Lenzburg
Die fetten Jahre sind vorbei: Die Goldgrube Kieswerk ist ausgebeutet

Die Ortsbürgergemeinde Lenzburg ist gefordert: Der Ertrag beim Kiesabbau bricht ein, die Kosten fürs Museum steigen.

Ruth Steiner
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Kieswerk ist keine Goldgrube mehr

Kieswerk ist keine Goldgrube mehr

CH Media

Es hat sich bereits vor Jahresfrist abgezeichnet: Die fetten Jahre der Ortbürgergemeinde sind – zumindest vorerst – vorbei. Während das Budget für 2019 noch knapp schwarze Zahlen (Gewinn von 2000 Franken) schrieb, rechnet das nun vorliegende Budget 2020 mit einem Defizit von 175'000 Franken. Verglichen mit der Rechnung 2018, aus der ein satter Gewinn von 764'000 Franken resultierte, ist das ein Minus von rund 940'000 Franken. «Die Ortsbürgergemeinde hat tatsächlich anspruchsvolle Perspektiven», bestätigt Finanzministerin Franziska Möhl. Doch sei die Finanzlage der Ortsbürgergemeinde Lenzburg aktuell im Lot, beschwichtigt sie gleichzeitig.

Kiesabbau ist nicht restlos gesichert

Das Einkommen der Ortsbürgergemeinde ist auf die Ertragspfeiler «Immobilien», «Kies» und «Forst» aufgebaut. Der Grund für den budgetierten Ertragseinbruch ist beim Ertragslieferanten «Kies» zu suchen. In den vergangenen Jahren ist der Kies in der Lenzburger Grube reichlich gesprudelt und hat die Kassen der Ortsbürgergemeinde prall gefüllt. Doch damit ist Schluss. Die Goldgrube ist ausgebeutet. Die Zeiten mit Kiesabbau- und Deponieentschädigung von 1,2 Millionen Franken (2018) sind passé. Die Budgetposition wird im nächsten Jahr regelrecht einbrechen. Mit 400000 Franken beträgt sie noch rund einen Drittel des Wertes von 2018. Was ist passiert? «Im Zuge des Baubooms hat man in Lenzburg in den vergangenen Jahren stets mehr Kies ausgebeutet, als die im Richtplan festgehaltenen 50000 Kubikmeter pro Jahr», erklärt Möhl. Das sei nicht mehr möglich, die planerischen Vorgaben müssten in Zukunft eingehalten werden. «Übersteigt die Nachfrage die bewilligte Menge, muss Lenzburg den Kies zukaufen.» Das habe negative Auswirkungen auf die Einkünfte.

Fest steht: Der Ertrag aus dem Kiesgeschäft wird in den kommenden Jahren bestenfalls stagnieren. Auf der Höhe des Budgets 2020. Für 2021 und 2022 wurde sogar noch etwas vorsichtiger budgetiert. Dieser Schritt stehe im Zusammenhang mit dem aktuell laufenden Bewilligungsverfahren für den Kiesabbau der Etappe 4, sagt Möhl. Immerhin: Zwei Ertragsquellen im Kiesgeschäft bleiben unverändert: 220000 Franken als jährlicher Pachtzins der Kies Lenz AG für den Werktandort Rodungsstrasse und 51500 Franken Dividendenzahlung der Kies Lenz AG.

Immobilienertrag entwickelt sich gut

Während das Kiesgeschäft den Ortsbürgern aktuell Bauchschmerzen bereitet, haben sich die Immobilien zu einer zuverlässigen Ertragsquelle gemausert. Die Vermietungssituation bei der Wohnüberbauung Martha-Ringier-Strasse hat sich stark verbessert. Unter anderem wurden die Mietzinse nach unten angepasst. Zusammen mit den übrigen Liegenschaften im Besitz der Ortsbürgergemeinde resultiert ein jährlicher Mietertrag von über eine Million Franken.

Das Museum ist den Ortsbürgern kostbar

Auf der Aufwandseite des Budgets überragt der Betrieb des Museums Burghalde. Seit 2016, als mit dem Umbau und der Modernisierung des Museums gestartet wurde, hat er sich fast verdoppelt. Das Budget 2020 sieht einen Betrag von 934000 Franken vor. Als Begründung führt Finanzministerin Möhl höhere Betriebskosten und steigende Abschreibungen an. Gemäss Finanzplan verharren die Aufwendungen für das Museum auf dem hohen Niveau von über 900000 Franken. Das sind über 40 Prozent des gesamten budgetierten Ertrages der Ortsbürgergemeinde von 2,25 Millionen Franken.

Die Ortsbürgergemeinde hat jedoch gezeigt, dass sie bereit ist, für das Museum tief in die Tasche zu greifen. Immerhin hat sie zwei Drittel der 6,7 Millionen Franken teuren Sanierung und Modernisierung aus der eigenen Tasche berappt. Vor einem Jahr wurde das Stadtmuseum Burghalde nach gut 1,5-jähriger Sanierung wiedereröffnet. (Kreditabrechnung separater Text).

Mit Blick auf die Entwicklung der ortsbürgerlichen Finanzen stellt sich die Frage, ob sich die Ortsbürger ein solch teures Museum überhaupt leisten können. «Diese Frage», so Möhl, «hat die Ortsbürgergemeinde an der Sommergmeind 2016 beantwortet. Damals hat sie den Kredit für die Sanierung gutgeheissen.» Mit diesem Schritt sei man bewusst die langjährige Verpflichtung für das Museum eingegangen. Dabei verhehlt die Finanzministerin jedoch nicht, dass der Museumsbetrieb ein grosser Kostenblock für die Ortsbürger darstellt. «Die Finanzierung des Museums Burghalde langfristig zu sichern, stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar.»

Neue Einnahmequellen erschliessen

Muss die Ortsbürgergemeinde also in Zukunft den Gürtel enger schnallen? Möhl warnt vor allzu düsteren Prognosen. «Der zuviel abgebaute Kies hat in den letzten acht Jahren zusätzlich rund 2,7 Millionen Franken eingebracht.» Total habe man rund 22 Millionen im Eigenkapital, mit denen allfällig anfallende Verluste gedeckt werden könnten.

Klar ist jedoch: Die Lenzburger Ortsbürgergemeinde kommt nicht drum herum, längerfristig zusätzliche Finanzquellen zu erschliessen. Im Kiesgeschäft ist man dabei, mit dem Recycling von Bauschutt neue Geschäftsfelder zu eröffnen.

Die finanzielle Situation der Ortsbürgergemeinde auf einen Schlag verbessern, würde folgendes «Geschäft»: Wird auf dem Areal im alten Zeughaus eine Kantonsschule gebaut, so fällt ein üppiger Baurechtszins ab für die Ortsbürgergemeinde. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass Lenzburg den Zuschlag für die Mittelschule auch erhält.

Was die Ortsbürger zum Budget 2020 meinen, wird sich an der Gemeindeversammlung vom kommenden Montag zeigen. Von der Finanzkommission sind keine Einwände zu erwarten. Sie habe das Budget 2020 ohne weitergehende Bemerkungen verabschiedet, lässt Präsident Kurt Frischknecht auf Anfrage verlauten.

Museumssanierung kostet weniger

Museum Burghalde Über diese Botschaft wird sich die Ortsbürgergemeinde freuen: Die Abrechnung für die Sanierung und Modernisierung des städtischen Museums Burghalde liegt zuhanden der Gmeind vom kommenden Montag vor. Daraus wird ersichtlich, dass der im Juni 2016 von der Ortsbürgergemeinde bewilligte Baukredit von brutto 6,7 Millionen Franken um 803 808.40 Franken unterschritten wurde. Die Baukosten belaufen sich auf 6 419 220.75 Franken. Davon gehen 3 676 191.60 Franken zu Lasten der Ortsbürgergemeinde. Der Rest wurde – wie von den Ortsbürgern ausbedungen – von Dritten finanziert: 1,9 Mio. Franken leistete der Swisslos-Fonds des Kantons Aargau, 470 000 Franken kamen von der Stiftung Dr. Hans Dietschi, aus deren Kasse weitere 200 000 Franken flossen, um die Dr.-Hans-Dietschi-Stube im Museum einzurichten. 125 000 Franken überwies die Kantonale Denkmalpflege und 50 000 Franken bezahlte die Stiftung Museum Burghalde.
Die Erneuerung des städtischen Museum hatte im Vorfeld kontroverse Diskussionen ausgelöst. Der Kompromiss für die Finanzierung machte schliesslich den Weg frei für die Realisation der Museumssanierung.

Die Kreditunterschreitung wird damit begründet, dass Aufwendungen im Bereich Architektur, Innenarchitektur, Ausstellung und vorgezogene Unterhaltsarbeiten günstiger ausfielen als angenommen und mehr Drittmittel flossen.
Der Projektierungskredit von brutto 520 000 Franken wurde ebenfalls nicht ausgeschöpft. Unter Berücksichtigung des Beitrags der Museumsstiftung beträgt die Belastung für die Ortsbürgergemeinde 375 707.60 Franken. (str)

Ortsbürgergmeind Lenzburg am Montag, 2. Dezember, 19.30 Uhr im Stapferhaus.