Beinwil am See
Die Blumensträusse im Garten-Center sind alle verblüht

Nach 37 Jahren schloss die Familie Eichenberger das Seetaler Garten-Center für immer. Ein Nachfolger für das Garten-Center konnte nicht gefunden werden, Elan und Herzblut reichten nicht mehr aus, um mit anderen Grossverteilern mitzuhalten.

Barbara Vogt
Drucken
Teilen
Das Seetaler Garten-Center ist seit Anfang Jahr geschlossen.

Das Seetaler Garten-Center ist seit Anfang Jahr geschlossen.

Barbara Vogt

Bunte Töpfe, Pflanzen, Glasvasen und Dekorationstische stehen noch im ehemaligen Garten-enter. Wehmut liegt im Raum. «Es fällt schwer aufzuhören», sagt das Ehepaar Regula und Walter Eichenberger. Die Traurigkeit spürt auch Hündin Tayra, die hinter den Beiden hertrottet. Das Seetaler Gartencenter war weitherum bekannt, der Geranienmarkt im Frühjahr legendär. Und im Blumenladen, einem wichtigen Standbein des Familienbetriebs, wurde manch schöner Strauss gebunden.

1981 übernahmen Walter Eichenberger und Bruder Matthias das Seetaler Garten-Center. Es war ein blühendes Unternehmen, das ihr Vater Hans während 20 Jahren aufgebaut hatte. Seine ersten Pflanzen verkaufte er im Geschäft an der Aarauerstrasse. Da, wo heute moderne Wohnhäuser stehen und den Bewohnern die Seetalbahn vor der Nase durchfährt.

Die Seetalbahn war es denn auch, die Hans Eichenberger 1975 dazu bewog, an der Grünaustrasse – auf der Hügelkuppe und an der Grenze zu Reinach – ein neues Garten-Center zu bauen. Der Ort war gut erschlossen und bot Platz für einen grossen Blumen- und Pflanzengarten.

Er beriet die Kunden gerne

Die Brüder Walter und Matthias Eichenberger waren ein ideales Gespann: Walter führte das Verkaufsgeschäft, Matthias den Gartenbau. «Mir lag der Verkauf mehr», sagt Walter Eichenberger. «Es machte mir Spass, die Leute zu beraten und mit ihnen Kontakt zu pflegen.»

Er liebte den Geruch frischer Blumen, zog Setzlinge, verkaufte Pflanzenschutzmittel und freute sich, wenn Kunden ihm erzählten, wie wunderschön seine Zierpflanzen oder Sträucher in ihren Gärten blühten. Er war ein vielseitiger Gärtner, sein solides Handwerk hatte er als junger Mann in Genf erlernt.

Als sein Bruder Matthias vor einigen Jahren starb, ging der Gartenbau an Perrinjaquet Gartenbau in Menziken über (nebenstehender Text).

Wie jede Blume begann auch das Seetaler Garten-Center langsam zu welken. Elan und Herzblut reichten nicht mehr aus, um mit anderen Gartencentern oder Grossverteilern mitzuhalten. «Der Preiskampf wurde grösser, das Konsumverhalten veränderte sich», sagt Walter Eichenberger. Die Kunden wollten nicht mehr nur Pflanzen einkaufen, sondern
erleben, geniessen. Auch mal Kaffee trinken, inmitten einer blühenden Oase.

Ein solch neues Konzept zu realisieren, hätte Effort gebraucht. Diesen mochte das Ehepaar Eichenberger nicht mehr aufbringen. «Wir sagten uns stets: Ab 50 halten wir nach einem Nachfolger Ausschau.» Doch ein solcher kam nicht wirklich: Die Kinder von Walter und Regula Eichenberger hatten ihre eigenen Pläne. Andere Geschäftsführer zu finden, war schwierig. «Ein Geschäft zu führen, braucht Zeit», weiss Walter Eichenberger. «Man ist gedanklich immer dort. Die ganze Familie muss mitziehen, sonst geht es nicht.»

Mitte Dezember letzten Jahres luden die Eichenbergers ihre Kunden zum Abschiedsapéro. Das gehöre zum Loslösungsprozess, findet Eichenberger. Am 29. Dezember schlossen sich die Tore des Seetaler Garten-Centers für immer.

Jetzt räumt das Ehepaar Eichenberger die letzten Sachen weg. «Die Leere wird noch kommen», befürchten die beiden. Aber sie haben schon manchen Setzling zum Blühen gebracht. Auch derjenige des Neubeginns wird einmal zu einer wunderschönen Blüte.