90 auf 60 Meter misst der Stolz von Martin Hintermann. 5400 Quadratmeter Naturrasen, ausgerollt direkt am Ufer des Hallwilersees – ein Bijou, das Leser von «20 Minuten» erst im Frühling zum schönsten Fussballplatz im Land gewählt haben.

Martin Hintermann ist seit 25 Jahren Präsident des FC Beinwil am See und hat diese Tage alle Hände voll zu tun mit der Vorbereitung für das grosse Fest, das am Samstag stattfindet. Dann wird der neue Platz eingeweiht, mit Spielen der Junioren am Morgen und Nachmittag, einem Spiel der Frauen um 19.30 Uhr und dem grossen Highlight um 17 Uhr, wenn das Drittliga-Team der Männer gegen Lokalrivale Seon zum Derby antritt – Eintritt frei.

Bespielt wird der generalüberholte Platz schon seit Saisonbeginn, ganz knapp sind die Arbeiten fertig geworden, verschiedene Unwägbarkeiten haben sie verzögert.

«Könnten zwei Ligen aufsteigen, das macht uns attraktiv»

Nötig wurden die insgesamt rund 848 000 Franken teuren Arbeiten, damit der Platz weiter den Anforderungen des Schweizerischen Fussballverbands gerecht wird. 2008 hat er die Anforderungen erhöht und den Klubs zehn Jahre Zeit gegeben, um nachzurüsten.

Weil Beinwil ein Projekt vorweisen konnte, gewährte man das nötige Jahr Aufschub zur Umsetzung. In Beinwil am See ging es vor allem darum, den Platz breiter zu machen. Ein vermeintlich einfaches Unterfangen, doch weil der Platz in der Landschaftsschutzzone liegt und an eine private Liegenschaft grenzt, wurde das Unterfangen schnell zu einer komplexen Angelegenheit.

Der gesamte Platz musste leicht gedreht, Erde abgetragen, die Infrastruktur versetzt werden. 610 000 Franken hat die Gemeindeversammlung dafür im Winter 2016 einstimmig bewilligt. Während der Arbeiten hat sich herausgestellt, dass auch Ballfänger, Kandelaber und Bewässerung erneuert werden müssen.

Die Gemeindeversammlung gewährte deshalb einen Zusatzkredit in Höhe von 238 000 Franken. Die neuen LED-Scheinwerfer sorgen nun im Gegenzug für weniger Lichtimmissionen und sparen Strom. Die Ballfänger verhindern Querschläger in den See.

«Tatsächlich sehen wir heute kaum noch Bälle über das Netz fliegen», sagt Martin Hintermann. Der Fussball sei technischer geworden, auch in den unteren Ligen. «Das merkt man. Ein Haudegen, der den Ball zwei-, dreimal im Spiel über das Netz ballert, würde heute ausgewechselt.» Früher gehörte das zum Spiel, zeitweise hatte der FC nicht ein, sondern gleich zwei Boote, mit denen Bälle aus dem See zurückgeholt werden konnten.

Rostige Ballfängerstangen zeugen noch heute – an der Wand des Klubhauses – von diesen Zeiten, auch wenn der FC schon lange kein eigenes Boot mehr hat. «Doch je nach Wetter schwimmt auch mal einer schnell raus», erzählt der Präsident.

Der neue Platz stimmt ihn glücklich: «Wir sind jetzt da, wo wir sein wollen. Die 1. Mannschaft kann zwei Ligen aufsteigen, bis in die 2. Liga interregional. Das macht uns auch attraktiv für die Jungen.»

Gutes Zusammenspiel mit Badi und Jugendherberge

Nicht nur die Lage, sondern auch die Nachbarn Jugendherberge und Schwimmbad machen den Platz attraktiv. Der FC Burgdorf und Organisationen wie Pro Senectute buchen hier gerne Fussballcamps. «Die Buchungen werden immer mehr. Das ist auch gutes Standort-Marketing», sagt Hintermann. Mit Jugi und Badi unterhält der FC eine enge Zusammenarbeit.

Der Badikiosk hat dank der Zuschauer des FC willkommene Zusatzeinkünfte und der Klub freut sich über die vielen Zuschauer, die im Sommer von der Badi aus herüberschielen. Die Gästeteams packten schon mehr als einmal die Badehose gleich mit ein, wenn ein Spiel in Beinwil anstand. Die nachbarschaftliche Zusammenarbeit wird von der grossen Durchlässigkeit unterstrichen: zwischen Fussballplatz und Badi gibt es keine Trennung.

Die Gäste der Jugendherberge dürfen gleich beides umsonst mitbenutzen. Diese Kooperation ist dem Umstand zu verdanken, dass ein Grossteil des Landes, auf dem der Fussballplatz steht, der Jugi gehört: Die Gemeinde darf auf dem Grundstück den Fussballplatz betreiben, die Jugi im Gegenzug Platz und Badi gratis mitbenutzen. Eine Konstellation für die Zukunft.