Niederlenz

Deutsche Gärtner-Lernende schauen, wie die Schweizer mit Saatgut arbeiten

Primeliblüten bestäuben bringt die Schweizerin Ramona Bloch (links) ihrer deutschen Kollegin Jule Marie Weisener näher.emanuel freudiger

Primeliblüten bestäuben bringt die Schweizerin Ramona Bloch (links) ihrer deutschen Kollegin Jule Marie Weisener näher.emanuel freudiger

Das Berufsbildungszentrum nimmt an Förderprogramm der Europäischen Union für Lernende teil. So kommt es, dass hier Lernende aus Deutschland und Polen erfahren, wie Schweizer Lernende arbeiten.

«Oh Gott, wo sind wir hier bloss gelandet», habe sie gedacht, als sie im Bahnhof Zürich zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fuss auf Schweizer Boden setzte. «Die politischen Plakate gegen die Masseneinwanderung haben meine Idylle von Berge, Almhütten und Schokolade jäh zerstört.» Jule lacht.

Die 18-jährige angehende Gemüsegärtnerin kommt aus Hamburg. Gemeinsam mit 25 Lernenden aus Deutschland und Polen ist sie nach Niederlenz gefahren. In der Gartenbauschule des Berufsbildungszentrums (BBZ) nimmt die Gruppe an einem Studienprogramm der Arbeitsgemeinschaft europäischer Gartenbaulehrer teil.

Jetzt sitzt Jule mit ihrer Schweizer Kollegin, der gleichaltrigen Ramona, beim praktischen Teil ihres Studienaufenthaltes zum Thema Gewinnung von neuem Saatgut anhand von Primeli. «Blüten bestäuben ist Fummelarbeit», lacht die junge Deutsche. Interessiert lässt sie sich in die bisher unbekannte Materie einführen.

Das gemeinsame Arbeiten schafft für die beiden jungen Frauen eine Plattform, sich näher kennenzulernen. Sind die Schweizer so introvertiert und die Deutschen tatsächlich so grossmaulig wie hin und wieder kolportiert wird? «Das ist mir nicht aufgefallen», meint Ramona. «Nicht? Dann bist du offensichtlich taub», schüttelt die Hamburgerin Jule den Kopf und schmunzelt.

Für beide Frauen ist der Austausch auf jeden Fall eine wertvolle persönliche Erfahrung. Trotz der geografischen Nähe, so stellen sie fest, ist ein Mentalitätsunterschied zwischen den Nationen auszumachen.

Frühzeitig Netzwerk aufbauen

Tatsächlich ist laut BBZ-Betriebsleiter Peter Stadelmann nebst der fachlichen Weiterbildung die Kontaktmöglichkeit mit Jugendlichen aus andern Nationen wichtiges Ziel dieser europäischen Austauschprogramme. «Junge Menschen werden ermutigt, frühzeitig ihren Horizont zu erweitern und Kontakt zum Ausland zu knüpfen.»

Grenzen überschreiten, Erfahrungen sammeln, Wissen erwerben, das gehöre heute zu den persönlichen Schlüsselkompetenzen in der globalisierten Welt.

Davon ist auch die «ch stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit» überzeugt. Sie koordiniert das von der Europäischen Union unterstützte Bildungs-, Berufsbildungs- und Jugendprogramm «Erasmus+» in der Schweiz.

Obwohl sie auch schon an einer Studienreise nach Litauen teilgenommen hat, gibt sich die künftige Zierpflanzengärtnerin Ramona bei der Frage nach Auslandaufenthalten zurückhaltend. Sie möchte zuerst Fremdsprachen in der Schweiz lernen.

Jule hingegen ist neugierig. Sie wünscht sich ein weltumspannendes Studienprogrammangebot: «Mich würde interessieren, wie in Afrika Gemüse angebaut und wie die Regenwälder bewirtschaftet werden.»

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