem sie am Vortag noch bis Mitternacht geholfen hatte, das Festzelt in Lenzburg abzubauen und für die zweite Etappe nach Seengen zu transportieren. Lienhard ist OK-Mitglied und am Lauf zuständig für die Gastronomie. Ein 72-Stunden-Job.

Um 7.30 Uhr stehen sechs Helfer in der Küche. Sie müssen unter anderem 25 Kilogramm Brot schneiden und neben dem Frühstücksbüffet auch die Sandwiches für die Freiwilligen an der Laufstrecke vorbereiten. Entsprechend werden im Akkord Brötchen geschmiert, Dosen geöffnet und Gurken geschält.

Um punkt 8 Uhr stehen die ersten hungrigen Läufer in der Mehrzweckhalle. Um 9 Uhr wird dann das Büffet schon wieder zusammengeräumt und der Raum für das Mittagessen bereit gemacht. Zeit für eine Pause gibt es für die Helfer in der Küche kaum.

Ausdauer und Papierkrieg

Insgesamt 111 Freiwillige arbeiteten am 3-Tage-OL in Seengen. Sie standen jeden Tag über 800 Läufern gegenüber. Dabei brachte der mehrtägige Orientierungslauf dieses Jahr gleich doppelten Aufwand: Da der Startschuss zum ersten Etappenlauf am Freitag in Lenzburg fiel, musste man dort noch in derselben Nacht die Zelte wieder abbrechen und nach Seengen verlagern.

Und nicht nur der Auf- und Abbau der Infrastruktur bedeutet für die Organisatoren vom Aargauer OL-Klub Argus viel Arbeit. Bereits vor zwei Jahren hat man mit der Planung für das Grossereignis begonnen. «Vor allem der Bewilligungsprozess braucht viel Zeit», erklärt der Präsident des Organisationskomitees, Hansueli Bryner. Alleine für die OL-Strecke der zweiten Etappe musste er in sechs Gemeinden ein Gesuch einreichen. Wie bei einem Baugesuch kann dabei Einsprache erhoben werden.

«Da bei einem OL Hunderte Läufer durch den Wald rennen, ist es wichtig, dass man sich mit den Jagdaufseher einigen kann», sagt Bryner. Mit ihnen verhandle man über Sperrzonen, in welchen sich die Waldtiere während des Wettkampfes zurückziehen können. «Die Schutzzonen machen bei den Etappen im Wald etwa einen Drittel des Geländes aus», so Bryner.

Neben dem Naturschutz musste auch ein Konzept für den Verkehr erarbeitet werden, mit der Polizei verschiedene Notfallszenarien erarbeitet werden und dann auch ein geeigneter Platz für die Übernachtung der Teilnehmer gefunden werden. «Es ist ein grosser Aufwand, dafür wird der 3-Tage-OL auch zu einem Erlebnis.» Ganze Familien würden an den Läufen teilnehmen und dann in Seengen übernachten. «Für die Kinder ist es fast schon ein Abenteuer.»

Hansueli Bryner hat zum ersten Mal die Leitung des 3-Tage-OLs als Präsident des OKs übernommen. «Mir war wichtig, dass ich Leute mit viel Erfahrung hinter mir habe», sagt er. «Ohne sie hätte ich dieses Amt wohl nicht übernommen.» Ein weiteres Mal werde er es aber wohl doch nicht machen. «Es ist im Klub Tradition geworden, dass man solch ein Amt nicht allzu lange übernimmt.