Wenn Kaffeemaschinen oder Stromzähler über mobile Netze Daten austauschen, spricht man oft vom «Internet der Dinge». Die Mobilfunknetze werden immer kleinräumiger und zahlreicher.

Damit werden die Anwendungsgebiete vielfältiger. Nun kann Lenzburg profitieren: Mit einem Pilotversuch kam die Stadt zu einem Parkleitsystem, vorerst für die rund 80 Parkplätze beim Schloss.

«Für uns ist ein normales Parkleitsystem eigentlich viel zu teuer», so Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau im Lenzburger Stadtbauamt. Da kam die Anfrage von Swisscom gerade recht.

Die Verbindung zum staatlichen Kommunikationsriesen hatte Smarcom hergestellt. Dies ist jene Firma, mit der die Stadt bei der Einführung der Parkuhr-Bezahlung mittels Handy zusammenarbeitete.

Im Rahmen der Einführung der neuen Mobilfunknetze im Rahmen des Programms «M2M» (Machine to Machine) suchte die Swisscom Pilotprojekte. «Rund 70 Firmen und Behörden haben Interesse angemeldet», sagte der zuständige Swisscom-Programmleiter Simon Prior der «NZZ am Sonntag». Eines der 15 umgesetzten Projekte ist jenes mit der Vernetzung des Lenzburger Schlossparkplatzes.

Vergebliche Fahrten vermeiden

«Wenn wir schon mitmachen, wollten wir etwas, das der Stadt einen Nutzen bringt», schildert Stadtbauamt-Abteilungsleiter Brenner die Voraussetzung für die Teilnahme.

Mit dem neuen Leitsystem, mit dem auf einer Anzeigetafel beim Parkhaus der Berufsschule Lenzburg (BSL) die Anzahl der effektiv und aktuell freien Parkfelder auf den beiden Schlossparkplätzen anzeigt werden, können sich Automobilisten vergebliche Fahrten hinauf auf den Schlosshügel ersparen und gleich ins Parkhaus abbiegen.

«Wir erhoffen uns von der Restplatzanzeige, wie dies offiziell heisst, eine Verminderung von Such- und Schleichverkehr im besonders betroffenen Steinbrüchliquartier», so Christian Brenner. Es gelte nun darum erste Erfahrungen zu sammeln.

Im Gegensatz zu den bisher üblichen Parkleitsystemen, für die beispielsweise teure Glasfaserkabel verlegt werden müssen, ist der Aufwand bei der Pilotanlage am Schlosshügel bescheiden: Im Zentrum von jedem Parkfeld wurde eine Kunststoffbüchse von 11 Zentimeter Durchmesser und 6 Zentimeter Höhe im Belag versenkt.

Low Power Network

Diese Box enthält neben einer kleinen Batterie einen Sensor und einen Sender, der mit relativ geringer Leistung ein Signal an eine Relaisstation in der Nähe sendet. Zum Einsatz kommt eine neuartige Technik, die sich Low Power Network (LPN) nennt. Von hier werden die erhobenen Daten ins grosse Internet eingespeist und können mannigfaltig ausgewertet und beispielsweise an die Restplatzanzeige weitergeleitet werden.

Total 84 Sensoren mit der zukunftsträchtigen LPN-Technik sind in den Schlossparkfeldern im Einsatz. «Für uns war dies eine äusserst günstige Gelegenheit, zu einem ersten Parkleitsystem zu kommen», bilanziert Christian Brenner.

Ein Ausbau ist schon vorbereitet. Die Tafel beim BSL-Parkhaus soll bis Ende Jahr mit der Anzeige der auf traditionelle Weise erhobenen freien Plätzen im Parkhaus ergänzt werden. Weitere Anwendungen sind denkbar.