Lenzburg
Die Geister in der alten Wisa-Gloria in Lenzburg erwachen

In der alten Spielzeugfabrik Wisa Gloria in Lenzburg passieren skurrile Dinge – dahinter steckt das Landschaftstheater «... & Gloria», das in wenigen Tagen Premiere feiert

Barbara Vogt
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Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
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Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Probebesuch Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
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Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg
Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg

Landschaftstheater «... & Gloria» Lenzburg

Jiri Reiner

Ist es Fiktion oder Wirklichkeit? Gegenwart oder Vergangenheit? Oder gar nichts von alldem? Passierte das Schreckliche im dunklen Gang? Oder war es bloss Einbildung? Oder gar ein Geist?

Das Theater «. . . & Gloria», das in wenigen Tagen zur Aufführung gelangt, bleibt über den Schluss hinaus ein Geheimnis. Ein Verwirrspiel, an dem die Besucher noch lange herumrätseln und das sich im Labyrinth des Wisa Gloria-Areals in Lenzburg verliert. Dort nämlich spielt das Theater. Die Handlung: Die Firma von Brigadier Alfred Nobs schürft am Konkurs vorbei. Doch jetzt feiert sie ihr 125-Jahr-Jubiläum und der Patron wird 70. Wie das Fest beginnt, ist Nobs tot. Er erscheint als Geist und bringt gleich noch viele andere Geister aus der Vergangenheit mit sich. Parallel dazu tauchen die Besucher in die Familiengeschichte von Nobs und andere Begebenheiten ein, die sich auf dem Areal der Wisa Gloria ereignet haben – oder auch nicht.

Das Landschaftstheater irritiert seine Zuschauer bewusst. Denn laut Regisseurin Martha Zürcher vermischt sich nicht nur die Zeitebene, sondern auch die Handlung. «Die Leute sollen ein Flash haben, auf den Trip kommen. Unser Ziel ist, dass die Besucher sich die Geschichte nicht erklären können, sie aber lässig finden.»

Ein Probeabend im Wisa Gloria-Areal. Die Schauspieler sitzen im Kreis und hören, was Martha Zürcher zu sagen hat. Es ist viel: «Ihr müsst alle lauter reden im Stück». «Alma, kannst du leiser zählen im Lift.» «Gibt es Kreide für das Himmel-und-HölleSpiel?» Eine Schauspielerin strickt während der Anweisungen der Regisseurin an einem bunt gestreiften Pullover. Einige suchen hektisch nach einem Schlüssel zur Tür zu einem Raum der ehemaligen Spielzeugfabrik.

Manchmal habe sie schon ihre Zweifel gehabt, ob dieses Stück auch wirklich zustande komme, sagt eine Schauspielerin aus Lenzburg, die eine mysteriöse Rolle innehat. Doch jetzt habe sei ein gutes Gefühl, «ich habe richtig den Plausch am Theater».

Szenenwechsel. Die Schauspieler stehen im Hof. «Gloria, Gloria»: Die Gäste, die zum Firmenjubiläum der Firma Nobs gekommen sind, singen, während der verstorbene Patron und sein Assistenz-Geist das Ganze von oben betrachten. «Der Patron ist gestorben, deshalb fangen wir jetzt an», lädt eine Schauspielerin die Gäste auf die Theaterwanderung durchs Areal ein. Nicht etwa zusammen, nein die Leute werden in mehrere Gruppen aufgeteilt und sehen unterschiedliche Szenen.

Die Schlussszene erleben sie wieder gemeinsam. Jede Gruppe wird von einem Guide angeführt. Da ist zum Beispiel die Notarin, die viel über die Firma weiss, jedoch Diskretion über alles stellt. Zusammen mit ihr gehts treppauf, treppab, entlang schummriger Gänge, über Passerelle, durch Zimmer mit grossen Fensterfronten. Eine Person huscht vorbei, Lifte öffnen sich, Türen schliessen sich. Und plötzlich steht man vor einer Frau, die einen Pinocchio in den Armen wiegt. Das Licht wirft gespenstische Schatten auf sie. Die Firma, so erzählt die Notarin, hätte die erste Kinderkrippe in der Schweiz gehabt. Hinter vorgehaltener Hand flüstert sie hastige Sätze über Kindermissbrauch: So war es damals – oder auch anders. Aber behalten Sie das für sich.»

Der Nörgler, ebenfalls ein Guide und erst noch ein recht schräger, führt die Leute über den verlassenen Hof. Der Ernst sei schuld am Tod gewesen. An wessen Tod? «Egal, in dieser Geschichte muss ja jemand der Ernst sein.» Vergeblich versucht er, ein weisses Kleid aus dem Strudel des Baches zu fischen, die Geister lachen ihn nur aus.

In «. . . & Gloria» spielt eigentlich das Areal das Stück, sagt Regisseurin Martha Zürcher. «Jede Ecke birgt ein Geheimnis, es gibt versiffte Ateliers, Figurenlager, Kartonlager, Druckereien.» Weil es so viele Szenen an unterschiedlichen Orten gibt und die Gruppen erst noch aufgeteilt sind, verbrachte Martha Zürcher viele Nächte damit, um das Ganze zusammenzubringen. «Die Schauspieler hatten mich eine Zeit lang nicht mehr so gerne, weil ich dauernd Texte oder Szenen änderte.»

Wahr oder nicht? Wer weiss das schon.