Lenzburg
«Der Titel will bewusst provozieren»: Der Kampf gegen die Armleuchter

In der Rathausgasse fand am Samstag die Aktion «Licht ins Dunkel» von Pro Velo statt. Velolichter wurden kostenlos repariert – während die Fahrrad-Besitzer in der Altstadt einkaufen konnten.

Sonja Furter
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Mit viel Herzblut wurden in der Lenzburger Rathausgasse Velos geflickt.

Mit viel Herzblut wurden in der Lenzburger Rathausgasse Velos geflickt.

Drei Männer in orangen Westen begutachteten ihren Patienten; ein schon etwas älteres Velo. Das Licht wurde geprüft, die Kabel auf Schäden untersucht, der Reifendruck gemessen. Der Kontrollblick zum Schluss zeigte, ob irgendwo ein Draht nicht so stand, wie er sollte. Bei diesem Fahrrad musste das Licht ersetzt werden. Nach getaner Arbeit wurde das Velo durch die Rathausgasse gefahren. Das Licht funktionierte. Praxis-Test bestanden.

Zwanzig Fahrräder in vier Stunden, fünfzehn Minuten pro Reparatur: Am Samstag wurden in der Rathausgasse Fahrräder einem Generalcheck unterzogen. Ihre Besitzer konnten in der Zwischenzeit die Einkäufe erledigen.

Ein Team aus fünf Freiwilligen bot während vier Stunden am Samstag Reparaturservice und Lichtcheck fürs Velo an – bezahlt werden mussten nur die Ersatzteile. Der Anlass stand unter dem Motto: Nur Armleuchter fahren ohne Licht.

«Der Titel will bewusst provozieren, denn Fahren ohne Licht ist gefährlich», sagte Michael Oberle (41) aus Lenzburg, der als Mechaniker im Einsatz war. Gerade in der dunklen Jahreszeit gebe es mehr Unfälle, die auf ungenügende Sichtbarkeit zurückzuführen seien.

Massiv Zeit eingespart

Einer, der sein Fahrrad reparieren liess, war Ivar Meyer (53) aus Staufen. Besonders schätzte er, dass er sein Fahrrad nach der Reparatur gleich wieder abholen konnte. «Mein Fahrrad habe ich in Villmergen gekauft.

Hätte ich es dort zur Reparatur bringen müssen, hätte ich etwa eine Woche lang auf mein Fahrrad verzichten müssen.» Als bei ihm das Licht ausgestiegen sei, habe er in seinem Velokörbli einen Flyer für die Aktion von Pro Velo entdeckt.

Er beschloss, am Samstag vorbeizuschauen. «Nebst der Reparatur konnte ich noch die Frage ans Team loswerden, wie sich Pro Velo für die Anliegen der Velofahrer einsetzt.»

Aus der Region für die Region

«Hier kommt keiner vorbei, ohne dass wir das Licht kontrollieren», so das nicht ganz ernst gemeinte Motto der Mechaniker. Einer Velofahrerin, die ohne Licht unterwegs war, riefen sie nach: «Sofort umkehren!»

Und auf die Frage einer Kundin, was die Reparatur denn nun koste, meinte einer der Mechaniker mit einem Augenzwinkern: «Das ist unbezahlbar!» Viele Passanten kannten jemanden vom Team und blieben stehen, um Hallo zu sagen. Für die Kinder gab es rote Ballone mit dem Logo von Pro Velo.

«Wir führen die Aktion in Lenzburg durch, weil wir hier von der Region sind», sagte Kai Haeder (55) aus Lenzburg. Auch er flickte an diesem Samstag Velos. «Im Schnitt haben wir pro Aktion 20 Fahrräder, die wir reparieren. Diese Zahl ist seit Jahren stabil.» Ein Beitrag an die Sicherheit, die sich für ihn lohne und ihn motiviere, sich für Pro Velo zu engagieren.