Sofalesung

Die gute Stube voller fremder Leute

Gastgeberin Manuela Enzler mit Autor Marc Djizmedjian. wpo

Gastgeberin Manuela Enzler mit Autor Marc Djizmedjian. wpo

Lenzburg An Sofalesungen in Privathäusern findet die Literatur ein neues Publikum. Zum Beispiel bei Manuela und Rafael Enzler am Steinbrüchliweg.

Kater Leo auf der Kommode, von Kissen gepolstert, lässt sich nicht stören. Die meisten Besucher der Sofalesung in der Wohnung der Familie Enzler entrichten erst im Entrée ihren Obolus für die Lesung und geizen anschliessend nicht mit Streicheleinheiten für Leo.

Ursula Giger organisiert die Sofalesungen für den Aargau. Träger sind die Literaturhäuser der Schweiz, unterstützt von Engagement Migros. Am Sonntagabend war Marc Djizmedjian aus Pfaffhausen zu Gast. Er liest Kürzestgeschichten aus seinem Buch «Der Mann, der nicht ins Kino ging». Enzlers Stube ist dicht besiedelt, und die Gäste an den Fenstern sind gehalten, dieselben zu öffnen, bevor sie in Ohnmacht fallen. In Ohnmacht fällt niemand. «Wir empfangen gerne tolle Leute und probieren neue Dinge aus», erklärt Rafael Enzler «Das Sofalesungsformat hat mich von Beginn weg überzeugt. Es sind sehr persönliche Veranstaltungen.»

Der Autor packt die Lauschenden auf ihren Stabellen, Schalensitzen, Hockern und auf dem breiten Sofa dergestalt, dass niemand wegdriftet. Das Publikum, zu zwei Dritteln weiblichen Geschlechts, mag schmunzeln, ja lauthals lachen ob diesen präzise formulierten Geschichten, die alle mit einem verneinten Relativsatz beginnen. Im Nachklang kommen viele ins Sinnen. Wie endet die Geschichte des Mannes, der nicht auf Hochzeiten ging? «Als er eines Tages fast ein wenig unerwartet geheiratet wurde, blieb er sich treu und der Hochzeit fern.» Lakonische Geschichten.

Bekannte und Freunde der organisierenden Familie machen den Hauptanteil des Publikums aus. So kommt Literatur aus den Literaturhäusern heraus und zu einem neuen Publikum. «Eine spannende Neuentdeckung», sagt Nachbarin Friederike Schmid. Aber auch die Neugier und die Gelegenheit vor der Haustür motivieren. So hat Françoise Egger aus Staufen ihren Mann Christof überzeugen können. «Ich finde das witzig», sagt er. Die nächsten Sofalesungen in der Region finden am 19. März in Baden (Eva Seck) und am 30. April in Suhr (Flurin Jecker) statt. Infos, auch für potenzielle Gastgeber ohne Kater: sofalesungen.ch. (wpo)

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