Klimagas

Die CO2-Rückgewinnung ist «ein technologischer Meilenstein»

CO2-Rückgewinnungsanlage der Asco im thurgauischen Sulgen.

CO2-Rückgewinnungsanlage der Asco im thurgauischen Sulgen.

Der Lenzburger Industriegase-Hersteller Messer verkündet die Wende bei der CO2-Rückgewinnung. Werden nun Kehrichtsverbrennungsanlagen rentabel? In der KVA Buchs ist bisher noch keine Rückgewinnung geplant.

Kohlendioxid (CO2) ist vielseitig einsetzbar, etwa als Kohlensäure in Getränken. Auch Schweissgas oder dem Schutzgas für die Verpackung von Lebensmitteln wird es beigemischt. Aber: CO2 ist eben auch ein Klimakiller.

Statt das von der Industrie benötigte Gas energieaufwendig herzustellen, wäre es deshalb sinnvoll, dieses aus umweltschädlichen Verbrennungsprozessen zurückzugewinnen. Technisch ist dies schon länger machbar, wirtschaftlich rechnet sich die Investition in eine CO2-Rückgewinnungsanlage für die meisten Unternehmen jedoch nicht.

Der Lenzburger Industriegase-Hersteller Messer Schweiz ist überzeugt, dass sich dies in Zukunft ändern wird. «Wir können heute mehr als 90 Prozent des im Rauchgas befindlichen CO2 zurückgewinnen», sagt Geschäftsführer Hans Michael Kellner.

Die sehr hohe Effektivität des CO2-Recyclings bei einem 30 bis 50 Prozent geringeren Energieeinsatz gegenüber bisherigen Anlagen sei ein «technologischer Meilenstein».

Hohe Leistung und Lebensdauer

Die Technologie, welche die «Wende bei der CO2-Rückgewinnung» ermöglichen soll, stammt von der Messer-Tochterfirma Asco Kohlensäure AG aus Romanshorn TG. Ein wichtiges Puzzleteil ist dabei das hauseigene Absorptionsmittel Ascosorb, welches das im Rauchgas enthaltene CO2 im Prozessturm bindet. Der Einsatz dieses speziellen Mittels erhöhe die Leistung und die Lebensdauer der Anlagen, erklärt Asco-Sprecherin Simone Hirt.

Das Grundproblem aus Sicht der Asco aber bleibt, dass Unternehmen in Europa CO2, das etwa in Fermentationsprozessen in Brauereien entsteht, sehr günstig beziehen können. In anderen Ländern sei dies nicht der Fall, so Hirt.

Entsprechend grösser ist dort der Anreiz, eine CO2-Rückgewinnungsanlage anzuschaffen. So hat die Asco kürzlich im Kaukasus eine Anlage mit einer Leistung von 15 000 Kilogramm CO2 pro Stunde installiert. Hirt ist jedoch auch in Bezug auf Europa optimistisch.

«Der ökologische Aspekt ist hier sicherlich ein entscheidender Faktor, genau wie die Unabhängigkeit von externen CO2-Lieferanten.» Wenn bestimmte Voraussetzungen wie etwa eine gute Zusammensetzung des Rauchgases erfüllt seien, könne sich eine Anlage aber durchaus auch wirtschaftlich lohnen.

Beispiel Nutritec: Beim Lebensmittelhersteller in Sulgen TG hat die Asco kürzlich eine von der Messer Schweiz finanzierte Anlage installiert. Ein grosser Teil des gewonnenen Gases geht in die Produktionsanlage der Nutritec, der Rest wird von Messer Schweiz an Kunden weiterverkauft.

Sauberere Kehrichtverbrennung

Keinen eigenen CO2-Verwendungszweck, dafür aber einen grossen Ausstoss haben die Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen. In einer 2014 mit dem Bund ausgehandelten Vereinbarung verpflichteten sie sich, ihre Emissionen bis zum Jahr 2020 um 200 000 Tonnen zu reduzieren.

Mittels CO2-Rückgewinnung? «Dies ist bisher nicht Bestandteil unserer Strategie», sagt Harald Wanger, Leiter der KVA Buchs. «Wir konzentrieren uns auf Kompensationsgeschäfte, produzieren also zum Beispiel mehr Fernwärme und Strom, wodurch wiederum weniger Öl verheizt werden muss.»

Je nach Stand der Technologie könne die Rückgewinnung in Zukunft aber durchaus ein Thema werden. Problematisch ist im Fall der KVA, dass sich der CO2-Gehalt im Rauchgas laufend ändert. Ihre Anlage sei jedoch in der Lage, die Prozesse dem CO2-Gehalt kontinuierlich anzupassen, verspricht Messer Schweiz.

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