Meisterschwanden

Die Gemeinde lehnte sie ab: Kanton bewilligt Treppe zum See in Meisterschwanden

Vom Kanton bewilligte Treppe am Seeufer in der Dekretssperrzone. tf

Vom Kanton bewilligte Treppe am Seeufer in der Dekretssperrzone. tf

Die Gemeinde Meisterschwanden hat keine Kompetenz bei einem Projekt in der Dekrets-Sperrzone. Was die Gemeinde ablehnte, bewilligt der Kanton: Eine umstrittene, widerrechtliche Treppe darf stehenbleiben.

Wie kann man es nur zulassen, dass innerhalb der Sperrzone des Hallwilerseeschutzdekrets (HSD) eine auffällige neue Treppe von einer Liegenschaft hinunter zum See bewilligt wird?

Solche und ähnliche Vorwürfe bekommen die Behörden von Seegemeinden immer wieder zu hören, wie jüngst in einem Leserbrief an die az Aargauer Zeitung, in dem der Gemeinderat von Meisterschwanden in den Fokus der Kritik geriet.

An diesem Beispiel lässt sich nach Ansicht von Gemeindeammann Kurt Kaufmann sehr gut illustrieren, dass die Gemeinde vor Ort bei weitem nicht immer die letzte Kompetenz besitze, über Baubegehren in den eigenen Gemarkungen zu entscheiden.

Missstand bemerkt und gemeldet

Beim aktuellen Beispiel fiel einem Mitglied des Meisterschwander Gemeinderates ein widerrechtlich auf dem See angebundenes Boot auf. Die Beobachtung wurde der zuständigen kantonalen Verwaltungsstelle und dem Strassenverkehrsamt gemeldet.

Der Bootsbesitzer leistete der nachfolgenden Verfügung Folge, indem er das Boot auf seinem Grundstück parkierte. Von dort erstellte er mit Rasengittersteinen eine Fahrrinne und unmittelbar daneben eine Steintreppe in Elementbauweise bis zum Hallwilerseeufer. Dabei wurde der Seeuferweg gequert.

Gemeinde und SUK dagegen  …

Dieses Vorgehen war widerrechtlich, denn unmittelbar nördlich des Strandbades Seerose gehört der Uferstreifen zur Sperrzone gemäss dem Hallwilerseeschutzdekret. Hier darf eigentlich gar nicht gebaut werden.

Der Gemeinderat Meisterschwanden bemerkte den Vorstoss und informierte die kantonale Abteilung für Baubewilligungen. Diese verlangte ein «nachträgliches Baugesuch». Dieses nahm den üblichen Weg.

Der Gemeinderat Meisterschwanden und die Seeuferschutzkommission (SUK), die den Regierungsrat in Sachen HSD berät, empfahlen das Gesuch zur Ablehnung. In der Sperrzone sei ein solches Vorhaben «nicht bewilligungsfähig», wurde bei der Diskussion in der SUK festgehalten.

…  Kanton bewilligt trotzdem

Entgegen diesen Empfehlungen und entgegen dem Wortlaut des HSD erteilte die zuständige Stelle des Baudepartements die Baubewilligung trotzdem. Mit Auflagen. Die Stirnseiten der Treppenelemente müssen zum See hin mit Holz verkleidet werden.

Dies ist inzwischen längst geschehen, doch das Ergebnis dürfte bei Gemeinde und SUK-Mitgliedern ein Gefühl der Ohnmacht hinterlassen.

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