Seon
Die alte Buntweberei bietet heute 30 lokalen Unternehmen eine Heimat

Die Räumlichkeiten der ehemaligen Buntweberei Müller & Cie AG, die 1995 ihre Tore schloss, bieten heute als Gewerbepark Oholten rund 30 lokalen Unternehmen eine Heimat

Fabio Baranzini
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Auf beiden Seiten des Areals weisen riesige Tafeln den Weg zu den Firmen im Gewerbepark Oholten. Fabio Baranzini

Auf beiden Seiten des Areals weisen riesige Tafeln den Weg zu den Firmen im Gewerbepark Oholten. Fabio Baranzini

Fabio Baranzini

Vom Nähatelier übers Dessousgeschäft bis hin zum Karosserie-Spritzwerk und zu Firmen, die hochwertige Prothesen und Maschinen für die Betonbearbeitung herstellen – die Räumlichkeiten der ehemaligen Buntweberei Müller & Cie AG beherbergen seit beinahe zwei Jahrzehnten ein breites Spektrum an Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Insgesamt sind in den ehemaligen Fabrikhallen, die teilweise bis zu 180 Meter lang sind, 30 Firmen untergebracht. Die meisten haben die Räume gekauft und den Innenausbau nach ihren Wünschen und Bedürfnissen vorgenommen. Doch wie ist aus der ehemaligen Weberei eigentlich der heutige Gewerbepark Oholten entstanden?

Die Buntweberei der Firma Müller & Cie AG war ein Traditionsunternehmen, das bereits 1836 in Seon gegründet worden war. Nach einigen Turbulenzen – 1880 ging die Firma Konkurs, wurde später aber wieder in Betrieb genommen, und auch vor und während des Zweiten Weltkriegs steckte das Unternehmen in der Krise – wurde die Weberei in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts immer grösser. In den 60er-Jahren zählte sie rund 450 Mitarbeitende, darunter auch viele Hilfsarbeiter aus dem Ausland. Um die Mitarbeiter unterzubringen, liess die Weberei in Seon in den Quartieren «Neue Breite» und «Birchmatt» rund 40 Einfamilienhäuser und 80 Wohnungen bauen. Sie sind noch heute bewohnt.

Ende der 80er-Jahre war die Buntweberei Müller & Cie AG dann vor allem im Exportgeschäft für Blusen- und Hemdstoffe tätig, wobei die Rohgewebe im Ausland gewoben und in Seon fertig verarbeitet wurden. In der Schweiz wurden die Stoffe unter anderem für Uniformhemden der Armee, der SBB und der Swissair verwendet. 1995 musste die Buntweberei dann aber Konkurs anmelden und eine Liquidationsfirma verkaufte das gesamte Inventar. Der Gebäudekomplex sollte zwangsversteigert werden.

Kurz vor Versteigerung gekauft

«Der Konkurs der Weberei war für die Gemeinde Seon natürlich ein grosser Verlust, da viele Arbeitsplätze verloren gingen», sagt der amtierende Seoner Vize-Ammann Hans Peter Dössegger. Der damalige Gemeindeammann Rolf Lüscher war es, der sich mit Hans Peter Dössegger und dem mittlerweile verstorbenen Walter Brändli zusammengetan und Interesse an den leer stehenden Räumlichkeiten der Weberei bekundet hatte. «Wir wussten, dass viele Jungunternehmer aus der Region Räume suchten, um ihre Geschäfte aufzubauen. Wir wollten daher einen Gewerbepark für lokale Unternehmer schaffen», so Dössegger.

Das Trio suchte den Kontakt zu den Banken, die in die Versteigerung involviert waren, und führte Verhandlungen. Drei Tage vor der Zwangsversteigerung haben Lüscher, Dössegger und Brändli, die gemeinsam die Gewerbepark Oholten AG gegründet hatten, die alte Weberei gekauft und begannen, diese in den darauffolgenden Jahren unter der Bauführung von Rolf Lüscher Schritt für Schritt zu sanieren. «Wir haben die ganze Erschliessung neu erstellt inklusive der Kanalisation, der Elektroanschlüsse und dem Wasser. Die grossen Hallen haben wir in neue Brandabschnitte mit einem Fluchtwegkonzept unterteilt», sagt Dössegger.

Mehraufwand wegen Altlasten

Diese Arbeiten waren sehr aufwendig, denn die Altlasten der Weberei – unter anderem Farbstoffrückstände (Schwermetalle) im Boden und im alten Färbereiweiher – mussten unter der Aufsicht eines Geologiebüros entsorgt werden. «An der Stelle, an der die Veredelungsanlage gestanden hatte, mussten wir im Gebäudeinneren vier Meter tief alles abtragen und wieder neu auffüllen», sagt Dössegger. Allein für die Entsorgung der Altlasten fielen Kosten in der Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Franken an. Die komplette Sanierung, die sich über einen Zeitraum von rund vier Jahren erstreckte, kostete gut 13 Millionen Franken. «Wir haben die Sanierung Schritt für Schritt vorgenommen und so schnell es ging die ersten Räume an die neuen Betriebsinhaber verkauft, um das Geld für die weitere Sanierung nutzen zu können.»

200 Arbeitsplätze

Längst sind alle Räumlichkeiten verkauft worden. Es gab damals gar mehr Interessenten als Räume. Die Gewerbepark Oholten AG besitzt daher heute auf dem Areal des Gewerbeparks nur noch die Technikräume der Schnitzelheizung, mit welcher der ganze Gewerbepark und ein Einfamilienhausquartier beheizt werden. «So wie sich der Gewerbepark aktuell präsentiert, sind wir sehr zufrieden, denn die Unternehmen beschäftigen rund 200 qualifizierte Mitarbeiter. Dass wir nach dem Konkurs der Buntweberei einen grossen Teil der Arbeitsplätze im Industriegebiet von Seon halten konnten, ist für unsere Gemeinde sehr wichtig», so Hans Peter Dössegger.