Beinwil am See

Die Frau mit den goldenen Muskeln: Diese Aargauerin ist erfolgreich im Bodybuilding

«Ich wollte beweisen, was in meinem Körper steckt, bevor ich 40 werde», sagt Andrea Haller aus Beinwil am See.

Andrea Haller (auf Instagram randyhallr) ist eine Bodybuilderin, die ihren Körper stählt und dabei ihre weiblichen Formen behält. Sie ist 39 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann, dem Musiker Cris Rellah (mit bürger­lichem Namen Cris Haller), in Beinwil am See. Sie arbeitet als Pflegehelferin in einem Altersheim in Niederlenz.

Gewichte stemmt sie in ihrer Freizeit – und das mit Erfolg. Am letzten Wochenende holte sie die Goldmedaille an der Deutschen Meisterschaft im Bodybuilding in der Kategorie «Sportmodel Damen Short Class» und die Silbermedaille in der Kategorie «Damen Figur Fitness». Am selben Tag und am selben Ort wurde zudem die Schweizer Meisterschaft durchgeführt. Dabei konnte sie in den gleichen Kategorien einen Doppelsieg feiern. Andrea Haller setzte sich dabei gegen Teilnehmerinnen durch, die bis zu 20 Jahren jünger sind. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich es so weit schaffe», sagt die Seetalerin.

«Durch das Tanzen lernte ich meinen Ehemann kennen»

Andrea Haller treibt schon ihr Leben lang Sport. Im Alter von 18 Jahren begann sie mit Kickboxen, es folgten Ausbildungen im Fitness- und Kampfsportbereich sowie im Group-Fitness. Sie tanzte auch. «Sport ist meine Passion. Und durch das Tanzen lernte ich meinen Ehemann kennen. Wir sind nun seit acht Jahren verheiratet.»

Zum Bodybuilding kam sie vor zwei Jahren: «Nachdem ich mich auf Fotos gesehen habe und mir nicht mehr gefiel, begann ich mit Freeletics.» Freeletics ist ein High-Intensity-Interval-Training, kurz HIIT genannt, bei dem man draussen mit seinem eigenen Körpergewicht trainiert. Später wechselte sie zum Gewichtstraining. «Beim Training schüttet mein ganzer Körper Glücksgefühle aus, ich kann mich auspowern und es ist ein perfekter Ausgleich zu meinem Job als Pflegehelferin», sagt Andrea Haller. Sie trainiert vier- bis fünfmal in der Woche, meistens vormittags im Fitnesscen- ter Profit in Menziken. Die Trainingssessions dauern zwischen einer und eineinhalb Stunden.

Eine strikte Diät eingehalten

Den Entscheid, an Wettbewerben teilzunehmen, traf sie letzten Frühling. «Ich wollte beweisen, was in meinem Körper steckt, bevor ich 40 werde.» Die Beinwilerin tat sich mit Coach Marco Hirsinger zusammen. Vor dem Wettbewerb trainierte sie jeden Tag. An der Beinpresse stemmte sie bis zu 200 kg, für die Arme stemmte sie 20 kg schwere Kurzhanteln. Ernährungstechnisch hielt sie sich an einen strikten Diätplan. Auf den Teller kamen vornehmlich Broccoli, Blumenkohl, Poulet und ­rotes Fleisch – ohne Salz. Zusätzlich nahm sie Ernährungsergänzungsmittel und trank Pro­teinshakes. Es galt ein absolutes Alkoholverbot. Andrea Haller stellt aber klar: «Doping kommt für mich nicht in Frage. Meine Gesundheit steht im Vordergrund, ich setzte deshalb auf Natural-Training.» Einen sogenannten «Cheat-Day» leistete sie sich aber zwischendurch – dann kommt auch mal Schoggi oder McDonald’s-Food auf den Tisch. «Vor dem Wettbewerb fielen aber auch die ‹Cheat-­Days› weg.»

Die Wochen vor den Meisterschaften waren die intensivsten – körperlich, aber auch mental. «Ich habe in dieser Zeit viel über meinen Körper gelernt und auch gemerkt, wie sich meine Laune veränderte – ich war oft gereizt und ungeduldig.» Ihr Ehemann, Cris, unterstützte sie aber bei ihrem Vorhaben, und auch ihre Familie stand hinter ihr.

«Das Gefühl auf der Bühne war unbeschreiblich»

«Am Tag des Wettbewerbs war ich sehr aufgeregt», erinnert sich Andrea Haller. «Das Gefühl auf der Bühne zu stehen und meinen Körper zu präsentieren, war dann aber unbeschreiblich.» Und: «Ich war unheimlich stolz, als mir die Medaillen überreicht wurden.» Jetzt macht sie kurz Pause und trainiert dann ab Dezember wieder: «Ich will meine Titel nächstes Jahr verteidigen und auch an internationalen Wettbewerben teilnehmen.»

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Autorin

Kim Barbara Wyttenbach

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