Seetal

Der See gehört allen oder niemandem oder sich selbst

Die beiden Co-Präsidenten des Landschaftsschutzverbandes Hallwilersee, Benno Affolter (links) und Benno Stocker flankieren Festredner Regierungsrat Stephan Attiger in der Jubiläumsausstellung vor der Seenger Mehrzweckhalle.

Die beiden Co-Präsidenten des Landschaftsschutzverbandes Hallwilersee, Benno Affolter (links) und Benno Stocker flankieren Festredner Regierungsrat Stephan Attiger in der Jubiläumsausstellung vor der Seenger Mehrzweckhalle.

An der 50-Jahr-Feier des Landschaftsschutzverbandes Hallwilersee sprach Regierungsrat Stephan Attiger über das «einzigartige Kleinod» legte sich in der Besitzfrage aber nicht fest.

«Wem gehört der See?» Unter dieser Affiche stand am Samstag die Jubiläumsfeier des Landschaftsschutzverbandes Hallwilersee (LSVH) in der Seenger Mehrzweckhalle. Die Organisation setzt sich seit einem halben Jahrhundert für die Erhaltung von Landschaftsbild und Natur im Seetal ein.

Die grosse Frage war natürlich provokativ gemeint, erfüllte jedoch ihren Zweck, Diskussionen auszulösen, voll und ganz. Seit 50 Jahren setze sich der Verband «für unseren attraktiven See» ein, erklärte Co-Präsident Benno Stocker in seiner Begrüssung und unterstrich, dass die Feier «nicht nur Anlass zum Rück-, sondern auch zum Ausblick» sei. Dieser Aufruf ging explizit an den Festredner, Regierungsrat Stephan Attiger.

In seiner Doppelfunktion als Bau- und Umweltdirektor war das amtsjüngste Mitglied der Aargauer Regierung prädestiniert für die Beantwortung DER Frage. Und wie es sich für einen Politiker geziemt, lieferte Attiger gleich mehrere Antworten, wobei die juristische die einfachste ist: Seit 1859 gehört der Aargauer Teil dem Kanton und den Luzerner Abschnitt teilen sich die Hallwilstiftung und Gemeinden.

Auf wesentlich mehr Interesse stiessen bei den Zuhörern Attigers Ausführungen über die künftige Nutzung. Gerade weil der Hallwilersee als «ein schweizweit einzigartiges Kleinod ein grosser Schatz» sei, werde er von vielen in Anspruch genommen. «Er ist eine Oase der Ruhe, des Friedens und der Gelassenheit. Die Leute spüren hier eine magische Kraft.»

Dieser von etwas gar viel Pathos triefende Satz sollte bewusst machen, dass der Hallwilersee, mit seinen mehrheitlich unverbauten Ufern und den grünen Hängen, Ziel von mannigfaltigen Besuchern ist. «Die Nutzungskonflikte werden nicht abnehmen», kam der Festredner auf eine nüchternere Ebene zurück. Als aktuelles Beispiel nannte Attiger die Frage, ob man Kitesurfer hier zulassen solle.

Obwohl auch die Seetaler Gemeinden wachsen wollen, gebe es genügend Mittel, um die Bauerei in Grenzen zu halten: «Das Hallwilersee-Schutzdekret ist ein gutes Instrument dazu.» Der Regierungsrat wolle hier «keine Goldküste». Das Dekret erlaube aber Anpassungen, denn man wolle hier auch «keinen geschlossenen Naturpark».

Das Seetal, das im «Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung» Aufnahme gefunden hat, verdanke seinen Zustand auch Organisationen wie der aktuellen Jubilarin: «Der Landschaftsschutzverband Hallwilersee hat Grossartiges geleistet», rühmte Attiger und dankte im Namen der Gesamtregierung für den unermüdlichen Einsatz. Mit «Herz, Liebe, Engagement und Hartnäckigkeit» werde hier einer wichtigen Sache gedient.

Und nun, wem gehört der See, Herr Regierungsrat? Zum Finale seiner Rede lieferte Stephan Attiger gleich nochmals eine Auswahlsendung: «Gehört er uns allen? Oder vielleicht niemandem? Oder sich selbst, der Natur?» Sicher jedoch ist: «Der Hallwilersee wird uns in Zukunft noch mehr fordern.»

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