Staufen

«Die einen krampfen, die anderen habens schön»

«Früher war nicht alles besser»: Szene aus dem Staufner Jubiläumstheater «Dorfgeschichte».  bwi

«Früher war nicht alles besser»: Szene aus dem Staufner Jubiläumstheater «Dorfgeschichte». bwi

Staufen feiert am Wochenende sein 975-jähriges Bestehen. Geboten wird unter anderem «Dorfgeschichte» – ein Theater zum Jubiläum. Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich ein kurzweiliges Epochenzeugnis mit viel Musik.

«Die einen krampfen, die anderen habens schön.» Die kleine Textpassage im Staufner Theater bringt es auf den Punkt: Das Leben hat sich in den vergangenen 975 Jahren kein bisschen verändert. Trotzdem, oder vielleicht gerade, weil wir dies bereits wussten, lohnt sich ein Besuch bei der «Dorfgeschichte». Die fünf Szenen aus mehreren Jahrhunderten zeigen tragische, aber auch komische Momente aus dem damaligen und heutigen Leben.

Die meisten der 25 Laienschauspielerinnen und -Schauspieler kennen sich bereits von der vor zwei Jahren inszenierten Matter-Aufführung in Staufen. Produktionsleiter Markus Moser musste die Leute nicht lange bitten, fast alle von damals spielen wieder mit.

Autorin und Co-Regisseurin ist Verena Sandmeier. Der Kerngedanke im Theater war ihr rasch klar. «Im Jubiläum muss man im Geschichtsbuch zurück blättern», erklärt die Schreibende für Zeitungen und den «Usrüefer», die Staufner Dorfzeitung. Sie recherchierte in Geschichtsbüchern, im Staatsarchiv und in alten Gemeindeprotokollen. «Man glaubt nicht, wie lebendig ein Dorfarchiv ist», fasst sie die Vorarbeit zum Drehbuch zusammen.

Geschichten passen auf alle Dörfer

Aus Zeiten der Vögte, dem Zinstag, fremder Kriegsdienste, Missernten und dem Kampf für Gleichberechtigung der Frauen handeln die einzelnen Szenen. Die Geschichten gelten nicht nur für Staufen. Praktisch jedes Dorf der Umgebung kannte im Jahre 1848 Auswanderer nach Amerika. Die Reise ohne Retourbillett war eine Tortur. Ans Herz gewachsen sind der Autorin alle fünf Szenen. Dennoch bewegt die «Weibergeschichte» am tiefsten. Fünf ledige Frauen kämpften um «Füür und Liecht», damit war der eigene Haushalt gemeint. Die Frauen nahmen nicht hin, dass ihnen, nur weil sie ledig waren, ihr Recht auf «Bürgerchnebel», das Gratis-Holz aus dem Ortsbürgerwald, abgesprochen wurde. Eine Geschichte, die unter die Haut geht.

Musik ist die halbe Miete

Verena Sandmeier führt gemeinsam mit Doris Zinniker die Regie. Zu den Theatermachern gehört auch Urs Erdin. Er ist für den musikalischen Teil zuständig. «Musik ist die halbe Miete», betont Verena Sandmeier. Die von Urs Erdin komponierten Stücke werden mit orchestraler Livemusik gespielt. Urs Erdin ist kein Unbekannter. Der studierte Musiker leitet eine Musikschule, führt Kinderchöre und Jugendspiele.

Mitgeben möchte die Theatergruppe den Zuschauern ein Stück Nostalgie. Ziel war nie die Gute alte Zeit zu beschwören. «Früher war auch nicht alles besser und materiell waren viele schlechter dran», sagt Verena Sandmeier. Die zentralen Themen ändern sich nicht. Früher wie heute wurde gelebt, gehofft, geliebt und gekeift.

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