Er ist knallgelb und macht gerade keinen Wank: der über 20-jährige Piaggio-Roller von Hans Baumann, das Markenzeichen des Hallwiler Schulhausabwarts. «Irgendwas mit der Benzin-Leitung», vermutet Baumann als Ursache der Panne, hantiert flink an der Mechanik und drückt dann erneut die Zündung. Ein gequältes Knattern schneidet sich durch die nachmittägliche Stille der Käsereistrasse – und schon rollt Hans Baumann auf dem Roller weiter zum nächsten Haus mit der Nummer 42.

Es ist einer jener Tage, an denen Schulhausabwart Hans Baumann auch Pöstler ist. In der schwarzen Gepäckbox hinten auf dem Sozius stapeln sich die offiziellen Unterlagen für die Abstimmung vom 24. November sowie die Einladung für die Winter-Gemeindeversammlung am Freitag zuvor.

542 Stimmberechtigte zählt Hallwil. Diese klappert Hans Baumann alle mit seinem Roller ab und steckt die adressierten Couverts in den richtigen Briefkasten – trotz launischer Benzin-Leitung.

«Die Gemeinde spart Geld»

Dass der Hallwiler Schulhausabwart auch Briefe verträgt, hat Tradition, denn in der Seetaler Gemeinde ist der Abwart gleichzeitig Gemeindeweibel – ein Amt der aussterbenden Art: Die Zeiten, als der Weibel auf den Dorfplätzen des Landes die Beschlüsse des Gemeinderates verkündete und lauthals die Metzgete ausrief, sind längst vorbei. Heute hat der Gemeindeweibel – sofern es ihn noch gibt – weniger Aufgaben.

Das Verteilen von Wahl- und Abstimmungsunterlagen zum Beispiel, wie das in Hallwil noch üblich ist. Oder an der Gemeindeversammlung zusätzliche Stühle besorgen. Obwohl: In den meisten Gemeinden ist das heute eher selten nötig.

Für Hallwil weibelt Hans Baumann seit 1999, als er die Stelle des Schulhausabwarts antrat. Er mache dies gerne für die Leute im Dorf, wo er seit 2000 wohnt und längst heimisch geworden ist, sagt Baumann «Die Gemeinde spart zudem Geld, wenn ich die Abstimmungsunterlagen verteile und nicht die Post.»

Für Aussenstehende erscheint dieses Amt als Relikt aus längst vergangenen Tagen. «Wenn ich Kollegen davon erzähle, löst das oft Staunen und Lacher aus», erzählt Baumann. «Viele wissen nicht, dass es so etwas gibt.»

Der Abwart ist auch Kirchensigrist

Auf dem Papier hat Abwart Hans Baumann als Gemeindeweibel zwar nur wenige Aufgaben. Im Alltag aber weibelt der 52-jährige Familienvater ständig für Hallwil: Baumann ist Stimmenzähler, Kirchensigrist, Feuerwehrmann, fährt mit der Kehrichtabfuhr mit und liest Wasserzähler ab. Jeden Freitag zieht er die Uhr im Schulhaus auf. Damit deren Glocken auch an Silvester ohne Murren erklingen, ziehen er und seine Frau Barbara persönlich an den Seilen.

Hans, wie ihn die Kinder auf dem Pausenplatz beim Vornamen grüssen, ist damit ein «Hans Dampf in allen Gassen». Mit dieser Bezeichnung kann sich Baumann aber nicht anfreunden. «All das hat nichts mit meinen Aufgaben als Gemeindeweibel zu tun», sagt er. «Zudem mache ich nur meinen Job und erledige vieles während der Arbeitszeit.»

In Hallwil wird dieses Engagement geschätzt. Diese Dankbarkeit spürt Hans Baumann täglich bei seiner Arbeit. «Wenn ich Laub zusammenreche und sich Kinder dafür bedanken, ist das für mich der schönste Lohn.»