Silvana Richner hat die Vorhaben umgesetzt, die sie beim Amtsantritt vor acht Jahren zuoberst auf der Prioritätsliste notiert hatte: Die Lottengemeinden müssten sich Gedanken über die Entwicklung der Oberstufe und die knapper werdenden Raumkapazitäten machen, stand da beispielsweise.

Erst vor wenigen Monaten hat Hunzenschwil ein 12 Millionen Franken teures neues Schulhaus mit Gemeindesaal eingeweiht. Damit können die fehlenden Raumkapazitäten abgedeckt werden, die durch die neuen Schulstrukturen entstandenen sind. Die Real- und Oberstufe können so weiterhin in der Gemeinde geführt werden. Zuvor hatte die Bevölkerung der Lottengemeinden Hunzenschwil, Rupperswil und Schafisheim es abgelehnt, die gesamte Oberstufe auszulagern. Die Stimmbürger haben die finanziellen Konsequenzen dieses Entscheides getragen, sagt Richner. «Sie haben der damit verbundenen Steuerfusserhöhung zugestimmt.»

Realisiert ist auch der zentrale Treffpunkt im Dorf, von dem Richner beim ersten Gespräch als Frau Gemeindeammann mit dieser Zeitung sprach. «Mit dem neu gestalteten Raum rund um die Schulanlage und dem Gemeindesaal haben wir ein echtes Begegnungszentrum bekommen.» Der Platz mit der schönen Brunnenanlage und den Sitzmöglichkeiten zum Verweilen sei im Sommer sehr belebt gewesen. «Der Gemeindesaal wird von Vereinen und Privatpersonen rege genutzt», sagt Silvana Richner und ein zufriedenes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Das sei jedoch nicht allein ihr Verdienst, sondern das Resultat einer guten Zusammenarbeit im Gemeinderat. Sich selber ins Rampenlicht stellen, mag sie nicht. Im Gespräch betont die abtretende Frau Gemeindeammann immer wieder die Wichtigkeit der Kollegialbehörde.

Verkehr ist regionales Problem

Wohl nicht von ungefähr wählt Silvana Richner für den Rückblick auf ihre zwei Amtsperioden als Vorsteherin des Hunzenschwiler Gemeinderats den ausladendenden Sitzungstisch im Gemeinderatszimmer. Dieses befindet sich im Gemeindehaus, «dem Herzstück der Gemeinde», betont sie. In diesen Räumen werden die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Diskussionen werden geführt, wenns sein muss auch harte, um eine tragbare Lösung zu finden, unterstreicht Richner.

In ihrer Amtszeit wurde der Bahnhof mit baulichen Massnahmen aufgewertet, das Elektrizitätswerk verselbstständigt zur heutigen Energie Hunzenschwil AG (ENH) und das Vormundschaftswesen und die Spitex regionalisiert. Froh ist Silvana Richner auch um den Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg-Seetal (LLS), der seit vier Jahren die Interessen der Region bündelt. Dabei denkt sie nicht zuletzt an den zunehmenden Verkehr im gesamten Gebiet, welcher die Strassen verstopft. Trotz Investitionen in Millionenhöhe, wie Richner betont. Ein heikles Thema. Mit dem LLS will man sich in «Aarau» mehr Gehör verschaffen.

Mehr Frauen in politische Ämter

Am liebsten erzählt Silvana Richner von den vielen schönen Erlebnissen und interessanten Begegnungen, welche sie dem Amt verdankt. «Ja, ich würde das Mandat sofort wieder annehmen», sagt sie und nickt. Obwohl: Der Gedanke an das Rampenlicht, in das sie als Frau Gemeindeammann gerückt wurde, habe ihr anfänglich nicht so behagt. «Doch man wächst in die Aufgabe hinein.» Mit dieser Aussage möchte Silvana Richner ganz gezielt auch Frauen Mut machen, sich vermehrt für politische Ämter zu bewerben. «Frauen, wagt es, nehmt die Herausforderung an, es lohnt sich.» Voraussetzung dafür sei eine geistige und körperliche Fitness, sagt Richner.

Jedoch dürfe man nicht vergessen, sich neben dem Amt noch Freiräume zu schaffen. Etwa 50 Prozent habe sie die Arbeit als Gemeindeammann beansprucht. Die übrige Zeit gehörte gemeinsamen Reisen mit ihrem Mann Heinz, gerne auch fern von touristischen Pfaden, ein Tag pro Woche war für die Grosskinder reserviert und das Nordic Walking mit einer Kollegin. Diesem Termin konnte auch das Ammann-Amt nichts anhaben, den Montagmorgen, sieben Uhr, hat sie während der gesamten zwei Amtsperioden dick in der Agenda eingetragen.

Daran soll sich nichts ändern, wenn sich das Leben von Silvana Richner ab dem neuen Jahr fern der politischen Agenda neu einpendelt. Als AHV-Bezügerin wolle sie den Tag dann und wann etwas langsamer angehen, sagt sie. Ob daraus etwas werden wird, muss sich erst noch zeigen. Da ist nämlich noch etwas, das in der Vergangenheit zu kurz gekommen ist: Silvana Richner will im Frauenturnverein wieder vermehrt in der Turnhalle erscheinen und aktiv mitmachen. Und nicht einfach nur den Jahresbeitrag bezahlen und auf der Mitgliederliste erscheinen.