«Als Ur-Niederlenzer bin ich beim Recherchieren auf eine Fülle von interessanten Sachen gestossen, die ich noch nicht gekannt habe», zieht Willi Bürgi Bilanz seiner Mitarbeit beim Waldinformationsprojekt Länzert.

Der Präsident der Niederlenzer Landschaftskommission kommt zum Schluss: «Der Wald konserviert auch kulturhistorische Denkmäler.» Die Forstdienste Lenzia sorgen mit der dritten Etappe dafür, dass auch die breite Öffentlichkeit davon Kenntnis nimmt und Zugang zu diesen Zeugnissen erhält.

Fünf Tafeln, 19 Stationen

Nach den Gebieten Berg-Ebnet (2011) und Lütisbuech-Eichholz (2012) ist jetzt auch der Länzert mit fünf Orientierungstafeln an den Waldeingängen, 19 Stationen, zahlreichen Wegweisern, einem Flyer mit Kurzangaben und einem Internetauftritt (www.niederlenz.ch/www.lenzburg.ch) mit zusätzlichen Informationen für interessierte Waldspaziergänger erschlossen.

Für das pionierhafte Waldinformationsprojekt, dessen Grundlage die 1997 von alt Oberförster Niklaus Lätt verfasste Publikation «Wald im Wandel» bildet, sind die Forstdienste Lenzia mit dem Waldpreis des Waldwirtschaftsverbandes Freiamt-Lenzburg ausgezeichnet worden.

Der Länzert umfasst rund 225 Hektaren, wovon 50 Prozent im Lenzburger Bann, 40 Prozent auf Niederlenzer Boden und 10 Prozent im Staufner Revier liegen.

Mit 13 Stationen bietet der Niederlenzer Wald die grösste «Fundgrube» interessanter kulturhistorischer Anlagen, Naturdenkmäler, besonders bedeutungsvolle Aufenthaltsorte und Bauwerke für die Trinkwasserversorgung.

«Geheimnisse» wieder enthüllt

Willi Bürgi, dem eigentlichen «Dorfhistoriker», ist es bei seiner umfangreichen Forschung gelungen, einige von Wald und Wildwuchs wohl gehütete Geheimnisse aufzudecken. Mit der Erstellung von neuen Wegen und Stegen und einigen Unterholzrodungen sind sie von den Lenzia-Forstleuten wieder ans Tageslicht geholt worden.

So zum Beispiel beim 1975 aufgehobenen ehemaligen Seetalbahn-Trassee entlang der Kiesgrube der Kilometerstein 3 (3 Kilometer bis Lenzburg) oder das historische Brückenwiderlager eines Aquädukts über der Gleisanlage.

Wasser für Niederlenzer Matten

Dieses Bauwerk war Teil eines ausgedehnten Bewässerungssystems, wovon auch das neu ausgegrabene Teilstück des «Neugrabens» zeugt: Das kostbare Nass wurde in Lenzburg dem Aabach entnommen, um die Niederlenzer Matten zu wässern.

Es floss der Herregass entlang durch den Wald. Als bemerkenswerte Baumdenkmäler seien die Triesellinde (der Niederlenzer Wappenbaum) und die Schneitelbuche (ein Beispiel einstiger Waldbewirtschaftung) erwähnt.

Als eine «alte Nationalstrasse» entpuppt sich der schon 1520 urkundlich dokumentierte Rubischwilerweg, eine bedeutende Ost-West-Haupttransversale im 14. bis 16. Jahrhundert zwischen Zürich und Bern.

Grund für diese wichtige Fernhändlerroute war wohl die steinerne Brücke über den Aabach in Niederlenz, lange bevor eine solche in Lenzburg erstellt wurde. Die Stadt musste ihre Zollstation in Rupperswil betreiben.

Zelgli als Naherholungsgebiet

Das Waldinformationsprojekt führt sogar nach «Amerika»: Der Flurname Neufundland in Niederlenz und die Riesenmammutbäume in Staufen und Lenzburg wecken Assoziationen an Übersee.

Im Lenzburger Bann verdient das Zelgli spezielle Beachtung: Von lautstarken Verkehrsträgern (Bahn und Autobahn) zerschnitten, fünfmal von Stürmen heimgesucht, von Umzonungen und Verkabelungen bedroht, ist es dank umsichtiger Waldpflege das bevorzugte Naherholungsgebiet der Anwohner.

Das Waldinformationsprojekt ist ein Gemeinschaftswerk von Forstdiensten Lenzia und Landschaftskommission Niederlenz. Text und Bilder lieferten deren Mitglieder, insbesondere Willi Bürgi, Frank Haemmerli, Thomas Burger, Heiner Halder und Rosmarie Wehrli. Die Umsetzung besorgte das Büro Burger & Liechti GmbH, Ennetbaden.