Lenzburg
Die Feuertaufe für die neuen Verse-Schmiede steht an

Gerade noch vor dem Jugendfest hat sich das neue Jugendfestspruch-Comitée gebildet. Es will auch geheim bleiben. In wenigen Tagen steht nun die erste Bewährungsprobe an.

Ruth Steiner
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Der Warteckbrunnen bekommt nächste Woche vom Jugendfestspruch-Comitée einen passenden Vers – dass Dekorateuere selber dichten, ist nicht gerne gesehen.

Der Warteckbrunnen bekommt nächste Woche vom Jugendfestspruch-Comitée einen passenden Vers – dass Dekorateuere selber dichten, ist nicht gerne gesehen.

zVg

«Läset eusi Sprüch ihr Lüt! S nächscht Johr gits de villicht nüt!» Mit dieser doch eher düsteren Prognose verabschiedete sich im vergangenen Jahr das geheime Jugendfestspruch-Comitée nach über 20 Jahren aus der Lenzburger Jugendfest-Verseschmiede und trat geschlossen zurück.

Glücklicherweise lagen die Versemacher mit ihrer Prophezeiung in eigener Sache voll daneben. Gerade rechtzeitig vor dem Jugendfest am 10. Juli kommt von der Ortsbürgerkommission positive Kunde: «Es gibt ein neues Jugendfestspruch-Comitée», vermeldet Ortsbürgerkommissionspräsidentin Barbara Gurini. Und weil auch dieses wieder im stillen Kämmerlein arbeitet, bleibt ausser Gurini, welche als Sprachrohr fungiert, die personelle Besetzung wie bisher geheim.

«Das neue Comitée besteht aus sechs Männern und Frauen aus allen Lebenslagen, die in irgendeiner Form mit Lenzburg verbunden sind.» Mehr lässt sich die Ortsbürgerkommissionspräsidentin über die Identität der frischgebackenen Dichter-Crew nicht entlocken.

Verseschmieden ist lange nicht jedermanns Sache. Wer sich schon einmal im Dichten geübt hat, kann davon ein Lied singen. Dichten ist knallharte Knochenarbeit. Die neuen Jugendfestversemacher sind also gefordert. In Form und Formulierung und auch was die Menge an zu dichtendem Material anbelangt.

Keine Freude an Deko-Dichtern

Ruedi Anneler, der Koordinator zum früheren Comitée, erinnert sich: «Jeder hat etwa 20 verschiedene Sprüche gemacht. Über jeden einzelnen Vers wurde in der Runde debattiert, man hat ihn ausgewählt, oftmals aber auch verworfen.» Es ist einiges an Spruchmaterial nötig, um die 25 Girlanden beidseitig und 17 festlich geschmückte Brunnen mit dem passenden Vers zu dekorieren.

Dazu ergänzt Barbara Gurini: «Es ist sich wohl kaum jemand bewusst, wie viel Aufwand hinter einem träfen Vers steckt. Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, dass er rechtzeitig hängt.» Bestehen Anforderungen an einen Jugendfestspruch? «Zeilen- und Silbenzahl sind vorgegeben, der Vers muss gut auf die bestehende Tafelgrösse passen.» Er muss inhaltlich witzig und spritzig das aktuelle Geschehen in der Stadt widerspiegeln.

In den vergangenen Jahren hat sich ein neues Phänomen eingeschlichen: Zunehmend haben Festbrunnen-Dekorateure sich auch als Verseschmiede betätigt. Nicht sehr zur Freude des geheimen Jugendfestspruch-Comitées.

Aufgabe der Ortsbürger

Die Ortsbürgerkommission ist Hüterin des Lenzburger Traditionsreichtums. Und so war es für Gurini durchaus sinnvoll, dass sich die Ortsbürger der Vakanz angenommen und diese nun auch hat schliessen können. In wenigen Tagen steht das Jugendfestspruch-Comitée vor der ersten Bewährungsprobe. Schon jetzt ist man gespannt, ob die Verse tatsächlich so daherkommen wie erhofft: Pointenreich, präzise formuliert und haarscharf gereimt.