Das Interview mit dem Staufner Gemeindeammann Otto Moser in der AZ vom 22. Oktober hat alte Gräben neu aufgerissen. Zwar zünden die Lenzburger und Staufner einander nicht mehr gegenseitig die Silvesterfeuer zu früh an, doch die Rivalität scheint aktueller denn je.

In einer scharfen Medienmitteilung kritisieren nun die Einwohnerratsfraktion und der Vorstand der SP Lenzburg-Ammerswil das Verhalten der Gemeinde Staufen, die den Steuerfuss von 86 auf 76 Prozent senken will. Brisant: Als Beisitz ist auch der Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann im Vorstand der SP Lenzburg-Ammerswil.

Das Communiqué mit dem Titel «Gemeinde Staufen weiterhin am Rosinenpicken» im Wortlaut:

«Zur Rivalität mit Lenzburg sagt Otto Moser im AZ-Interview vom 22. Oktober salopp: ‹Die Zeit heilt Wunden.› Nicht aber, wenn die Gemeinde Staufen diese Wunden immer wieder aufkratzt! Eine Steuersenkung wie nun vom Gemeinderat beantragt, ist eine Ohrfeige für alle Steuerzahlenden in Lenzburg. Denn zwischen Lenzburg und Staufen herrscht längst ein ungleicher Wettbewerb.

Auf dem ganzen Gemeindegebiet von Staufen herrscht Tempo 30. So wird der Durchgangs- und Schwerverkehr ferngehalten – beziehungsweise eben über die Lenzburger Strassen umgeleitet. Lärm, Dreck und Unterhaltskosten werden abgeschoben. Aus der Regionalschule hat sich Staufen wieder zurückgezogen, weil es Staufen nicht dient. Otto Moser sagt dazu selbst: ‹Wir beteiligen uns dort, wo wir für unsere Bürger einen Nutzen sehen.› Staufen ist der Rosinenpicker der Region! Gute Steuerzahler anziehen und ohne grosse finanzielle Beteiligung mit der Infrastruktur von Lenzburg werben. So geht das nun wirklich nicht!

Die Aufzählung der Beteiligungen an ‹Lenzburger Projekten› ist keineswegs grosszügig zu verstehen. Der Beitrag an die Sanierung des Wiligrabens und der Wässermatten sollte selbstverständlich sein, da die Liegenschaften auf Staufner Boden sonst gar nicht erschlossen wären. Die Bushaltestelle Esterli-Flöösch wurde von Staufen mitfinanziert, weil sich Lenzburg an der zweiten geplanten Haltestelle in der Nähe des Kreisels auf dem Gemeindegebiet von Staufen im gleichen Masse beteiligen wird.

Andere Projekte, zum Beispiel für die Schulwegsicherheit der Oberstufenkinder aus Staufen, verliefen im Sand, weil sich Staufen nicht beteiligen wollte. Lenzburg hat neben Badi und Bibliothek weitere Institutionen mit Fix- und Unterhaltskosten, welche auch rege von den Bürgern aus Staufen benutzt werden, zum Beispiel den Sportplatz und das Tommasini.

Staufen hat viele engagierte Bewohner, welche sich in und um Staufen in verdankenswerter Weise ehrenamtlich einsetzen. Liebe Staufner, ohne euch hätte euer Dorf nicht viel zu bieten! Bitte denkt daran bei der kommenden Gemeindeversammlung. Es lässt sich gut Politik betreiben, wenn man alle Aufwände und Investitionen auf die Nachbargemeinden abschiebt. Ob so ‹alte Wunden› wirklich verheilen? Ob so nachhaltige Gemeindepolitik betrieben wird? Wir wissen, dass es nicht so ist!»

Unterschrieben ist die Medienmitteilung mit «Einwohnerratsfraktion und Vorstand der SP Lenzburg-Ammerswil». (AZ)