Der riesige Wellbaum, der die Kraft des vom Weiher gespeisten Wasserrades direkt in die Schmiedstube bringt, ist nach einer Demonstration vor einer Politikergruppe gebrochen. In der Folge geriet das Wasserrad in Schieflage.

Vorbei wars mit den Vorführungen der urtümlichen Art des alten Schmiedehandwerks, wenn die Schlaghämmer mit einer Wucht von bis zu 30 Tonnen auf das glühende Eisen auf der Schabotte, dem Amboss, niedersausen und es unter den kunstvollen Bewegungen des Schmiedes rhythmisch in die richtige Form bringen.

Doch Rettung naht. Rudolf Sandmeier, der aktuelle Besitzer der Hammerschmiede, ist willens, die historische Schmiedstube wieder herrichten zu lassen, doch die anstehenden Restaurierungen übersteigen die Möglichkeiten. Zur Unterstützung wird in dieser Woche der «Verein Hammerschmiede Seengen» gegründet.

Designierter Präsident ist Jörg Leimgruber, der als ehemaliger Patron der örtlichen Werkzeugfabrik Alesa eine besondere Beziehung zur Hammerschmiede hat: «Bei Vertretertagungen oder Besuchen von ausländischen Delegationen haben wir oft die Hammerschmiede besucht und hier eindrückliche Demonstrationen gesehen.»

Dass diese Zeitreise in die Vergangenheit in Zukunft wieder möglich ist, ist das Ziel des Trägervereins. «Damit dieses einmalige Hammerwerk als Zeuge des Schmiedegewerbes der Nachwelt erhalten und auch künftig vorgeführt werden kann, muss die Denkmalpflege involviert werden», steht in der Einladung zur Vereinsgründung.

Erste Gespräche mit der kantonalen Denkmalpflege haben stattgefunden; die Signale stimmen die Initianten zuversichtlich. Man rechnet von der öffentlichen Hand mit einem namhaften Beitrag an die erwarteten Restaurierungskosten von total rund 700 000 bis 750 000 Franken. Der Preis dafür: Die Hammerschmiede muss anschliessend der Öffentlichkeit, auf Anmeldung versteht sich, zugänglich gemacht werden.

Neben Geld und dem Sukkurs der Denkmalpflege braucht es für die Wiederbelebung des Hammerwerks einen neuen Wellbaum. Inzwischen wurde eine für die neue Aufgabe passende riesige Eiche in Frankreich gefunden; sie wartet in einer spezialisierten Wagnerei im Berner Oberland auf den Startschuss zur Hammerschmiedesanierung. Es ist vorgesehen, dass künftig wieder fünf Schlaghämmer angetrieben werden; zuletzt waren nur noch dere vier in Betrieb.

Für die Arbeit im Vorstand des Trägervereins, der sich diesen Mittwoch formiert, haben sich bereit erklärt: Jörg Leimgruber, Rudolf Sandmeier, Alice Gehrig, Jörg Bruder (alle Seengen), Marianne Wildi (Meisterschwanden), Richard Zuckschwerdt (Staufen) und Hans Rudolf Widmer (Sarmenstorf).

Die Seenger Hammerschmiede wurde 1796 von Johann Hegnauer erbaut. 1861 erhielt der damalige Besitzer, der aus Dürrenäsch stammende Melchior Fuchs, vom Regierungsrat die Konzession für die Nutzung der Wasserkraft mittels Wasserrädern. Sohn Jakob Fuchs war nicht nur ein tüchtiger Schmied, sondern auch ein Tüftler und Erfinder. Er ersetzte bei den damals üblichen hölzernen Arbeitsgeräten die Verschleissteile durch Eisenkonstruktionen. Im Jahr 1899 ging der Selbsthalter-Fuchs-Pflug, bekannt geworden als «Aargauer Pflug», in Produktion: Die eiserne Pflugschar, schreibt Alice Gehrig in der «Heimatkunde aus dem Seetal» im Jahr 2008, «glitt leichter und tiefer durchs Erdreich». Die grosse Nachfrage machte den Ausbau der Werkstatt nötig.

In der Seenger Hammerschmiede wurden später auch über Jahrzehnte die Glockenklöppel für die Glockengiesserei Rüetschi in Aarau hergestellt. Via Schwiegersöhne wechselte die Schmiede über die Familien Fuchs und Büchli zu den noch heute aktiven Sandmeier.

Am Samstag, 27. Juni, können sich Interessierte vor Ort ein Bild machen und dann entscheiden, ob sie das Vorhaben die alte Hammerschmiede der Nachwelt zu erhalten, als Vereinsmitglied unterstützen wollen.