Bezirksgericht Lenzburg

Juniorentrainer stand auf Kinderpornos – ins Gefängnis muss er nicht

Bezirksgericht Lenzburg: Ein Fussballjuniorentrainer konsumierte Kinderpornos stand deswegen vor Gericht.

Bezirksgericht Lenzburg: Ein Fussballjuniorentrainer konsumierte Kinderpornos stand deswegen vor Gericht.

Jahrzehntelang betreute der Mann Fussball-Junioren, konsumierte privat aber Kinderpornos. Das Bezirksgericht Lenzburg gibt ihm nun eine Chance, von der Sucht loszukommen.

1123 Bilder und 332 Videos mit kinderpornografischem Inhalt, überwiegend von minderjährigen Knaben, teilweise in brutalem Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen: Zwischen Oktober 2013 und Februar 2018 hatte ein 50-Jähriger aus der Region diese Dateien übers Internet heruntergeladen und auf seinem Computer gespeichert. Dazu fand die Polizei zwei Videokassetten mit ähnlichem Inhalt bei ihm zuhause.

Aufgeflogen ist der Mann im September 2017 nach einem Hinweis aus Kanada: Das National Child Exploitation Coordination Centre der kanadischen Polizei meldete das Versenden eines kinderpornografischen Bildes über eine App an das Polizeiamt der EU (Europol), dieses benachrichtige die Bundeskriminalpolizei.

«Ich will wissen, warum ich das gemacht habe»

Der Mann war jahrzehntelang Fussball-Juniorentrainer. An der Verhandlung ist kein Wort dazu gefallen, ob er sich jemals an einem Kind vergriffen habe. Vor Gericht zeigte er sich schuldeinsichtig und therapiewillig. Was er gemacht habe, sei «unverzeihlich», vom psychologischen Gutachten sei er schockiert. «Dass ich diese Krankheit habe, ist für mich nicht fassbar. Ich will wissen, warum ich das gemacht habe», sagte er mit Scham, eher leise und teilweise undeutlich. Arbeitgeber und Familie wüssten nichts über die Anklage, eine Freiheitsstrafe wäre für ihn eine Katastrophe, da er seine Arbeit verlieren würde, für die er so lange gekämpft habe.

Die Staatsanwältin hob die Schwere seiner Taten hervor: Der Angeklagte habe «egoistisch und verwerflich zur eigenen sexuellen Lustbefriedigung» gehandelt, es sei eine sehr grosse Menge an Dateien, der abgebildete Kindesmissbrauch wiege schwer. «Kinder müssen geschützt werden, Konsum und Verbreitung solcher Dateien steigert die Nachfrage», sagte sie und forderte 20 Monate Freiheitsstrafe unbedingt und eine vollzugsbegleitende Therapie, denn ein Risiko für Rückfälligkeit sei vorhanden. «Für Pädophilie gibt es keine heilende Behandlung», sagte sie, man könne nur lernen, mit dieser Neigung umzugehen. Für den Verteidiger hingegen stelle der Angeklagte «keine Gefährdung für die Gesellschaft» dar, seine Tätigkeit als Juniorentrainer habe er aufgegeben.

Dank fester Arbeitsstelle: Therapie statt Gefängnis

Das Gesamtgericht folgte weitgehend der Staatsanwaltschaft, der Vollzug der Strafe wird aber aufgeschoben zu Gunsten einer fünfjährigen ambulanten Therapie. Absolviert er diese erfolgreich, ist er danach auf freiem Fuss. Zehn Jahre lang darf er keine Tätigkeiten ausüben, die Kontakt mit Kindern umfasst. Und er muss an die 30 000 Franken Verfahrens- und Anwaltskosten bezahlen.

Dass der Verurteilte nach längerer Arbeitslosigkeit einen festen Job hat, kam ihm zu gut. «Sie haben wieder eine Struktur», sagte Gerichtspräsidentin Eva Lüscher. «Für die Resozialisierung erscheint es uns notwendig, diese aufrecht zu erhalten.»

Nur «herausfinden, warum er das gemacht habe», wie er sagte, sei für das Gericht aber nicht genug. «Sie müssen herausfinden, was es für die Opfer bedeutet. Hinter jedem einzelnen Bild steckt ein Kind.»

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