In Italien geht ein Venedig unter, in Lenzburg soll eines wiederbelebt werden. Das Quartier Kleinvenedig am Aabach zwischen der Bleicherainkreuzung und der mittleren Mühle hat eine wichtige industrielle Vergangenheit (siehe Kasten). Diese will der Verein Industriekultur Aabach wieder aufleben lassen. Oder besser gesagt: wieder andrehen. Anfang August hat der Stadtrat die Baubewilligung zur Sanierung des Wasserrads zwischen Schulhausweg und Bachstrasse erteilt.

Projekt ist gewachsen

Seit der ersten Idee ist viel passiert. «Das Projekt ist gewachsen», sagt Vereinspräsident und SVP-Stadtrat Martin Stücheli. Man habe gemerkt, dass der Verein die Sanierung nicht allein durchführen könne. Mit «am-architektur» von André Meier wurde ein Lenzburger Büro betraut. Das Projekt umfasst nun nicht nur die Sanierung des Wasserrads mit der Wehranlage, des Radhauses und des Stegs. In der Bleiche soll auch ein Ausstellungsraum entstehen, zudem werden zerfallene WC-Anlagen instand gesetzt.

Der Ausstellungsraum wird in Zusammenarbeit mit Museum Aargau und dem Museum Burghalde eingerichtet. «Der Infopoint wird während Führungen genutzt und kann auch gemietet werden», sagt Stücheli. Die WC und der Ausstellungsraum werden nur während Führungen geöffnet sein. Der Verein hat vor, das Wasserrad mit den Wehranlagen von Frühling bis Herbst etwa zwei- bis dreimal monatlich in Betrieb zu nehmen und Führungen anzubieten. «Heute ist der Aabach kaum noch zugänglich», sagt Stücheli. Mit der renovierten Anlage soll sich das ändern. «Der Aabach soll wieder erlebbar werden.» Der Steg dagegen steht ganzjährig offen und bietet neue Ansichten von Lenzburgs eigenem Venedig.

Das Gebäude mit dem Wasserrad gehört der Stadt. Die Gesamtkosten für die Sanierung werden auf 450 000 Franken geschätzt. Der Verein Industriekultur Aabach finanziert die Renovation des technischen Teils der Anlage und hat dafür bereits Sponsoren gefunden. Zum 150-Jahr-Jubiläum unterstützen die Hypothekarbank Lenzburg sowie die Berufsschule Lenzburg mit der Fachgruppe Zimmerleute das Projekt. Auch Swisslos sowie Private und Firmen konnten gewonnen werden. Das Architekturbüro von André Meier feiert sein 15-jähriges Bestehen und unterstützt die Sanierung ebenfalls mit einem Betrag. Die baulichen Massnahmen am Gebäude sollen von der Einwohnergemeinde finanziert werden. Dafür wird dem Einwohnerrat an der nächsten Sitzung vom 27. September ein Verpflichtungskredit von 175 000 Franken beantragt. Der Verein plant, die Bauarbeiten bis zum Herbst 2019 abschliessen zu können.

Noch ist das Wasserrad mit den Metallschaufeln – ein Vorläufer der modernen Turbine – hinter Holzwänden versteckt. «Wir werden den Verschlag unten öffnen und auch die Rückwand herausnehmen, damit man das Wasserrad beobachten kann», sagt André Meier. Strom wird mit dem Rad nicht produziert, dafür fehlt die Konzession. Höchstens, um eine Glühbirne zu erleuchten, damit sie etwas Licht in die Geschichte des Aabachs bringen kann.