Beinwil am See
Der Seetaler Simon Eichenberger ist erster Offizier auf der Titanic

Simon Eichenberger aus Beinwil am See inszeniert als Choreograf und Co-Regisseur das Musical «Titanic» auf dem Thunersee. Am Dienstag feiert die Schweizer Version des Broadway-Musicals auf der Thuner Seebühne Premiere.

Pascal Meier, Thun
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Der Seetaler Choreograf Simon Eichenberger auf der Seebühne.HO

Der Seetaler Choreograf Simon Eichenberger auf der Seebühne.HO

Wenn die «Titanic» in den Thunersee sticht und wie vor 100 Jahren ihrem Schicksal am Eisberg entgegensteuert, dann hat ein Aargauer die Kapitänsbrücke bereits verlassen: Simon Eichenberger, Choreograf aus Beinwil am See und mit Regisseur Max Sieber massgeblich verantwortlich für «Titanic». Am Dienstag feiert die Schweizer Version des Broadway-Musicals auf der Thuner Seebühne Premiere. Für Simon Eichenberger geht damit eine intensive Vorbereitungszeit zu Ende.

Star-Regisseur Max Sieber: «Es gibt ein Happy-End»

Die Schweizer Regie-Legende Max Sieber verrät Details zu «Titanic -Das Musical», das bei den Seefestpielen in Thun am 10. Juli Premiere feiert. Lesen Sie das az-Interview hier.

Je näher die Jungfernfahrt rückt, desto höher steigt Eichenbergers Puls. Äusserlich wirkt der 36-jährige Seetaler ruhig. Braun gebrannt und mit ärmellosem T-Shirt sitzt er an der Hauptprobe vor der Tribüne, auf der bald 2700 Besucher Platz nehmen werden, und beobachtet die Passagiere am Pier der «Titanic». «Ich muss auf dieses Schiff, das grösste, das diese Welt je sah», singt das 70-köpfige Ensemble. Simon Eichenberger wippt mit dem Fuss im Takt des Orchesters, blickt nach einem Knacken im Lautsprecher kurz zur Tonregie – und als ein verspäteter Passagier der Titanic hinterherwinkt, leidet Eichenberger mit ihm und verzieht ebenfalls wehklagend das Gesicht.

Vom Seetal in die Welt hinaus

Zwei Stunden dauert die Thuner «Titanic» und trotz vieler kleiner Szenen, die sich gleichzeitig auf den Decks abspielen, scheint Simon Eichenberger nichts zu entgehen: kein Kostüm, das nicht richtig sitzt, kein Lachen im falschen Moment und auch kein Matrose, der zu spät auf der Kapitänsbrücke auftaucht. «Es gibt noch viele kleine Dinge, an denen wir feilen wollen», sagt Eichenberger nach der Probe und blickt zufrieden auf die Bühne im Thunersee.

Der See, das Wasser, die Schweiz: Das ist Heimat für Simon Eichenberger, der am Hallwilersee aufgewachsen ist und seit 15 Jahren als international gefragter Choreograf in Wien lebt. «Ich bin ein klassischer Auslandschweizer, der gerne nach Hause kommt, Energie tankt – und gerne wieder geht», sagt Eichenberger.

Wenn er das Seetal nach einem Besuch bei den Eltern wieder verlässt, dann ist das Ziel meist eine Musical-Produktion im deutschsprachigen Raum: In Salzburg hat Simon Eichenberger «Kiss me, Kate» choreografiert, in Stuttgart «Rebecca» und in Zürich «Dällebach Kari». Für die renommierte Choreografin Kim Duddy war er als Assistant und Associate Choreographer unter anderem für «Fame» und «Jesus Christ Superstar» tätig, sowie in gleicher Funktion für das Udo-Jürgens-Musical «Ich war noch niemals in New York».

Seit ein paar Jahren gehört Eichenberger auch zum Team der Thunerseespiele und hat dort 2010 «Dällebach Kari – das Musical» choreografiert sowie 2011 «Gotthelf». «Ich scheine den Thuner zu gefallen», sagt Eichenberger, und liegt mit dieser Einschätzung nicht daneben: Vergangene Woche wurde er für Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» verpflichtet, die nächste Produktion der Thunerseespiele 2013.

Simon Eichenberger macht offenbar vieles richtig und kommt in Thun auch beim Ensemble gut an. «Simon hat eine unglaubliche Geduld», sagt ein Chor-Sänger. Für Eichenberger ist das selbstverständlich: «Wer mit 70 Leuten arbeitet und dafür keine Geduld mitbringt, ist fehl am Platz.» Denn die Gruppe setze sich aus Profis und guten Laien aus allen Himmelsrichtungen zusammen. «Man kann auch mit Geduld streng sein.»

Weitere Projekte in Planung

Über dem Thunersee ist inzwischen die Nacht hereingebrochen und Simon Eichenberger wird nun doch unruhig. Regisseur Max Sieber ruft zur Nachbesprechung der Hauptprobe. Während es das Ensemble Richtung Bahnhof oder Beiz zieht, hat das Kreativ-Team noch viel zu tun. Und zu den vielen Details, die Simon Eichenberger nach der Hauptprobe besprechen möchte, schwirren dem Seetaler unzählige neue Ideen und Figuren im Kopf herum. Denn noch bevor der erste Offizier die «Titanic» verlässt, hat die Planung von weiteren Projekten begonnen. Der nächste längere Besuch im Seetal muss damit noch etwas warten.

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