Lenzburg
Die Geschichte des «alten Landgerichts»: Das älteste, putzigste und launigste Häuschen

Es ist das älteste Gebäude ausserhalb der Lenzburger Stadtmauern: Das «alte Landgericht». Der Name des Gasthauses ist eng mit der Historie des «alten Landgerichts» verknüpft.

Ruth Steiner
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Das alte Landgericht Lenzburg
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Vor der Strassenkorrektur 1856.
Das «alte Landgericht» heute.

Das alte Landgericht Lenzburg

ZVG/STR

Die Liegenschaft in der Lenzburger Aavorstadt ist das älteste Gebäude ausserhalb der Stadtmauern. Als Sitz des Landgerichts der Grafschaft Lenzburg, der grössten bernischen Landvogtei im Aargau, besass das Haus früher eine grosse Bedeutung. Trotzdem ist schriftlich wenig überliefert über dessen Ursprung und die mehr als 300-jährige Geschichte. Man ist auf Vermutungen angewiesen.

1799 übernahm die Stadt das Riegelhaus. Von 1934 bis 1974 diente es den Ortsbürgern als Heimatmuseum, bis es zu baufällig wurde. Die Wirtefamilie Albert Stücheli, welche in der Nachbarschaft das Restaurant Vorstadt betrieb, übernahm die marode Liegenschaft im Baurecht und sanierte sie. Bis auf die tragenden Balken wurde das Gebäude total ausgehöhlt. «Mit grossem Wagemut, einer Begeisterung sondergleichen und eigener Hände Arbeit haben Stüchelis die Bauruine in den vergangenen drei Jahren in ein wahres Bijou verwandelt», schreibt das «Aargauer Tagblatt» 1979.

Mit dem Umbau und dem Zusammenschluss mit dem linksseitig angebauten «Vorstädtli» beginnt die Geschichte des «alten Landgerichts» als Gasthof. Die Familie des heutigen Stadtrats Martin Stücheli erfüllte mit der tiefgreifenden Sanierung die Bitte der Ortsbürgergemeinde, «das alte Landgericht möge wieder zur Zierde und Attraktion von Lenzburg werden». 1993 hörten Stüchelis mit Wirten auf und verpachteten das Restaurant. Unter den spätern Wirtsleuten waren Jürg und Heidi Bischofberger. Dank ihrer ausgezeichneten Küche und dem Eintrag in die prestigeträchtige Gault-Millau-Fibel stieg das «alte Landgericht» in den Kreis der Top-Gastronomie im Kanton Aargau auf.

Bevor die Liegenschaft vor einem Jahr an die Nomcom AG in Wildegg überging, war sie zwischenzeitlich im Besitz des Lenzburger Architekten Meinrad Müller gewesen.

Dabei hatte das Haus immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: In den Sammelbänden «Alte Nester» beschrieb Autor Gottlieb Binder unter dem Abschnitt Lenzburg das «alte Landgericht» als «das älteste, putzigste und launigste Häuschen der Stadt».