Brunegg
Die Geschichte des Schlosses Brunegg ist von Zerstörung geprägt

Hoch oben auf dem Hügel thront das Schloss Brunegg. Geheimnisvoll, rätselhaft, unantastbar. Erstmals nun hat die Kantonsarchäologie die Anlage untersucht – Zerstörung und Neuanfang prägen seine Geschichte.

Barbara Vogt
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Das Schloss Brunegg hat eine bewegte Geschichte.

Das Schloss Brunegg hat eine bewegte Geschichte.

AZ

Am Dienstagabend kamen die Brunegger der wechselvollen Geschichte von Burg und Schloss wie auch dem Leben der Bewohner etwas näher: Christoph Reding, Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Aargau, informierte über die bauarchäologischen Untersuchungen, die über mehrere Jahre hinweg dauerten.

Im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten auf Schloss Brunegg hatte die Kantonsarchäologie erstmals die Gelegenheit, die Burg bauarchäologisch zu untersuchen und zu dokumentieren.

Noch spannender als der Abend im Musikzimmer der Schule Brunegg war ein Besuch auf dem Schloss oder zumindest um den Privatbesitz herum. Der Weg auf den Chestenberg hinauf ist steil und von Bäumen gesäumt. Dann plötzlich steht man vor dem Schloss: eine gedrungene Anlage auf einer Felsflanke. Das Hauptgebäude, die sogenannte Kernburg, ist weiss gekalkt. Ihr gehörte ehemals ein Turm an, dessen Höhe im 19. Jahrhundert verringert und ans Hauptgebäude angliedert worden ist. Daneben befindet sich das Ökonomiegebäude, die Unterburg. Heute ist sie ein Wohnhaus.

Widerstand

In den Schlossfelsen wurden einmal Steinstufen gehauen. Sie führen ins Nirgendwo. «Wir wissen nicht, für welchen Zweck die Schlossherren die Treppe benutzt haben», sagt Christoph Reding. Ansonsten weiss er viel über die Geschichte der Burg, die im 13. Jahrhundert gebaut und Sitz der Habsburger war. Als die Berner 1415 den Aargau eroberten, war die Brunegg eine der wenigen Burgen, die Widerstand leisteten.

Die Witwe des damaligen Schlossherrn Heinrich Gessler wehrte sich bis aufs Blut gegen den Auszug. Doch die Berner siegten. Heinrich Gessler schuf sich damals einen herrschaftlichen Sitz auf Brunegg. Die späteren Besitzer liessen diesen aber immer mehr zerfallen.

Die Berner unterstellten Burg und Umschwung dem Landvogt von Lenzburg. Somit war die Adelszeit auf der Brunegg vorbei, sie sank zu einem Posten des bernischen Hochwachtsystems herab. 1804 übernahm der Kanton Aargau die Burg. Er verkaufte sie an einen Brugger Arzt, der daraus eine Pflegeanstalt machte.

Feuer und Blitzschlag

Auf der Burg Brunegg ereigneten sich dramatische Dinge: 1375 zerstörte ein Brand einen Teil der Kernburg. Mehrmals schlug der Blitz ein, und 1664 brachte ein weiteres Unwetter das im Hauptturm gelagerte Pulver zur Denotation.

Jahreszahlen an Türen, Verputzart, Gestein und auch Kacheln waren den Mitarbeitern der Kantonsarchäologie bei den Untersuchungen wichtige Hilfsmittel. Auf Millimeterpapier zeichneten sie Stein für Stein ab und erforschten so die Geschichte. Im Haupthaus stiessen sie im Fundamentmörtel auf Spuren tierischer Knochenabfälle. Reding vermutet, dass die Bauarbeiter beim Burgbau eine Art Grundsteinlegung feierten und die Speiseabfälle einfach fortwarfen. Für Reding war die Brunegg ein spannendes Objekt, da es bis anhin unerforscht gewesen war. Ausserdem hätten seit dem Mittelalter wenige grundlegende Aus- und Umbauten auf der Burg stattgefunden.

Allen Geheimnisse konnte die Kantonsarchäologie auf Schloss Brunegg nicht auf den Grund gehen. Das sei auch gut so, findet Reding: «Irgend einmal muss man die Geschichte loslassen können», sagt er, während er den Turm hochblickt.