Die Bezirksschüler gehen ab Sommer 2016 ins Lenzhard zur Schule. Ab diesem Zeitpunkt wird der Campus im Westen der Stadt zum Oberstufenzentrum. Auf dem Areal Angelrain entsteht anschliessend das Kompetenzzentrum für die Primarstufe.

Genau vor einem Jahr hat Bildungsminister Daniel Mosimann vor dem Einwohnerrat die geplante «Bildungsrevolution» öffentlich gemacht. Er begründete den Schritt damals mit pädagogischen, schulorganisatorischen aber auch soziokulturellen Aspekten: «Die Zusammenfassung der Primarstufe im Angelrain ermöglicht eine bessere Durchmischung der Klassen.»

Der Umbau und die Erweiterung der Schulanlage Lenzhard kostet knapp 9 Mio. Franken, die Sanierung und Erneuerung des Schulhauses Bleicherain (heutige Bezirksschule) gut 17,5 Mio. Abzüglich des 2011 beschlossenen Projektierungskredits hat der Einwohnerrat in seiner letzten Sitzung der laufenden Legislatur also über einen Verpflichtungskredit von insgesamt 25,5 Mio. Franken zu befinden.

Oberstufe Staufen aufgehoben

Das ist einmalig in der Geschichte Lenzburgs. Noch nie musste man in einer einzigen Entscheidung einen Betrag in dieser Grössenordnung beschliessen. Wenn nun der Stadtrat mit diesem happigen Brocken am kommenden Freitag vor den Einwohnerrat tritt, so ist die vorgesehene Schulraumplanung vor einen breiter gefächerten Hintergrund zu stellen:

In den Sommergmeinden 2012 entschieden die Lottengemeinden, die Oberstufe in der Kreisschule Lotten weiterzuführen. Hingegen werden die Othmarsinger Oberstufenschüler ab dem neuen Schuljahr alle in Lenzburg eingeschult. Ebenso laufen die Verträge mit Rupperswil und Schafisheim für die Bezirksschüler weiter.

Im Zuge der Stufenzentralisierung der Regionalschule Lenzburg wird der Oberstufen-Aussenstandort Staufen aufgelöst und ebenfalls in den Campus Lenzhard integriert. Hinzu kommt der Wechsel auf das neue Schulmodell 6/3, welcher ebenfalls Auswirkungen auf den Schulraumbedarf hat.

Campus-Ambiente erhalten

Das künftige Oberstufenzentrum Lenzhard rechnet mit 24 Oberstufenabteilungen mit Leistungszügen für die Bezirks-, Sekundar- und Realschule. Daraus resultiert ein zusätzlicher Raumbedarf von 4 Klassenzimmern und 2 Gruppenräumen. Die kleine Turnhalle wird in eine Aula umgebaut. Zudem werden die seit längerem sanierungsbedürftigen Aussenanlagen für den Turn- und Sportunterricht wieder instand gestellt. Ferner müssen für die rund 450 erwarteten Schüler, die hauptsächlich mit dem Velo zur Schule fahren, genügend Veloabstellplätze bereitgestellt werden.

Die mit der Projektierung beauftragten Architekten Graf Stampfli Jenni Architekten AG, Solothurn, haben sich intensiv mit der Vorgeschichte der Schulbauten auseinandergesetzt. «Unser Bestreben war, die Charaktere der Gebäude zu bewahren», erklärt Architekt Benedikt Graf die Planungsideen. Die Lenzhard-Anlage ist eine typische Pavillonschule aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der bisherigen Bauweise folgend wird ein weiterer «Dominostein» angehängt. «Damit akzentuieren wir die bereits bestehende Campus-Atmosphäre.»

Widerstand aus dem Westquartier

Nebst den Gewinnern dieses Konzentrationsprozesses gibt es auch Verlierer. Dass die Lenzhard-Turnhalle in eine Aula umgebaut wird, stösst nicht nur auf Zuspruch. «Ja», sagt Stadtammann Mosimann, «diese Massnahme führt im Vereinssport zu gewissen Einschränkungen.» Das Gespräch mit den Betroffenen sei jedoch auf guten Wegen.

Die Primarschüler aus dem Westquartier werden sich künftig auf einen längeren Schulweg einstellen müssen. Sie müssen am Lenzhard-Campus vorbei ins entferntere Angelrain-Zentrum marschieren.

Das hat die Eltern auf den Plan gerufen. In einer Petition an den Stadtrat lehnten sie das neue Schulkonzept unmittelbar nach Bekanntgabe ab. Laut Stadtammann Mosimann hat man mit Vertretern der Petitionäre ein persönliches Gespräch geführt, ebenso wurden in einer Podiumsdiskussion die Meinungen ausgetauscht. Man nehme die Bedenken ernst und prüfe verschiedene Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit an neuralgischen Stellen auf dem Schulweg.

Betrag im Finanzplan eingestellt

Die Höhe des Kreditbegehrens mag erschrecken – doch die nun zur Diskussion stehenden Investitionen in die Schulinfrastruktur sind längst im Finanzplan eingestellt. Der Stadtrat hat in der Vergangenheit bereits verschiedentlich den Finger auf diese Investments gehalten, insbesondere dann, wenn die Rufe nach Steuerfusssenkungen allzu laut wurden. Was sich bisher in Zahlenlisten und auf rhetorischer Ebene manifestierte, liegt nun als konkretes Bauprojekt vor.

Die Sanierung des Bleicherain-Schulhauses (heutige Bezirksschule) steht seit längerem zur Diskussion.

Die az hat in der Festschrift zur Einweihung des Bezirksschulhauses vom 26. Oktober 1930 gestöbert. Ein Beitrag darüber und Informationen über das aktuelle Sanierungsvorhaben erscheinen am Montag.

Ablauf. Freitag, 6. Dezember: Einwohnerratssitzung. – Dienstag, 14. Januar 2014: öffentliche Informationsveranstaltung. – Sonntag, 9. Februar: Volksabstimmung.