Wie oft sind sie in der Kälte gestanden. Haben sich Hände an einem Styroporbecher gewärmt und gewartet. Bis die Kinder oder der Mann fertig geklöpft hatten. Chlausklöpfen war ursprünglich eine Buben- und Männersache. Aus den Mädchen, die nicht klöpfen durften, wurden Mütter und Partnerinnen, die zuschauten. «Wir froren uns jeden Sonntag den Hintern ab», beschreibt eine Frau die Situation. Vor zwei Jahren war Schluss mit Frieren. Die Frauen wollten mitmachen, bis die Wangen rot und die Hände schwielig sind. Die Ladies Night wurde ins Leben gerufen.

Die Damen beim Chlausklöpfen.

Bloss nie die Geissel senken

Letzte Woche fand der erste Frauenklöpfabend in Lenzburg vor dem Angelrainschulhaus statt. Zirka 15 Frauen sind zusammengekommen, die Instruktorinnen tragen gelbe Gilets. Die neu gewählte Schulpflegerin Katrin Bolliger zeigt vor. «Ihr müsst in der Luft ein Achti machen. Die obere Hand sollte ungefähr zwischen Nase und Kinn sein.» Was passiert, wenn man diese Hand senkt, wissen alle Anfänger. Es tut nicht nur weh, die Striemen können noch stundenlang zu sehen sein. Katrin Bolliger hat einen wunderschönen Klöpf-Stil: Die Beine fest am Boden, bewegt sich ihr Körper wie ein Metronom von einer Seite auf die andere. In einer Seelenruhe führt sie die Geissel. Und, für viele Anfänger ein Ding der Unmöglichkeit: Es knallt auf beiden Seiten gleich laut. «Alles eine Frage der Technik», erklärt sie. «Vielen fällt die Bewegung auf eine Seite leichter, wodurch es dort lauter klöpft.» Frauen hätten die Technik schneller im Griff. «Männer haben Kraft und können die Geissel herumreissen. Frauen müssen sauberer arbeiten.»

Wieso brauchen die Frauen Übungsabende unter sich? Die Antwort steht implizit auf dem Flyer für den Anlass. «Hast du die besserwisserischen Kommentare deines Partners und deiner Kinder satt?», heisst es dort. «Viele Frauen trauen sich sonst nicht», sagt Bolliger. Schnell kann ein blöder Spruch die Freude nehmen. «Wir wollten einen Rahmen für Frauen schaffen, wo wir es gemütlich haben und ohne Kommentare üben können.» Bolliger stammt aus Rothrist, auch sie hat das Klöpfen als Erwachsene gelernt. Urs Schwager hat sich ihr angenommen und die Schülerin wurde zur Meisterin, die heute Schulen besucht und die Tradition weitergibt.

Vor dem Angelrainschulhaus haben sich die Frauen warmgeklöpft, manche haben die Jacke ausgezogen. Die Mützen bleiben vorsichtshalber auf. Der einzige Mann, der an diesem Abend geduldet wird, ist knapp zwei Wochen alt und schläft in den Armen seiner Mutter, während es um ihn herum knallt und klöpft. Florian ist der Sohn von Geisselmacher Dani Werren. Der Name verpflichtet: «In drei Jahren erhält er seine erste Geissel», sagt die Mutter voraus.