Vierfachmord Rupperswil
Die Belohnung von 100'000 Franken geht an die Polizisten

Die Belohnung, welche für die Hinweise zur Ergreifung des Vierfachmörders von Rupperswil ausgesetzt wurde, wird nun doch ausbezahlt.

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Zeichen der Anerkennung. Die 100'000 Franken Belohnung sollen an Polizei und Staatsanwalt gehen.

Zeichen der Anerkennung. Die 100'000 Franken Belohnung sollen an Polizei und Staatsanwalt gehen.

/KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Im Februar setzte der Kanton Aargau eine Belohnung von 100'000 Franken für Hinweise aus der Bevölkerung aus, die zur Aufklärung des Vierfachmords von Rupperswil führen. Nach der Festnahme und dem Geständnis von Thomas N. ging die Öffentlichkeit davon aus, dass die Belohnung nicht ausbezahlt wird. Zumal dies auch an der Pressekonferenz vom Freitag so kommuniziert wurde. Doch das ist nun anders.

Wie der Aargauer Polizeidirektor Urs Hofmann im Interview mit der Schweizer Illustrierten erklärt, wird der Betrag an die Mitarbeiter von Polizei und Staatsanwaltschaft ausbezahlt, die bei der Aufklärung mitgeholfen haben.

Hofmann: "Der Regierungsrat hat entschieden, für die betroffenen Mitarbeitenden als Anerkennung für den immensen Einsatz in den letzten Wochen und Monaten einen Betrag maximal im Umfang der nicht ausbezahlten Belohnung zur Verfügung zu stellen."

Bei den 100'000 Franken handelt sich um das grösste Kopfgeld der Schweizer Kriminalgeschichte.

Hofmann unterstreicht den grossen Einsatz, wenn er sagt: "Da wurden zum Teil – bei Polizei und Staatsanwaltschaft – mehr Überstunden als offizielle Arbeitsstunden geleistet. An Heiligabend haben über 100 Polizisten klaglos den gesamten Güsel von Rupperswil durchsucht. Ich kann dafür nur Danke sagen."

Zur Frage, ob die Auswertung der Handy-Bewegungsprofile zur Aufklärung beigetragen hat, äussert er sich nicht, betont aber: "Bei der Aufklärung eines solch schweren Verbrechens muss man jedoch auch die elektronischen Kontakte überprüfen können. Da wäre übermässiger Datenschutz fehl am Platz. Das hat mit Bespitzelung nichts zu tun."

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.
29 Bilder
Beim Einsatz finden Feuerwehrleute vier verkohlte Leichen im Haus.
Schnell ist klar: Es handelt sich um ein Verbrechen. Die Opfer waren gefesselt und wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf.
Eine Forensikerin auf dem Weg zum Tatort im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier.
Die Ermittler sichern Spuren im und um das Haus.
Kapo-Medienchef Roland Pfister informiert die Medien über die vier gefundenen Leichen im Wohnhaus.
23. Dezember 2015: Zwei Tage nach der Bluttat sind die Opfer identifiziert: Es handelt sich um Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona (†21).
Mit Flugblättern sucht die Polizei bald in Rupperswil nach Personen, die Auskunft zur Bluttat mit den vier Personen machen können.
Auf dem Flugblatt ist auch das Bild von Carla Schauer (†48) zu sehen, wie sie am Tag wenige Stunden vor ihrem Tod an einem Geldautomaten in Rupperswil 1000 Euro abhebt.
Später taucht auch dieses Bild einer Überwachungskamera auf: Carla Schauer hebt knapp 20 Minuten nach dem Bancomat-Bezug weiteres Geld an einem Bankschalter in Wildegg ab. Es sind zirka 9000 Franken.
Trauerbekundungen beim Haus im Rupperswiler Spitzbirrli-Quartier, wo die vier getöteten Personen gefunden wurden.
Die Ermittlungsarbeiten zum Tötungsdelikt in Rupperswil reissen auch über die Feiertage nicht ab.
Für die Ermittler bedeutet der Fall Knochenarbeit: Ein Polizist leuchtet in einen Schacht.
8. Januar 2016: In Rupperswil findet ein Gedenk-Gottesdienst für die Opfer statt.
Rund 500 Personen wohnten dem Trauer-Gottesdienst bei. Wegen des grossen Andrangs mussten rund 200 Gäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen.
Der Schock über die schreckliche Tat sitzt tief: Trauernde geben sich Halt
21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY – ungelöst". Im April wird der Mordfall von Rupperswil in München aufgezeichnet.
18. Februar 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft informieren erstmals ausführlich über die Geschehnisse in Rupperswil an einer Pressekonferenz.
An dieser Pressekonferenz setzen die Behörden eine Belohnung von bis zu 100'000 Franken für Hinweise auf die Täterschaft aus.
Aus der Bevölkerung gehen hunderte Hinweise ein – keiner führt die Polizei auf die richtige Spur. Um den Vierfachmord von Rupperswil aufzuklären, haben die Aargauer Untersuchungsbehörden einen Aufwand betrieben wie noch nie zuvor.
13. Mai 2016: Fast fünf Monate nach dem Tötungsdelikt laden Polizei und Staatsanwaltschaft kurzfristig zu einer zweiten grossen Pressekonferenz ein.
Oberstaatsanwalt Philipp Umbricht enthüllt: Der Täter ist gefasst! Es handelt sich um einen 33-Jährigen aus Rupperswil, der nicht vorbestraft ist.
Der mutmassliche Mörder von Rupperswil: Thomas N. war jahrelang Fussball-Trainer und betreute C-Junioren.
Seine Fussballkollegen beschreiben ihn als Einzelgänger und guten Trainer.
In diesem Haus in Rupperswil – nur wenige Meter vom Haus der Familie Schauer entfernt – wohnte Thomas N.
Vierfachmord Rupperswil (All in one)
Die Haustür des Gebäudes wurde von der Polizei – nach einer Hausdurchsuchung – amtlich versiegelt.
Wenige Tage nach der Ergreifung des Täters wird bekannt: Die Rechtsanwältin Renate Senn wird den Mörder von Rupperswil vor Gericht vertreten.
Ein Jahr nach der Tat wird es in Rupperswil keine Gedenkfeier geben. Ammann: Ruedi Hediger: «Die Wunden «sind am Verheilen.»

Vierfachmord Rupperswil – von der Tat bis heute 21. Dezember 2015: an diesem Tag kommt es zum Vierfachmord: Kurz vor Mittag geht bei der Feuerwehr Rupperswil-Auenstein ein Notruf über einen Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil ein.

Keystone/PATRICK B. KRAEMER

Die Aargauer Kantonspolizei war nach der Aufklärung mit Lob überhäuft worden. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger dankten den Ermittlern via Social Media oder E-Mails. "Das ist ein schöner Vertrauensbeweis", freute sich Mediensprecher Bernhard Graser. (pz)