az in der Beiz

Der Wohlfühlbezirk rauft sich zusammen

Die Grossratskandidaten aus dem Bezirk Lenzburg kamen gestern Abend in Meisterschwanden in Genuss von exklusiven Informationen. Der stellvertretende Chefredaktor der Aargauer Zeitung, Werner De Schepper, verriet ihnen eingangs der Stammtisch-Aktion «az in der Beiz» die Resultate der repräsentativen Umfrage über die Wähleranteile am 21. Oktober

Die teilweise deutlichen prognostizierten Verschiebungen brachte keinen der zwei Dutzend Politiker aus acht Parteien aus der Fassung.

Lag dies vielleicht weniger an einem gesunden Misstrauen gegen Bevölkerungsumfragen, sondern vielmehr daran, dass jede und jeder vierte Anwesende mit dem Bisherigenbonus antritt? Oder an der bemerkenswerten Einigkeit darüber, wo im gefragten Bezirk Lenzburg der Hase im Pfeffer liegt?

Nein, nicht im Asylwesen. Die von Grossratspräsidentin Kathrin Scholl (SP) ins Feld geführte fehlende Rechtsstaatlichkeit beim umstrittenen Internierungslagerentscheid am Dienstag ist weit weg vom Seetal. Und SVP-Ratskollege Pascal Furrer («das kann man machen, man muss nur wollen») benannte immerhin einen Standort: Kriminelle Asylbewerber sollen zwischen Strafanstalt und Zentralgefängnis in Lenzburg eingesperrt werden.

Der SVP-Gemeinderat Wolfram Burgy nimmt die Grüne Irène Kälin mit auf eine Patrouille der Stapo Zürich

Der SVP-Gemeinderat Wolfram Burgy nimmt die Grüne Irène Kälin mit auf eine Patrouille der Stapo Zürich

Wo alle sind, ists nicht mehr schön

Die wahren Probleme sind der Siedlungsdruck und die Tagestouristenströme, beides verbunden mit zunehmendem Verkehr. «Wo es schön ist, wollen alle hin, doch wenn alle da sind, ist es nicht mehr schön», brachte es Marianne Tribaldos (CVP) auf den Punkt. Beat Hiller (Grünliberale) schlägt vor, Arbeits- und Wohnorte zusammenzuführen und Staus als Kehrseite des Wachstums zu akzeptieren. Irène Kälin (Grüne) will keine neuen Strassen bauen, weil auch diese bald überlastet wären.

Die CVP-Einwohnerrätin Marianne Tribaldos will eine Metro im Aargau

Die CVP-Einwohnerrätin Marianne Tribaldos will eine Metro im Aargau

Und Wolfram Burgy (SVP) würde am liebsten geleaste Privatautos verbieten, «dann gäbe es halb so viele».
Von Redaktor und Moderator Fritz Thut auf das Hallwilerseeschutzdekret angesprochen, sagte Esther Gebhard (EVP), dieses dürfe nicht angefasst werden. Rolf Jäggi (SVP) hingegen warnte vor einem «Ballenberg». Der Egliswiler Gemeindeammann war es auch, der für eine Verteilung der Lasten und eine Zusammenarbeit der Dörfer plädierte. Unterstützt wurde er von Parteikollege Alois Huber: «Alle müssen Abstriche machen.» Und von Gabi Lauper (SP). Die Präsidentin der Regionalplanung sagte, sämtliche angesprochenen Probleme seien regionaler Art.

Mit der Zeit wird alles gut

Gérald Strub (FDP) gab zu bedenken, dass schon die Schaffung der überkommunalen Organisation «Lebensraum Lenzburg-Seetal» zur Lösung dieser Probleme an Grenzen gestossen sei. Der Boniswiler Ammann weiss jedenfalls um das Schicksal seiner Vision à la Glarus, aus dem Seetal eine einzige Gemeinde zu machen: Sie hatte in der vorbereitenden Arbeitsgruppe keine Chance. Der rennende Wahlkämpfer tröstet sich mit der Zeit, mit der alles gut wird.

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